Rauschengel vom Christkindlesmarkt sind zur Kur in der Eifel

Von: Andreas Gabbert
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Peter Sußner in seiner Werkstatt in dem ehemaligen Kesselhaus bei Dreistegen an der Arbeit: Das erste Mal arbeitete er Anfang der 1980er-Jahre an den Rauschgoldengeln. Damals war er Azubi bei einem Fachbetrieb für Metallrestauration in Nürnberg. Foto: A. Gabbert

Monschau. Peter Sußner aus Monschau steht in seiner Werkstatt und hält einen Kopf in der Hand, den er mit Sandpapier sorgfältig abschleift. Hinter ihm steht ein 2,5 Meter großer goldener Engel ohne Flügel und mit einem Strick um den Hals, der ihn dabei zu beobachten scheint. Es ist einer der berühmten Rauschgoldengel, die in der Weihnachtszeit über den Eingängen des Nürnberger Christkindlesmarktes schweben, um die Besucher zu begrüßen.

Der Strick um den Hals dient lediglich der Befestigung, und die Flügel hat ihm Peter Sußner im Zuge der Restaurationsarbeiten abgenommen, damit sie bald wieder in neuem Glanz erstrahlen. Der Kopf in seinen Händen gehört zu einem der beiden anderen Rauschgoldengel, die Sußner zurzeit in seinen Räumen in dem ehemaligen Kesselhaus mit dem markanten Schornstein bei Dreistegen restauriert. Sußner sucht nach Rissen in dem Holzkopf, macht sie sauber, entfernt das faule Holz, spachtelt die Risse zu und schleift sie ab. „Das ist wie beim Zahnarzt“, sagt er.

Zum ersten Mal legte der gebürtige Franke Anfang der 1980er Jahre Hand an die Engel, als er mehrere Ausbildungen in dem Fachbetrieb für Metallrestauration von Konrad Kunstmann in Nürnberg absolvierte – zunächst zum Gas-Wasser-Installateur, anschließend zum Flaschner (Bearbeitung von Feinblech und Metallen) und später zum Kupferschmied. Damals wurden die beiden großen Rauschgoldengel dort erstmals restauriert und die Stahlbleche durch eloxiertes Aluminium ausgetauscht. Die Verantwortlichen hatten sich damals für diesen Betrieb entschieden, weil Kunstmanns Großvater die Engel in den 1950er Jahren mitgebaut hatte.

Als nun eine erneute Restaurierung der beiden großen und eines etwas kleineren Rauschgoldengels anstand, nahm die Stadt Nürnberg Kontakt mit Ursula Kunstmann auf, deren Mann Konrad inzwischen gestorben war. Sie verwies auf Peter Sußner, und kurz darauf klingelte bei ihm in Monschau das Telefon. Die Frage lautete, ob er nach dem Ende des Christkindlesmarktes Ende Dezember die drei Engel abhängen und zur Restauration mit in die Eifel nehmen wolle.

„Erstmal habe ich mich gefreut. Es ist schön, wenn man ein Stück, an dem man als Azubi gearbeitet hat, wieder in die Hände bekommt. Die Tradition wird gepflegt, und für mich ist es ein Zeichen von Kontinuität und guter Arbeit. Wir sind alle aus derselben Flaschner-Familie. Das macht einen stolz “, sagt der 55-Jährige, der inzwischen zwei Meisterbriefe (Flaschner und Kupferschmied) in der Tasche hat.

Also machte sich der Wahl-Monschauer Ende Dezember auf den Weg nach Nürnberg. „Der kleine Engel passt in meinen VW-Bus, den habe ich gleich mitgenommen“, sagt Sußner. In seiner Werkstatt zerlegte er den 1,80 Meter großen Engel und baute ihn auseinander, um ihm später neue Flügel zu verleihen. Dann erstellte er ein Schadensgutachten und reichte ein Angebot für die Restauration der beiden größeren Engel ein. Im März besorgte er sich einen Leihwagen und holte sie ebenfalls ab.

In Monschau soll ihnen Sußner nun neuen Glanz verleihen. Zeitdruck hat er dabei nicht, erst Anfang November sollen sie in Nürnberg wieder der Öffentlichkeit präsentiert werden und im Dezember dann wieder über den Köpfen der Besucher des Christkindlesmarktes schweben. Da es sich um historische Stücke handele, seien viele Absprachen nötig, erklärt Sußner. „Man versucht immer, möglichst viel des historischen Materials zu erhalten. Es geht nicht darum, die Engel neu aufzubauen. Nur das Nötigste wird mit neuem Material gemacht“, sagt er.

Die einzelnen Arbeitsschritte müssen dabei in Text und Bild dokumentiert werden. Wichtig sei, die alten Techniken zu beherrschen, die innerhalb des Betriebes weitergegeben wurden. Ebenso wichtig sei aber auch, auf dem neuesten Stand zu sein, um zu sehen, was man besser machen kann, erläutert er.

Erfahrung hat Peter Sußner eine Menge. Er war unter anderem an der Restauration der Lorenzkirche in Nürnberg beteiligt, für die Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg in Jerusalem entwarf er sieben Rinnenkessel und fertigte sie an, das Gleiche gilt für die Portale der St.-Adalbert-Kirche in Aachen.

Nachdem Peter Sußner Ende der 1980er Jahre / Anfang der 1990er Jahre in Stuttgart an der Robert-Meyer-Schule, der Bundesfachschule für Metallbautechnik, seine Meisterprüfungen abgelegt hatte, arbeitete er zunächst als leitender Meister bei einer Firma in Mannheim. Später besuchte er in Aachen die Akademie für gestaltende Handwerke und machte sich 1993 als Metallgestalter in Stolberg selbstständig. Im Jahr 2000 kaufte er das alte Kesselhaus der Tuchfabrik von Walter Scheibler an Dreistegen. „Seitdem bin dabei, das Gebäude zu restaurieren und zu sanieren“, sagt er.

Seit 2005 lebt er dort und arbeitet als Metallgestalter, Restaurator und freier Künstler. „Das sind meine drei Schwerpunkte“, sagt Sußner, während er den Holzkopf in seinen Händen dreht und von allen Seiten begutachtet. Die Behandlung scheint erfolgreich gewesen zu sein.

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