Mehrheit für Antrag zur Erhaltung der Roetgener Naherholungsbereiche

Regionalplan: Wie viel Grün braucht die Gemeinde?

Von: ag
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Die Gemeinde Roetgen steht vor einer wichtigen Entscheidung: Es geht um die Frage, wo noch eine Bebauung möglich sein soll und welche Bereiche unangetastet bleiben sollen. Foto: Archiv/P. Stollenwerk

Roetgen. Wie sich die Gemeinde Roetgen zukünftig entwickeln soll, ist eine zentrale Frage, mit der sich die Politik intensiv beschäftigt. Die bevorstehende Änderung des Regionalplans, bei der die aktuelle und zukünftige Siedlungs-, Infrastruktur und Freiraumentwicklung zwischen den Kommunen und der Bezirksregierung abgestimmt wird, zwingt die Politik zu Antworten auf diese Frage.

Nun hat der Bauausschuss der Gemeinde entschieden, den im zukünftigen Regionalplan dargestellten Bereich für Land- und Forstwirtschaft sowie Naherholung im Vergleich zum bestehenden Gebietsentwicklungsplan von 2003 zu erhalten und nach Möglichkeit auszuweiten. Dazu gehört auch der Bereich „In den Segeln“. Mit neun Ja-(PRB, UWG, Grüne, FDP) und sieben Nein-Stimmen (SPD, CDU) wurde der Antrag der PRB-Fraktion angenommen.

„Erhalt der Lebensqualität“

Begründet hatte die PRB ihren Antrag damit, dass bislang nur Vorschläge der Verwaltung zur zukünftigen Entwicklung der Gemeinde eingebracht worden seien. Dabei sei insbesondere die Bebauung der sogenannten Segel (In den Segeln), der Halmersfahrt (Pappelallee) und weiterer sensibler Bereiche genannt worden. Zur Beurteilung der Notwendigkeit fehlten aber Zahlen und Analysen.

Vor dem Hintergrund der im Rahmen der Bürgerversammlung vom 12. Oktober gewonnenen Eindrücke stelle sich die Frage, wie viel Wachstum die Gemeinde wirklich brauche. Es gehe um den Erhalt der Naherholungsgebiete, das Verhindern einer Verschärfung der Wassersituation durch Versiegelung und um den Erhalt der Lebensqualität der Bürger.

Nachdem der gleiche Antrag schon im Umwelt-, Forst- und Touristikausschuss eine Mehrheit gefunden hatte, hatte die SPD für die Sitzung des Bauausschusses als Gegenentwurf einen eigenen Antrag formuliert. Wenn man dem Vorschlag der PRB folge, bedeute das im Umkehrschluss auch, dass es keine zusätzlichen Siedlungs- und Gewerbegebietsflächen mehr geben soll. Vielmehr sollten diese möglichst reduziert werden, hatte die SPD zur Begründung ihres Antrages geschrieben.

Einige Zukunftsprobleme Roetgens seien jetzt schon relativ leicht erkennbar. Dazu gehöre auch die Erkenntnis, dass die Expansionsmöglichkeiten sehr begrenzt seien, und dass große Wiesen und landwirtschaftliche Flächen einen wesentlichen Teil der Attraktivität der Gemeinde ausmachen. Auch deswegen gebe es eine anhaltende Nachfrage nach Grundstücken und Wohnraum.

„Insgesamt kommt uns in der Diskussion um die zukünftige örtliche Entwicklung zu kurz, dass ein Großteil der Lebensqualität und Attraktivität der Gemeinde Roetgen mit den hier lebenden Menschen zu tun hat“, hatte die SPD geschrieben. Mit dem Antrag der PRB sei verbunden, dass in Rott und Mulartshütte „definitiv keine bauliche Entwicklung mehr möglich sein wird“.

Auch die Erweiterung des Gewerbegebietes auf der rechten Seite der Bundesstraße sei dann nicht mehr möglich. Um die Auswirkungen des Beschlusses würden sich auch weitere Fragen ranken, viele wichtige langfristige Aspekte würden mangels grundlegender Informationen nicht ausreichend gewürdigt und der Verwaltung würde für das anstehende erste Gespräch mit der Bezirksregierung Köln am Dienstag, 19. Dezember, jede Verhandlungsbasis genommen.

„Möglichkeiten offen lassen“

„Für Roetgen wäre es unserer Meinung nach zum jetzigen Zeitpunkt vorteilhaft, wenn der Regionalplan viele Entwicklungsmöglichkeiten offen lässt. Im Rahmen eines neuen Flächennutzungsplans wären dann die wesentlichen baulichen und soziodemografischen Faktoren für die zukünftige Entwicklung zu betrachten“, hieß es von Seiten der SPD. Dass sich Roetgen dabei nur behutsam entwickeln dürfe, sei selbstverständlich.

Die SPD schlug vor, die Verwaltung oder auch Fachleute prüfen zu lassen, mit welchen Konsequenzen zu rechnen sei, wenn der PRB-Vorschlag umgesetzt wird, beziehungsweise wenn ein moderater Zuwachs des Allgemeinen Siedlungsbereichs erfolge.

In dem Gespräch mit der Bezirksregierung solle die Verwaltung die Möglichkeiten ausloten, die der Gemeinde im Rahmen des zukünftigen Regionalplans zur Verfügung stehen. Der Gemeinderat solle dann auf dieser Basis über die weitere Vorgehensweise entscheiden. Zur Abstimmung über den SPD-Antrag kam es aber gar nicht erst, weil zuerst über den PRB-Antrag abgestimmt wurde und dieser eine Mehrheit fand.

„An vielen Stellen zu weit“

Auch die CDU lehne eine Bebauung in den Segeln, der Pappelallee oder anderen sensiblen Bereichen in Roetgen ab. Das im Auftrag der Gemeinde entwickelte Gestaltgutachten der RWTH Aachen und die Vorschläge der Verwaltung gingen aber an vielen Stellen zu weit, sagt der Fraktionsvorsitzende Michael Seidel. Der Antrag der PRB sei aber das andere Extrem.

Durch den Beschluss würde eine grundsätzliche Entwicklung in Roetgen im Bereich Gewerbe, zum Beispiel entlang der B 258, oder weitere Wohnbebauung unmöglich. „Wir sind für eine behutsame weitere gewerbliche und wohnwirtschaftliche Entwicklung. Diese ist aber leider nicht mehr darstellbar. Dieser Beschluss behindert zukünftig eine sinnvolle Entwicklung der Ortschaften. In Roetgen geht langsam das Maß der Mitte verloren“, sagt Seidel.

Oberstes Ziel für die Fraktion der UWG sei es, die Wohn- und Lebensqualität in Roetgen zu erhalten und für die Zukunft eine geordnete Ortsentwicklung auf den Weg zu bringen, die nicht von Gewinnmaximierung geprägt sei, sondern sich vorrangig an den Wünschen und Bedürfnissen der Roetgener Bürgerinnen und Bürger orientiert, erklärt die Fraktionsvorsitzende Silvia Bourceau.

Mangels gemeindeeigener Potenzialflächen werde man hinsichtlich der Entwicklung neuer Wohnbauflächen aktiv auf Grundstückseigentümer zugehen müssen. „Eine weitere Lösung zur Schaffung von Baulandflächen sehen wir an vielen einzelnen Stellen im Gemeindegebiet, die zur Arrondierung geeignet sind. Hier ist ein Umdenken seitens der Bauverwaltung erforderlich, wenn wir aktiv gestalten wollen“, sagt Bourceau.

Die Gemeinde müsse sich von innen nach außen entwickeln und nicht umgekehrt, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Franz-Josef Zwingmann. Dem habe die Mehrheit im Bauausschuss Rechnung getragen. „Wir halten ein behutsames bauplanerisches Vorgehen von innen nach außen für sehr wichtig, da unser Grund und Boden eben nicht beliebig vermehrbar ist“, erklärt Zwingmann.

Die Frage sei, ob man das beschleunigte Wachstum der Gemeinde zu Lasten der Naherholungsbereiche und Landschaftsschutzgebiete immer weiter zulasse, oder ob man diese letzten Gebiete erhalten wolle, erklärt Bernhard Müller (Grüne). „SPD und CDU und auch der Bürgermeister wollen nicht zugeben, dass sie offen dafür sind, diese Gebiete oder Teile davon in Baugebiete umzuwandeln und tarnen ihr Vorhaben mit irgendwelchen sehr tendenziös ausgewählten Untersuchungen, die angeblich noch gemacht werden müssten.

Sie wissen sehr genau, dass die Roetgener keine Lust mehr haben, dass immer mehr von der natürlichen Schönheit von Roetgen zerstört wird“, sagt er. Die Grünen seien der Meinung, es sei genug Platz in Roetgen – auch ohne Verdichtung im Ortskern – für weiteren Zuzug oder Kinder und Enkel. „Die Problematik von neuen Grundstücken besteht schon lange in Roetgen und wird immer bestehen bleiben, egal wie wir entscheiden. Wir müssen aber sagen, wann Schluss ist. Wir meinen, dass jetzt Schluss sein muss.“

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