Monschau - „Rabaukengeneration” verabschiedet sich von St. Ursula

„Rabaukengeneration” verabschiedet sich von St. Ursula

Von: ess
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Blumen und Geschenke gab es von den Schülerinnen für ihre Lehrer, die Sekretärin und den Hausmeister. Foto: Ernst Schneiders

Monschau. „Abschied ist die Geburt der Erinnerung” hat Salvador Dalí einmal gesagt. Franz-Peter Müsch, Leiter der Bischöflichen Mädchenrealschule St. Ursula in Monschau, erweiterte diesen Aphorismus des exzentrischen Genies, bevor er 82 Schülerinnen ins Leben entließ: „Abschied ist auch die Geburt eines neuen Lebensabschnitts.”

Mit einem Gottesdienst in der Aukirche begann am Samstagvormittag das Programm und endete mit einer fröhlichen und warmherzigen Verabschiedung der jungen Frauen in der Markhalle an der Rurstraße.

Nicht nur Leckerchen

Mit der permanenten Kritik in den Medien unter Berufung auf die Pisa-Studie konnte sich Müsch nicht anfreunden. Von mangelnder Fachkenntnis sei die Rede, von fehlender Charakterstärke, von Faulheit, Leistungsfeindlichkeit, fehlender Alltagstauglichkeit und von einer Spaßgesellschaft, der „Generation@löschen.de”. „Von Lehrpersonen hört man immer wieder, die gleiche Arbeit habe ich vor zehn Jahren schon einmal geschrieben und da ist sie viel besser ausgefallen. Ist das Schule?”

Die Antwort gab Müsch selbst: Auf die Mischung kommt es an. Täglich nur Leckerchen und Sahnestückchen seien auf Dauer ebenso unverträglich wie pausenlose Zwangsernährung. Die Schülerinnen sollten sich deshalb ihre Brote selbst schmieren und genießen, dann werde sich die Nahrungsaufnahme auf Dauer als lustvoll und gewinnbringend erweisen.

Die von ministerieller Seite diskutierten weiteren Standardisierungen, Zentralarbeiten auch in Nebenfächern und einiges mehr stimmte Schulleiter Müsch nicht zuversichtlich: „Ich fürchte, dann wird es bald zugehen wie bei McDonalds oder bei Starbucks. Überall auf der Welt Essen und Trinken in gleicher Qualität, aber leider ohne Individualität.”

Der Schulabschluss verleihe den Schülerinnen Flügel, so Müsch weiter, und Talent, um erfolgreich durchs Leben fliegen zu können, hätten sie alle. Doch warnte der Schulleiter vor allzu großer Euphorie, denn Höhenflüge endeten oftmals mit tiefen Stürzen. Wie immer im Leben sei Augenmaß gefordert. „Hinaus mit euch in eine Welt, in der vieles zu verändern ist, die ihr als Herausforderung und große Chance der Selbstverwirklichung begreifen solltet”, rief Müsch den Schülerinnen zu.

Auch wenn einige Mitschülerinnen noch nicht genau wüssten, wo es für sie langgehe, so seien dennoch die sechs Jahre an St. Ursula „eine sinnvolle Vorbereitung auf die Zukunft” gewesen, bedankte sich Schülersprecherin Anna Maria Harings bei allen, angefangen vom Schulleiter, über die Klassenlehrer und die Sekretärin bis hin zum Hausmeister. Geschenke und Blumen gab es hüben wie drüben und auch in einem Fall das Eingeständnis der Schülerinnen, „dass wir Sie lieb haben”.

6000 Euro hatten die Schülerinnen für die Haiti-Hilfe gesammelt. Hinzu kamen noch einmal 460 Euro aus der Aktion „Soli-Brot”. Diese enorme Summe wurde Pfarrer Dr. Herbert Kaefer symbolisch überreicht, der diese Zuwendung für die Erdbebenopfer mit einem „Wahnsinn” quittierte.

Abi ist das nächste Ziel

Nach einigen Musikvorträgen und der Ausgabe der Entlasszeugnisse klang die Feier für viele gemäß ihres Mottos aus: mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Vanessa Braun, stellvertretende Schülersprecherin, nahm es augenzwinkernd: „Die Lehrer sind sicher froh, dass sie wieder eine Rabaukengeneration überstanden haben.”

Fast die Hälfte der Schülerinnen wechselt zu einem Gymnasium, um dort das Abitur zu machen. 18 Schülerinnen streben an einer Fachhochschule das Fachabitur an. 16 Mädchen besuchen zunächst die Höhere Handelsschule, um anschließend in eine Ausbildung zu starten. Sieben Schülerinnen beginnen sofort ihre Ausbildung.
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