Realschule: „Hier wird keiner mit seinen Ängsten alleine gelassen”

Von: Mira Kleine
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Mit Lea Brauers (li.) und Marion Brinkmann und ihren Mitschülerinnen der Mädchenrealschule in Monschau wurde am Morgen nach dem Amoklauf in Winnenden über mögliche Anlaufstellen für Probleme und richtiges Verhalten im Ernstfall gesprochen. Foto: Mira Kleine

Monschau. „Betroffenheit, Trauer und Unverständnis” - wie bei vielen Menschen sah so auch die erste Reaktion des Schuldirektors der Städtischen Elwin-Christoffel-Realschule (ECR) in Monschau, Peter Groten (54), auf die Nachricht über den Amoklauf in Winnenden aus. In den Gesichtern der Schüler sind nach wie vor Entsetzen und Fassungslosigkeit über die Tat zu erkennen.

Nun steht wieder einmal die Schule als Ort des Geschehens im Fokus der Öffentlichkeit. Die Unberechenbarkeit, dass jeder Ort und jeder Mensch von einer solchen Tat betroffen sein könnte, bringt viele zum Nachdenken. Die Monschauer Realschulen versuchen, den Problemen nicht auszuweichen und stellen sich den Tatsachen.

Zeitungsartikel vorgelesen

Einige besorgte Eltern riefen, unmittelbar nachdem sie von den Ereignissen in Baden-Württemberg erfahren hatten, in den Schulen an und wollten sich über die Sicherheit ihrer Schützlinge vergewissern. „Natürlich könnte ein solcher Amoklauf auch in Monschau passieren, davor ist niemand hundertprozentig geschützt”, weiß der Direktor der Privaten Bischöflichen Mädchenrealschule St. Ursula, Franz-Peter Müsch (57). „Aber wir haben uns bestmöglich auf eine solche Situation vorbereitet und schauen, dass wir Probleme frühzeitig anpacken”, versicherte er.

Auch die Schülerinnen und Schüler beider Realschulen in Monschau sehen sich in ihrem Umfeld, so gut es geht, aufgehoben und geschützt. „Ich fühle mich hier schon sehr sicher, weil ein Thema wie der Amoklauf in Winnenden an meiner Schule sehr ernst genommen wird”, so die 15-jährige Realschülerin Marion Brinkmann.

Am Morgen wurde für sie und ihre Mitschülerinnen durch die Lautersprecheranlage der Zeitungsartikel „Wenn Ihr Angst habt, solltet ihr reden!” („Karlo Klaro - Aktuelles für Kinder in der Ausgabe vom 12. März, Seite 32) vorgelesen. „Unsere deutsche Fahne vor der Schule hängt auf Halbmast”, ist der 13-jährigen Bianca Nießen am Morgen vor der Elwin-Christoffel-Realschule aufgefallen. Auch im Unterricht wurden die aktuellen Ereignisse in den Klassen thematisiert.

In jedem Klassenraum wurde ein Zettel mit Ansprechpartnern, Kontakten und Nummern für Sorgentelefone aufgehängt. „Wenn jemand wirklich Probleme hat, findet er dafür auch ein offenes Ohr”, so Michael Schmitz (16) von der ECR. „Wir haben Vertrauenslehrer, eine Schülervertretung und einen Schulsozialarbeiter”, erklärte der Zehntklässler. „Ich denke, das Lehrer-Schüler-Verhältnis an meiner Schule ist gut. Keiner wird mit seinen Sorgen und Ängsten alleine gelassen, wenn er Hilfe sucht”, findet Lea Brauers (16).

Keine Parallelen ziehen

Zu viele Menschen verschließen die Augen, nehmen Anzeichen auf tiefe psychologische Probleme bei Mitschülern nicht ernst und wollen nicht als Verräter dastehen, meinen die Jugendlichen. In einer solchen Situation seien gute Ansprechpartner das Wichtigste. Auch Direktor Peter Groten erkannte darin einen wesentlichen Kern der Problemkette, die eine solche Tat mit sich führt: „Es sollte noch mehr eine Selbstverständlichkeit sein, dass jede Schule einen Schulsozialarbeiter hat, der als enge Bezugsperson Kindern und Jugendlichen zur Seite steht.”

Die Pädagogen an den Realschulen in Monschau gehen das problematische Thema bewusst offensiv an. „Dabei macht es wenig Sinn, alle möglichen Parallelen zu dem Fall zu ziehen, beispielsweise, dass Winnenden auch wie Monschau eine ländliche Gegend ist”, so Direktor Peter Groten. So etwas Unvorhersehbares könne überall passieren. „Das stiftet bloß Unruhe und keinesfalls Beruhigung.”

Die Schulen haben aus der Vergangenheit, insbesondere nach dem Amoklauf von Emsdetten, gelernt und haben in enger Zusammenarbeit mit der Polizei Aachen im März letzten Jahres einen Notfallplan erstellt, damit sie im Ernstfall gerüstet sind. So sind auch innerhalb aller Klassen die jeweiligen Raumnummern angebracht worden.

Die Polizei ist im Besitz der genauen Pläne aller Schulen. Zudem gibt es eine Art Codesatz für Lehrer, mit dem sekundenschnell Informationen über einen möglichen Täter im Gebäude weitergegeben werden können. Die Schülerinnen und Lehrer der Mädchenrealschule versammeln sich in einem solchen Fall im unteren Parkhaus.

Verhalten im Notfall

„Wir wurden genau darüber aufgeklärt, wie wir uns im Notfall verhalten müssen”, erklärte die Zehntklässerin Marion Brinkmann. Zudem wird verstärkt darauf geachtet, wer das Schulgebäude betritt, da das Sekretariat den ganzen Eingangsbereich im Blick hat.

Dem Direktor liegt es sehr am Herzen, dass seine Schüler morgens mit einem guten Gefühl in die Schule kommen können. Auch dann, wenn in einigen Tagen die schrecklichen Ereignisse von Winnenden aus den Schlagzeilen verschwunden sind.
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