Quer durch die barocke Oper: Liedduo mit Kammerkonzert

Von: js
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Sie brachten in Roetgen einen Querschnitt durch die barocke Opernliteratur nebst einigen Cembalo-Solostücken zu Gehör: Theo Palm und Anna Fischer. Foto: Josef Schreier

Roetgen. Nicht zum ersten Mal trat das Duo Anna Fischer und Theo Palm am Sonntag in der evangelischen Kirche in Roetgen auf. Und wieder hatten die beiden Künstler ein überraschendes und abwechslungsreiches Programm mitgebracht.

Die Altistin Anna Fischer und der Pianist (Organist, Cembalist ...) Theo Palm arbeiten seit dem Jahr 2000 als festes Liedduo zusammen. Ihre Interessen sind sehr vielseitig. Dass ihnen demgemäß nicht nur die klassisch-romantische Musik am Herzen liegt, zeigten sie mit ihrem Roetgener Konzert, in dem ein Querschnitt durch die barocke Opernliteratur nebst einigen Cembalo-Solostücken zu hören war.

Die barocke Oper war lange Zeit aus dem Gesichtskreis des aktuellen Musiklebens verschwunden gewesen. Seit einiger Zeit kehrt sie vor allem in Gestalt der Werke Georg Friedrich Händels zurück. Dieser Komponist stand denn auch im Mittelpunkt des Roetgener Konzerts. Aber den beiden Künstlern war es doch auch angelegen, auf den ganzen Zusammenhang des barocken Opernschaffens zu blicken. Dabei war es sehr sinnvoll, mit Claudio Monteverdi anzufangen, der ja praktisch als der Erfinder der Kunstform Oper überhaupt anzusehen ist. Anna Fischers substanzielle und schön geführte Altstimme konnte die Klage der Fürstin Penelope, die lange Jahre vergebens auf die Rückkehr ihres Gatten Odysseus aus dem Trojanischen Krieg wartet, bewegend zum Erlebnis werden lassen.

Dass zwei Arien auf den Opernkomponisten Alessandro Scarlatti hinwiesen (den Vater des berühmteren Domenico), war überaus dankenswert. Noch mehr aber konnten die beiden Arien von Nicola Porpora, die zu hören waren, als Entdeckung gelten. Dieser italienische Komponist war einige Zeit der große Konkurrent Händels in London gewesen. Die beiden galten damals als die größten Komponisten der Epoche, und je deutlicher nun auch die Werke von Porpora ins Bewusstsein der Musikfreunde treten, desto eher wird auch verständlich, dass der Wettstreit mit Händel seinerzeit durchaus Substanz hatte.

In der Darbietung Anna Fischers jedenfalls konnten Porporas Arien beinahe mehr überzeugen als die von Händel dargebotenen selbst. Von Händel freilich hatten die beiden Künstler auch nicht die großen „Zugnummern“ ausgesucht, die auf Anhieb Zuspruch hervorgerufen hätten. Es waren eher intime Stücke, die genaueres Zuhören erforderte. Lediglich die Zugabe in Form der kurzen Arie „Ombra mai fu“ aus der Oper „Serse“, besser bekannt als Händels „Largo“ (und in dieser Form in vielen Fassungen umlaufend), konnte auf unmittelbar Bekanntes zurückgreifen lassen.

Die Begleitung von Theo Palm auf dem Cembalo traf atmosphärisch genau den richtigen Ton, wenngleich verständlicherweise die opernhafte Dramatik auf Kammermusikniveau reduziert war. Hilfreich war Palms lockere und informative Moderation, die auf manche Anekdoten aus der Barockzeit zurückgriff, allerdings etwas zu wenig auf die Inhalte der zitierten Opern einging. Darüber hinaus vervollständigte Theo Palm das Programm mit instrumentalen Zwischenspielen in Form einer Sonate von Domenico Paradisi und dem berühmten, wenn auch rätselhaften „harmonischen Grobschmied“ von Händel. Der evangelischen Kirchengemeinde ist Dank abzustatten dafür, dass sie in ihren Musikangeboten nicht nur dem Altbekannten Raum gibt, sondern auch Neuentdeckungen ermöglicht.

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