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Raucherschutzgesetz gefällt auch den Karnevalsgesellschaften nicht

Von: Karl-Heinz Hoffmann
Letzte Aktualisierung:
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Wir müssen draußen bleiben: Auch bei der Rathaus-Erstürmung in Simmerath ist der Spaß vorbei, wenn das Nichtrauchergesetz greift. Zur Raucherpause trifft man sich auf dem Mini-Balkon. Foto: Archiv/P. Stollenwerk

Eifel. Wenn man im Zusammenhang mit dem gesetzlich verordneten Rauchverbot die Lammersdorfer Herrensitzung am zurückliegenden Wochenende als Maßstab für den vor der Tür stehenden Sitzungskarneval nimmt, stehen den Karnevalsvereinen bei ihren Veranstaltungen bewegte Zeiten bevor.

Teilweise bis zu 100 Raucher standen während der gesamten Sitzung außerhalb des Zeltes auf dem Dorfplatz.

Aufgrund der geänderten Gesetzeslage ist es nicht nur für die Raucher vorbei mit den gemütlichen Sitzungen, wo Bier und Tabakqualm unzertrennliche Genossen waren und zur Zelt- und Saalatmosphäre im Rahmen der närrischen Kulturpflege einfach dazu gehörten. Unruhe sowie ein ständiges Kommen und Gehen von größeren Gruppen dürften an den Veranstaltungsorten in Zukunft dazu gehören.

Unbestritten wird durch die strenge Neuregelung des Gesetzes zum Schutze der Nichtraucher in NRW die Luft in den Eifeler Sälen und Zelten besser werden.

Dennoch: Freudensprünge über die geänderte Gesetzeslage vollführen die Funktionäre der Eifeler Karnevalsvereine nicht gerade. Hinter vorgehaltener Hand räumen alle Vereinsvorstände, egal ob Raucher oder Nichtraucher, mehr oder weniger ein, dass sie über das strikte Rauchverbot bei den karnevalistischen Veranstaltungen nicht glücklich sind.

Auch zu Beginn der Lammersdorfer Herrensitzung machte der Veranstalter pflichtgemäß auf die veränderte Lage an der Qualmfront aufmerksam, woran sich auch jeder streng hielt. So begaben sich Raucher also meist in Gruppen nach draußen zur dort aufgestellten „Rauch-Pagode“, einem überdachten Pavillon ohne Seitenwände, in dem allerdings kein Aschenbecher stand.

Durch das ständige Kommen und Gehen ging zweifelsohne trotz aller sauberen Luft Atmosphäre im Zelt verloren. So lautete auch der gemeinsame Tenor aus dem Raucher- und Nichtraucherlager, das zusammen angereiste Gruppen laufend auseinander gerissen würden und diese Situation sich einfach als „Stimmungstöter“ erweise.

In Zukunft werden sich wohl alle Beteiligten auf Sitzungen und ähnlichen Veranstaltungen darauf einstellen müssen, dass es wesentlich unruhiger und ungeselliger zugehen wird. Hinzu kommt, dass schwächere Vortragskünstler bei den Sitzungen sich künftig wohl damit abfinden müssen, vor halb leeren Reihen ihren Auftritt zu absolvieren, da das rauchende Publikum diesen Zeitpunkt gerne als Pause nutzen dürfte.

Solche Szenarien waren bereits auf den Prinzenproklamationen in Rollesbroich und Simmerath zu beobachten. Hier fiel die angesprochene Raucher-Bewegung aufgrund der geringeren Besucherzahlen und des gemischten Publikums zwar nicht so krass aus, war aber auch nicht zu übersehen.

Während drei Karnevalsvereine in unserer Region ihre erste Feuerprobe in der ersten rauchfreien Session überstanden haben, steht dies den anderen Vereinen noch bevor. Bruno Nellessen, Präsident der Kiescheflitscher aus Rurberg/Woffelsbach und nach eigenen Angaben seit 28 Jahren Nichtraucher, nimmt die Sache zunächst einmal mit Humor. Er verweist auf die für 30.000 Euro im Antoniushof installierte Abzugsanlage, mit der man grundsätzlich alle Rauchprobleme in den Griff kriegen und für saubere Luft im Vergnügungstempel am Eiserbachsee sorgen könnte.

Vorsitzender Clemens Janßen ist guter Dinge, dass die Sitzungen am Rursee in gewohnter Manier und Atmosphäre verlaufen, „da man bei uns ja draußen auf der Terrasse rauchen kann“ und der Weg dorthin nicht weit sei.

Frank Kühnel, Vorsitzender der KG Roetgen, stellt fest, dass es sich um ein „heißes Thema“ handele. „Ich bin zwar auch Nichtraucher, kann aber da mit den Rauchern mitfühlen“, räumt er ein. Bei seinem Besuch auf der Herrensitzung in Vettweiß, wo immerhin 1500 Besucher waren, habe er während der Sitzung die gleichen Beobachtungen wie bei der Lammersdorfer Veranstaltung gemacht. „Natürlich können wir uns nicht über die gesetzlichen Vorgaben hinwegsetzen, da wir als Veranstalter verantwortlich sind“, erklärt Kühnel die allgegenwärtige Notlage der Vereine. In Roetgen soll ein Beistellzelt die Raucher aufnehmen.

Auch Michael Titz, Geschäftsführer der Kester Lehmschwalbe, bestätigt die Beobachtungen Kühnels aus dem Vettweißer Mammutzelt. „Es ist schon ungemütlich, wenn zusammenstehende Gruppen immer wieder auseinander gerissen werden.

Plötzlich ist keiner mehr am Tisch, weil die Raucher nach draußen gegangen sind.“ Titz erinnert daran, dass man in Kesternich bereits im vorigen Jahr bei der Kindersitzung ein freiwilliges Rauchverbot ausgesprochen habe. „Daran hat sich dann auch jeder gehalten“, hält er anerkennend fest und hofft, dass dies auf den anstehenden Sitzungen der Lehmschwalbe gleichfalls der Fall sein wird.

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