Regencapes für Gäste am Rursee bestellt

Von: Andreas Gabbert
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Ein kurzer Lichtblick: Am Montag konnten die Gastronomen in der Monschauer Altstadt nicht über das Wetter klagen. Die Touristen saßen draußen und genossen den Sonnenschein. In den vergangenen Wochen war das häufig anders. Foto: Gabbert
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Dunkle Wolken über dem Eifelsteig: In den vergangenen Wochen zog es deutlich weniger Wanderer in die Eifel als sonst. Foto: Gabbert
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Sie waren am Montag die einzigen, die sich am Eiserbachsee in Rurberg in Wasser trauten: Jonas Herbergs (li.) und Richard Schramm aus Aachen. Foto: Gabbert

Nordeifel. „Die langersehnten Sonnenstrahlen erwärmen das Land und lassen auch die letzten Reste des Winters schmelzen. Der Frühling hält Einzug und er bringt gleich eine ganze Palette herrlichster Farben mit. Entdecken Sie dieses farbenfrohe Schauspiel im Nationalpark Eifel und tanken Sie Sonne, denn die grauen Zeiten sind vorbei“, heißt es auf der Internetseite der Rursee-Touristik.

Die grauen Zeiten dauern aber schon seit Monaten an, die Besucherzahlen hinken im Vergleich zu den Vorjahren hinterher, und deutliche Besserung ist auch noch nicht in Sicht. Deshalb hat die RurseeTouristik inzwischen Regencapes für die Gäste bestellt. Insbesondere die Tagesbesucher blieben aus, sagt Geschäftsführerin Astrid Joraschky. Wer im Voraus einen längeren Aufenthalt gebucht habe, käme auch. Allerdings tauche häufig die Frage auf, was man bei diesem Wetter denn unternehmen könne. Die Mitarbeiter der Rursee-Touristik verweisen dann gerne auf die Rurseeschiffahrt, die Burg Vogelsang, das Bauernmuseum in Lammersdorf oder den neuen „Lernort Natur“ in Monschau. „Die meisten Leute haben Verständnis für die Situation. Wir sind halt nicht am Mittelmeer. Wir leiden alle gemeinsam mit den Gästen“, sagt Joraschky.

Nur noch mit Humor

Die Rurseeschifffahrt liegt zurzeit weit hinter den Erwartungen zurück. „Der Anlauf ist bei Weitem nicht so groß wie sonst im Frühjahr“, sagt die Geschäftsführerin Waltraud Heuken. Einige Gruppen haben geplante Fahrten bereits storniert, und Heuken hat wenig Hoffnung, die Verluste aufzufangen, „weil der Mai nun mal der Ausflugsmonat ist“.

Als Gastronom erträgt man das Wetter oft nur noch mit Humor. „Am besten wir lassen die Stadt wieder von Christo verhüllen, dann bleiben wir hier trocken und die Besucher kommen in Scharen“, scherzt Wolfgang Kaever von der Arbeitsgemeinschaft Monschauer Unternehmer. Das Wetter sei ein ganz entscheidender Faktor, sagt der Café-Besitzer. „Für die Kollegen mit Außengastronomie ist gutes Wetter schon die halbe Miete“. Der Mai sei an manchen Wochenenden sogar versöhnlich gewesen, noch schlimmer seien die Monate März und April gewesen. „Das war für uns hier in Monschau deutlich spürbar“, sagt Kaever.

Das „Terrassengeschäft“ leide in der Altstadt bestätigt auch Bürgermeisterin Margareta Ritter, die gleichzeitig auch Geschäftsführerin der Monschau-Touristik ist. Generell sei die Stadt Monschau aber weniger betroffen als ländlichere Gebiete. Die Stadt habe elf Museen vorzuweisen, „die bei diesem Wetter in der Region gerne als Ausweichmöglichkeit genutzt werden“. „Das Geschäft findet dann drinnen statt“, sagt Ritter. Anhand der Parkgebühren habe man das laufende mit dem vergangenen Jahr verglichen und keinen großen Unterschied bei den Besucherzahlen festgestellt.

Nicht nur die Menschen leiden unter diesen Wetter, auch die Tiere. „Die Kälte allein macht nicht viel aus, aber unter der Kombination mit der Nässe leiden die Jungtiere der Hasen, der Bodenbrüter und Rehe und können auch daran zu Grunde gehen“, erklärt der Initiator der Rollenden Waldschule und des Lernortes Natur, Hermann Carl. Zu schaffen macht das Wetter vor allem auch den Bienenvölkern. „Die können jetzt nicht richtig fliegen und sind im Winter auch schon arg gebeutelt worden, das führt zu Problemen bei der Bestäubung“, sagt Carl. Bei den Rehen hat sich durch die Witterung der Haarwechsel etwas verzögert. Die sehen jetzt ziemlich zerrupft aus. „Krank sind die aber nicht, das Haar fällt jetzt in großen Büscheln aus, das gibt sich aber bald.“

Besser geht es den Landwirten. „Für den klassischen Ackerbau ist die momentane Situation nicht schlecht. Da gilt der alte Spruch: Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun und Fass“, sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW. Weizen, Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais stehen laut seiner Aussage gut da. Für die Bauern ist die Kälte momentan gar nicht so schlecht. „Die Kälte hat den Vorteil, dass die Kulturen sehr gesund sind, weil es kaum Pilze oder Schädlinge gibt.“ Langsam darf es aber auch aus Sicht der Landwirte wärmer und vor allem trockener werden. Viele Landwirte in der Eifel warten darauf endlich das hohe Gras mähen zu können. „Das Gras wird zwar mehr, aber nicht besser, weil der Nährstoffgehalt abnimmt“, sagt Rüb.

„Sorg doch endlich mal für besseres Wetter, Du hast doch einen guten Draht zu Petrus.“ So etwas hört unser Wetterexperte Andreas Holz in letzter Zeit mehrfach in der Woche. Ändern kann er es aber auch nicht. Die Voraussagen für die nächsten Tage sehen schon wieder bescheiden aus. Bereits morgen soll es wieder kühler werden und immer wieder regnen. Erst im Juni soll es besser und endlich auch mal die 20-Grad-Marke erreicht werden.

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