Alemannia Ticker

Pumpspeicherwerk: „Wollen es nicht um jeden Preis“

Von: Karl-Heinz Hoffmann
Letzte Aktualisierung:
5049267.jpg
Drangvolle Enge herrschte am Freitagabend in der Straucher „Bikerranch“ als dort die „Interessengemeinschaft Pro Wasserspeicherkraftwerk Simmerath“ zum Infoabend alle Interessierten geladen hatte. Knapp 100 Personen, unter denen sich neben lokaler Politprominenz drei Bundestags- und ein Landtagsabgeordneter befanden nebst einem Fernsehteam des WDR, lauschten zunächst den Ausführungen von Dr. Markus Hakes (Trianel) bevor man sich anschließend in eine überwiegend sachlich geführte Diskussionsphase begab. Foto: Hoffmann
5049269.jpg
Auch wenn die ausgestreckten Finger von Bettina Herlitzius (rechts) weniger andeuteten, hatten sowohl MdL Axel Wirtz (links), als auch Ursula Derichs-Lavalle mehr als zwei Argumente für das geplante Wasserspeicherkraftwerk am Rursee. Foto: Hoffmann

Nordeifel/Strauch. Der Wintergarten der „Bikerranch“ platzte am Freitagabend aus allen Nähten, als sich dort und im angrenzenden Restaurantbereich an die 100 Personen eingefunden hatten, um an der Info-Veranstaltung der „Interessengemeinschaft Pro Wasserspeicherkraftwerk Simmerath“ (IG Pro WSK) teilzunehmen.

Das überörtliche Interesse wurde durch die Anwesenheit eines Fernsehteams des WDR („Hier und heute unterwegs“) unterstrichen, das in der drangvollen Enge filmte, was das Zeug hielt und Kamera und Mikrofon später auch in und auf Diskussionsgruppen und Teilnehmer richtete.

Daneben war es der Initiatorin der IG Pro WSK, Ursula Derichs-Lavalle, gelungen, eine hochkarätige Politikerriege nach Strauch zu locken: Zwei Bundestags- und eine Landtagsabgeordnete der Grünen (Bettina Herlitzius, Oliver Krischer sowie Gudrun Zentis) und der Landtagsabgeordnete Axel Wirtz (CDU) hatten sich neben lokalpolitischer Prominenz (unter anderem Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns und Grünen-Fraktionsvorsitzender Klaus Stockschlaeder) hatten sich trotz widriger Wetterverhältnisse in Strauch eingefunden.

Tenor der Einladung der Interessengemeinschaft war die sachliche Auseinandersetzung mit der Thematik WSK an alle Interessierten; also auch an diejenigen, die im „anderen Lager“ (BI „Rettet den Rursee“) beheimatet sind. Obwohl von dort im Vorfeld eine Nichtteilnahme signalisiert worden war, wurde in der anschließenden Diskussion deutlich, dass einige Vertreter der BI doch den Weg in die Bikerranch gefunden hatten.

Altbürgermeister Hubert Breuer, der die Veranstaltung in seiner gewohnt herb-freundlichen Art souverän moderierte, hatte in seiner Begrüßung zunächst noch einmal die Fronten geklärt. „Wir wollen dieses Pumpspeicherwerk nicht um jeden Preis haben. Es sind von Trianel noch viele Fragen zu beantworten, bevor wir unser O.K. geben“, erläuterte er.

Hiernach stellten Dr. Markus Hakes und Elmar Thyen von der Firma Trianel das geplante WSK ausführlich anhand von Tabellen und Grafiken vor und gingen aufgrund von einigen Zwischenfragen detailliert auf Fragen zum Seehub, dem Oberbecken in Strauch, den Strömungen am Ein- und Auslaufbauwerk am unteren Rursee und der Trassenführung der 380 KV-Stromleitung ein. Hierzu ergänzte später Dr. Ing. Rolf Ahlers, ehrenamtliches Mitglied beim BUND, dass die geplante Verkabelung weder für die Landwirtschaft noch für die Bevölkerung, was die Strahlenbelastung angehe, Beeinträchtigungen ergeben werde.

Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, der zu der vor einigen Tagen stattgefundenen Infoveranstaltung der WSK-Gegner im Antoniushof keine Einladung erhalten hatte, machte noch einmal die Position der Gemeinde Simmerath deutlich. „Wenn die Rahmenbedingen stimmen, aber auch nur dann, ist die Gemeinde dafür“, stellte er fest und ergänzte: „Lassen sie uns diese Sache also zunächst einmal vorurteilsfrei prüfen“.

Bettina Herlitzius, stellvertretende Vorsitzende im Regionalrat, hob hervor, dass die Entscheidungen in dieser Angelegenheit noch nicht gefallen seien, und Axel Wirtz lobte das faire Umgehen der Wassersportler mit dem umstrittenen WSK.

Nach gut einer guten Stunde gab Hubert Breuer das Startzeichen für die Diskussionsrunde, bei der Pro und Kontra zunächst in sachlicher Form vorgetragen wurden. Als im Rahmen der Diskussion der Ton schärfer und auch giftiger wurde, mahnten sowohl Breuer als auch Ursula Derichs-Lavalle an, jedwede Polemik zu unterlassen und sich auf sachliche Fragen und Äußerungen zu beschränken. Von Seiten eines Bürgers aus Schmidt wurden Bedenken zur 380 KV-Leitung vorgebracht, und aus Rurberg kam der Hinweis, dass man die Gegner des WSK nicht grundsätzlich verteufeln solle.

Im Laufe der Diskussion wies Bürgermeister Hermanns nochmals darauf hin, dass sich der gesamte Bereich des Oberbeckens im Eigentum der Gemeinde befinde. „Da werden wir für die Bürger der Gemeinde auch etwas herausholen“, stellte er dazu fest. Gleichzeitig räumte Hermanns ein, dass das Touristik-Gutachten nachgearbeitet werden müsse.

Aus der Versammlung heraus erfolgte schließlich noch der Hinweis auf die im Südschwarzwald (Schluchsee) seit vielen Jahren erfolgreich betriebenen Pumpspeicherkraftwerke, die sich Befürworter und Gegner im hiesigen Raum doch einmal ansehen sollten.

Hubert Breuer mahnte zum Schluss, als er gegen 22.15 Uhr die Reißleine für die Diskussion zog, noch einmal zu einem moderateren Umgehen der beiden Interessengruppen an und stellte in Richtung WSK-Gegner fest: „Warten sie doch zunächst einmal die Gutachten und Planungen ab, bevor sie mit irgendwelchen Horrorzahlen um sich werfen“.

Leserkommentare

Leserkommentare (11)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.