Rastplatz am Eifelsteig in der Mainacht mit Bauschaum verunstaltet

Von: Peter Stollenwerk
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Auch das neue Edelstahlschild an Herbert‘s Eck in Einruhr wurde mit Bauschaum verunstaltet. Foto: P. Stollenwerk
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Mit Bauschaum verunstaltet: Herbert Nießen (r.) kann es nicht fassen. Dennoch überreichte er Angelika Lentzen vom Förderverein Hilfe für Krebskranke wie geplant die erste Spende. Links Metallbauer Michael Breyer. Foto: P. Stollenwerk

Einruhr. Der idyllische Rastplatz, den der 70-Jährige in monatelanger Eigenleistung errichtet und für die Allgemeinheit zugänglich gemacht hat, ist in der Mainacht von Sonntag auf Montag zum Schauplatz einer offenbar gezielten Attacke geworden. Wohin man schaut, hat sich das inzwischen verfestigte Dichtungs- und Isoliermaterial ausgebreitet. Anzeige gegen unbekannt wurde bereits bei der Polizei erstattet.

„Das musste nicht sein“, sagt Herbert Nießen und schüttelt verständnislos mit dem Kopf. Der mit einer Bruchsteinmauer eingefasste Ruheplatz am Schlachteberg direkt am Eifelsteig wurde mit klebrigem Bauschaum verunstaltet. Auf Tisch, Hockern und Sitzbank liegen die klebrigen Schnüre aus Montageschaum. Aus dem Edelstahlauge in der Bruchsteinmauer quillt die Masse und von der Widmung, die Herbert Nießen hier anbrachte, kann man nichts mehr lesen. Nur das Holzkreuz ließen die Täter unberührt.

Voll attackiert wurde dagegen die kleine Spendenbox und ein erst kürzlich errichtetes dekoratives Hinweisschild, das vorbeikommende Wanderer noch mehr als bislang ermuntern sollte, an „Herbert‘s Eck“, so hatte der Erbauer den idyllischen Aussichtspunkt mit Blick auf Einruhr und den Obersee genannt, für einen Augenblick zu verweilen.

Eigentlich sollte am Dienstag das hübsch gestaltete Hinweisschild anlässlich einer Spendenübergabe seiner Bestimmung übergeben werden, doch nun herrschte gedrückte Stimmung – auch bei Angelika Lentzen aus Rollesbroich, die für den Verein Hilfe für krebskranke Kinder Aachen den ersten Scheck aus der Spendenbox-Sammlung entgegennehmen sollte. Die Scheckübergabe fand dennoch statt, aber das bestimmende Thema war der Vandalismus in der Mainacht.

Herbert Nießen und auch einige seiner Mitstreiter sind sich inzwischen sicher, dass es sich um eine ganz gezielte Attacke handeln muss, sei es doch mehr als unwahrscheinlich, dass Leute, die in der Mainacht unterwegs seien, eine Kartusche Bauschaum mitführen würden.

Der Täter kannte offenbar den Aussichtsplatz sehr genau und wusste, wo er punktuell den meisten Schaden anrichten kann. Zum Glück war es recht kühl in der Mainacht, so dass das Material sich nicht so stark ausdehnte. Dann hinterließ der Täter zudem noch eine obszöne Schmiererei, die Zeugen auch bereits an anderer Stelle gesehen haben und die der Täter offenbar gerne als eine Art Handschrift am Tatort hinterlässt.

Auch wenn Herbert Nießen einen konkreten Verdacht hat, hofft er, dass sich weitere Zeugen melden, die in der Mainacht, die auf dem Spielplatz gefeiert wurde, Beobachtungen gemacht haben, die auf den Täter schließen lassen. Anzeige gegen unbekannt hat er bereits bei der Polizei erstattet.

„Der Sachschaden geht in die Tausende Euro“, schätzt Herbert Nießen, den die Attacke auf sein mit Liebe und Präzision gestaltetes Plätzchen zutiefst betroffen macht. Zunächst einmal will er nichts verändern und alles so liegen lassen, zumal Michael Breyer vom gleichnamigen Metallbaubetrieb nach einer ersten Bestandsaufnahme vor Ort festgestellt hat, dass sich der PU-Schaum insbesondere auf den Edelstahlteilen wohl nicht restlos entfernen lässt: „Es werden immer Flecken sichtbar bleiben.“

Herbert Nießen hat unterdessen einen Hinweis angebracht, der die Wanderer aufklärt: „Hirnloser Vandalismus in der Mainacht“, hat er darauf geschrieben.

Trotz der traurigen Umstände überreichte Herbert Nießen dann einen Scheck in Höhe von 618 Euro an die Kinderkrebshilfe. Im ersten Jahr der Spendensammlung fanden sich exakt 250 Euro in der Box am Rastplatz. Der Betrag wurde dann durch weitere Spenden von Privatleuten aufgestockt.

Die Spendenbox wird regelmäßig geleert. Aktuell befinden sich aber noch knapp 30 Euro in dem Metallkästchen, die aber vom Bauschaum kaum noch zu trennen sein dürften.

Eigentlich hatte Herbert Nießen darauf gehofft, dass sich die Spendenbox üppiger füllt, zumal an schönen Tagen Dutzende Wanderer „Herbert‘s Eck“ passieren. Nach Schätzungen des Erbauers dürften es aber nur rund drei Prozent der Wanderer sein, die tatsächlich eine Pause einlegen, um das Panorama in Perfektion zu genießen. Deshalb hatte er auch kürzlich das neue Hinweisschild angebracht, das aber jetzt durch den Montagekleber unleserlich geworden ist.

32 Tonnen Material hat Herbert Nießen am Aussichtspunkt in den Hangwiesen verarbeitet, und viele freiwillige Helfer und Firmen hatten seine Initiative damals unterstützt, aber offenbar nicht alle Zeitgenossen gönnen ihm den perfekt gestalteten Platz. Wie es jetzt weitergeht, weiß Herbert Nießen noch nicht.

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