Raritäten der Natur: Der Feuerfalter ist ein Relikt aus der Eiszeit

Von: Günter Krings
Letzte Aktualisierung:
10764931.jpg
Der Blauschillernde Feuerfalter kommt auch noch in der Nordeifel vor: Das Foto wurde im Mai 2015 im unteren Holderbachtal bei Widdau aufgenommen. Foto: Günter Krings

Nordeifel. Er ist einer der großen Raritäten in der Natur unserer Heimat – der Blauschillernde Feuerfalter. In Deutschland kommt der Tagfalter nur noch in sechs Regionen vor, unter anderem auch in der Nordeifel. Blütenreiche Feuchtwiesen bilden den idealen Lebensraum der streng geschützten Art.

In Zusammenhang mit artenschutzrechtlichen Gutachten für die Ausweisung von Gewerbeflächen in Simmerath und Monschau ist das kleine Tagfalter zu großer Popularität in der Region gelangt.

Er gehört zur Familie der Bläulinge und ist verbreitet über Nord- und Mitteleuropa bis nach Sibirien. In Deutschland allerdings gibt es nur noch sechs Regionen, in denen dieser kleine Falter vorkommt, und eine davon ist die Nordeifel. Die Art ist in der Bundesartenschutzverordnung als „streng geschützt“ aufgeführt.

Sein Lebensraum sind halboffene, blütenreiche Feuchtwiesen entlang von Gebirgsbächen. Unbedingt erforderlich sind auch große Bestände von Schlangenknöterich und ein kühl-feuchtes Klima. Er ist so zu sagen ein Relikt aus der Eiszeit. Die Raupen dieses Schmetterlings ernähren sich ausschließlich von den Blättern des Schlangenknöterich, während der Falter auch an den Blüten anderer Pflanzen der Feuchtwiesen Nektar saugt: Wiesen-Schaumkraut, Sumpf-Vergissmeinnicht, Hahnenfuß, Sumpf-Dotterblume.

Seine Grundfärbung ist orange-braun, aber je nach Lichteinfall schillern seine Flügel blau. Anfang Juni legen die Weibchen die Eier einzeln auf die Blattunterseite des Schlangenknöterichs. Kurz danach schlüpfen die Raupen, ernähren sich ein bis zwei Monate von diesen Blättern und verpuppen sich dann. Die Puppenruhe beginnt im Juli und dauert bis zum Mai des nächsten Jahres, wenn wieder die neuen Falter schlüpfen. Die Falter selbst überleben den Winter nicht.

Wo kommt nun in unserer Heimat dieser seltene Falter vor? Da sind sicherlich die Feuchtgebiete an der oberen Kall zu nennen, des weiteren die Brachflächen im Bereich des Perlbaches. Da der Falter keine lange Flugzeit hat wie zum Beispiel die Kohlweißlinge oder der Kleine Fuchs, ist es sicherlich schwierig, alle Bestände und Vorkommen zu erfassen.

Auch wandert der Falter nur ungern und versucht seine Eier da abzulegen, wo er aufgewachsen ist. Da in früheren Zeiten niemand in unserer Region Schmetterlinge gesucht und gezählt hat, kann man nicht sagen, ob der Blauschillernde Feuerfalter einst häufiger war als jetzt.

Die größte Gefahr würde dem Falter drohen, wenn Feuchtgebiete trockengelegt würden. Aber das ist nicht die einzige Bedrohung für diesen Falter. Ganz schlimm würde es, wenn sich die Vegetation verändern würde, wenn also z. B. der Schlangenknöterich verschwinden würde. Die Brachwiesen im oberen Kalltal scheinen seit Jahren unverändert zu sein, aber die Bestände des Schlangenknöterichs sind rückläufig.

Viele Bereiche des heutigen Brachlandes wurden noch bis in die 50er im Spätsommer, also Ende Juli und Anfang August, gemäht und zu Heu für Jungtiere verarbeitet. Gedüngt mit Kunstdünger wurden diese Wiesen nie. Seit den 50er Jahren lohnte es sich nicht mehr, in den Kallbenden Heu zu machen. Das aufwachsende Gras blieb stehen, verfaulte und düngte somit den Boden. Ebenso verdrängte das sich ausbreitende Pfeifengras den Schlangenknöterich.

Auch das Gras in den Hangwiesen im Perlbachtal wurde früher noch zu Heu verarbeitet. Auch hier wurde nicht gedüngt, aber über Deiche, die unterhalb des Waldes verliefen, wurden diese Wiesen bewässert und blieben damit auch in trockenen Sommern feucht. Hier wie auch im Kalltal blühten zahlreiche Schlangenknöteriche.

Die Biologischen Stationen Aachen und Düren jedenfalls arbeiten daran, im Projekt „Rur & Kall - Lebensräume am Fluss“ die Lebensräume an diesen beiden Flüssen zu erhalten und zu verbessern und somit auch für den Schutz des Blauschillernden Feuerfalters zu sorgen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert