Quarter-Horses-EM: Silber und Bronze nach Höfen

Von: ALINE JANSEN
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Gezüchtet, ausgebildet, vorgestellt: Der Höfener Zuchtbetrieb für Quarter Horses der Familie Haase ist auf ganzer Linie erfolgreich. Dr. André Haase gewann jetzt mit seinem Pferd Flyin Step bei der Europameisterschaft die Bronzemedaille. Foto: Aline Jansen

Höfen/Kreuth. Ein Auto mit Pferdeanhänger rollt durch Höfen Richtung Ortsausgang. Am Steuer sitzt Dr. André Haase, der mit den Stuten Faszination und Flyin Step auf dem Weg nach Kreuth in Oberbayern ist.

Dort erwartet man ihn mit seinen Pferden bereits bei der „European Championship of American Quarter Horses 2016“. Eigentlich war er von den Veranstaltern als Arzt für die Reiter dorthin beordert worden. „Aber wenn man sowieso hinfährt, kann man ja auch seine Pferde mitnehmen und starten“, hat sich der 52-Jährige gedacht.

Und so hat seine Tochter Sharon (23) die rund achtstündige Fahrt nach Bayern schon einen Tag früher mit dem vollbepackten Wohnmobil auf sich genommen, als Vorhut sozusagen. „Ich habe dann schon mal alles aufgebaut, damit die Pferde nach der langen Fahrt in fertige Boxen einziehen konnten“, erzählt sie. Danach hatten alle etwas Zeit sich zu erholen, bevor es ernst für Tier und Mensch wurde und sie in das Turnier einstiegen.

Doch die anstrengende Fahrt hat sich gelohnt, denn das Resultat kann sich sehen lassen. In der Disziplin „Performance Halter Mares“ waren Vater und Tochter besonders erfolgreich und konnten sogar Medaillen feiern. In dieser Disziplin treten Reiter mit Stuten an, die mindestens drei Jahre alt sind und eine hohe Reitleistung haben, also schon sehr erfolgreich waren. So werden dort die besten Pferde Europas hinsichtlich Körperbau und Bewegungsqualität miteinander verglichen.

Sharon Haase konnte sich mit Faszination, genannt Fame, vor den internationalen Richtern gegen starke Konkurrenten aus Österreich, Schweden, Deutschland, Dänemark und den Niederlanden durchsetzen und gewann die Silbermedaille.

Ihr Vater und Flyin Step, genannt Fly, landeten nur knapp dahinter auf dem Bronzerang. „Ein toller Erfolg, mit dem wir gar nicht gerechnet haben, weil die Konkurrenz im Gegensatz zum letzten Jahr übermächtig war“, lautet das positive Fazit. 2015 war ein Pferdevirus ausgebrochen, so dass viele Reiter ihre Teilnahme an der EM kurzfristig gecancelt hatten.

Doch nicht nur André und Sharon Haase sind mehr als zufrieden mit dem Ergebnis. Die ganze Familie teilt die Leidenschaft für den Pferdesport, und besonders für Mutter Antonia ist der Medaillengewinn eine wichtige Auszeichnung, denn sie ist die Züchterin der Erfolgspferde. 1997 begann sie mit der Zucht von Quarter Horses in Höfen.

In diesen fast 20 Jahren sind über 60 Fohlen bei der Familie Haase geboren worden, die heute in ganz Europa laufen, unter anderem in Frankreich, Belgien, Norwegen und Schweden. Und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht, denn für das kommende Frühjahr haben sich die nächsten drei Sprösslinge angekündigt.

Fly und Fame sind zwei der Fohlen, die in Höfen das Licht der Welt erblickt haben, und ihr Erfolg bei der Europameisterschaft ist etwas ganz Besonderes. Sie sind von der Familie Haase gezüchtet und ausgebildet worden und werden auch von ihnen auf Turnieren geritten. „Es kommt nicht oft vor, dass jemand das Pferd, das er reitet auch selbst züchtet und ausbildet. Auf der EM waren wir so ziemlich die Einzigen, die das machen“, erklärt Antonia Haase.

Umso schöner sei es, wenn man dann erfolgreich sei und sähe, dass man nur knapp hinter der übermächtigen Konkurrenz mit den Top-Pferden landen könne. Diese stammen meistens aus Amerika, dem Mutterland der Quarter Horses, und kosten so viel wie zwei schicke Mercedes.

Sie sind in Körperbau und Bewegung nahezu perfekt. Die gute Platzierung für die Züchter aus der Eifel ist eine Bestätigung, denn ihre Pferde weisen ähnliche Qualitäten auf. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie bei Turnieren manchmal von amerikanischen Kollegen gefragt werden, ob sie ihre Pferde aus Amerika nach Deutschland geholt hätten.

Das nächste gute Pferd steht schon in den Startlöchern. Der erst vierjährige Chipendale, der ebenfalls aus der Haase-Zucht stammt, belegte bei der EM in seiner Klasse den sechsten Platz und setzte sich damit gegen zehn andere Pferde durch. Fly erhielt kurz nach der Europameisterschaft außerdem eine weitere hohe Auszeichnung.

Der amerikanische Mutterverband „American Quarter Horse Association“ ehrte sie und ihre Besitzer mit dem „Open Champion“-Titel. Diesen erhalten Pferde, die über Jahre hinweg in verschiedenen Turnierklassen sehr erfolgreich sind. Fly ist das erste Pferd der Eifeler Zucht, das es zu dieser Ehrung gebracht hat.

Das nächste große Turnier, bei dem sich die Pferde und Reiter aus Höfen beweisen können, steht vor der Tür. Am 30. September beginnt die zehntägige Deutsche Meisterschaft in Aachen in der Soers auf dem Gelände des Aachen-Laurensberger Rennvereins. Natürlich wird die Familie Haase dort an den Start gehen und einige Konkurrenten der EM wiedertreffen. „Wir sind froh, wenn wir es unter die ersten Zehn schaffen. Das wäre ein toller Erfolg“, lautet das Ziel der Familie Haase für dieses Turnier.

Sie freuen sich über jeden, der an ihrem Sport interessiert ist und laden Pferdefreunde zu einem Besuch bei der Deutschen Meisterschaft in Aachen ein: „Jeder, der Lust hat, kann auf eine Tasse Kaffee zu uns in Stall sechs kommen.“ Denn im Gegensatz zu anderen großen Reitturnieren wie dem CHIO stehen die Stalltüren für Besucher offen, so dass sie die Quarter Horses und ihre Reiter hautnah erleben können.

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