Ravel-Radweg: Birkhühner gesehen, wo es keine geben soll

Von: Ernst Schneiders
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Dort, wo im Paustenbacher Venn der Ravel-Radweg gebaut werden soll, wollen Naturschützer die seltenen Birkhühner gesehen haben. Experten der Uni Lüttich erklären hingegen, dass es diese Vögel genau dort nicht gibt. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Claus Mayr vom Naturschutzbund in Aachen hat dieser Tage die Muskeln spielen lassen und mit einer Klage gegen den Ravel-Radweg für den Fall gedroht, dass im Bereich Monschau weiterhin gegen geltendes Naturschutzrecht verstoßen werde. Wenn Claus Mayr so etwas ankündigt, dann sollte man das ernstnehmen, denn er ist ein harter Brocken.

Mayr hat beim Schutz der seltenen Feldhamster in der Horbacher Börde vor Jahren bewiesen, wie lange er den Bau des Gewerbegebietes Avantis hinauszögern konnte. Dass dieses als europäisches Vorzeigeprojekt geplante Gewerbegebiet mittlerweile eine gigantische deutsch-niederländische Investitionsruine ist, lag nicht an den possierlichen Nagern, sondern an der Uneinsichtigkeit der Politik, speziell des damaligen Aachener Oberbürgermeisters Jürgen Linden. Im Fußballerjargon müsste man von einem „Grottenkick” sprechen.

Heute würde das Areal sich prima als Windpark eignen. Das ist bei Ravel-Radweg anders, auch wenn wieder Tiere eine Rolle spielen. Und weil der Bau dieses als touristisches Highlight herbeigesehnten Radweges bis nach Luxemburg nicht gefährdet werden soll, kommen von der Städteregion und der Stadt Monschau viele moderate Töne.

Uwe Zink, Umweltdezernent an der Aachener Zollernstraße, hält es für das „gute Recht” eines Naturschützers, anderer Meinung zu sein und eventuell den Klageweg zu beschreiten. Allerdings ist Zink der Auffassung, dass „irgendwer den Vogel abgeschossen” haben muss. Seit mehr als 30 Jahren erforsche die Universität Lüttich die Birkhühner und deren Leben im Venn und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es dort, wo der Ravel-Radweg verlaufen solle, keine Birkhühner gibt. Inzwischen allerdings wollen dort mehrere Personen diese seltenen Vögel gesehen haben. Zink: „Jetzt werden 30 Jahre wissenschaftliche Forschung in Frage gestellt, und mit Blick auf die EU-Richtlinien geraten wir zwischen alle Stühle.”

So ganz traut Zink dem Braten ohnehin nicht, denn „es wollen auch Leute Birkhühner gesehen haben, die dort Eigeninteressen verfolgen”. Für die Braunkehlchen sei eine Lösung gefunden und für alles, was sich auf belgischer Seite abspiele, müsse man erst abwarten, was die Nachbarn im Westen vorhätten. Der Umweltdezernent sieht einem möglichen Verfahren zwar „gelassen entgegen”, allerdings hält er diese Zuspitzung „nicht für richtig”.

Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter stimmte versöhnliche Töne an. Man solle sich nicht „zusätzliche Probleme” machen. Die Bevölkerung freue sich auf den neuen Radweg, und man solle dieses Projekt „nicht mit Birkhühnern und Braunkehlchen kaputtreden”.

Für die Braunkehlchen sei ein „gelungener Kompromiss” gefunden. Während der Brutzeit der schützenswerten kleinen Vögel werde der Ravel-Radweg gesperrt und eine Umfahrung angeboten, mit ein wenig stärkerer Steigung und nicht auf einer klassifizierten Straße, sondern durch den Wald.

Viel wichtiger ist für die Monschauer Verwaltungschefin allerdings die Sicherheit der Querungen. Anders als in der Städteregion bevorzugt, plädiert Margareta Ritter dafür, „die Verkehrsregeln einzuhalten”. Das heißt: kein Vorrang für die Radler an den Querungen.

Hier Vorrang, dort nicht, das verwirre nicht nur die Erwachsenen, sondern vor allem die Kinder, weist Ritter auf mögliche Gefahrenquellen hin. Und auch eine Schranke vor einer Querung sei immer noch ein probates Mittel, um Kinder, „die immer vorausfahren”, zu stoppen. „Dann müssen sich die Eltern nicht die Seele aus dem Leib brüllen.”

Was das Paustenbacher Venn und die Birkhühner betreffe, so Margareta Ritter, dazu „fehlen uns in Monschau Verständnis und Zugang”.
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