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Pumpspeicherkraftwerk schlägt schon jetzt hohe Wellen

Von: ale
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Das Thema Pumpspeicherkraftwer
Das Thema Pumpspeicherkraftwerk schlägt schon vorab hohe Wellen: Zwischen Dr. Markus Hakes, Landrat Wolfgang Spelthahn, Gudrun Zentis, Oliver Krischer und Prof. Dr. Detlef Müller-Böling (v.l.) und über 200 Gästen entstand ein lebhaftes, aber konstruktives Gespräch. Foto: Anneliese Lauscher

Schmidt. Volles Haus verzeichneten die Ortsverbände Nideggen und Heimbach der Grünen, die zur Podiumsdiskussion in den Schmidter „Schützenhof” eingeladen hatten: Am Donnerstag füllten weit über 200 interessierte Bürgerinnen und Bürger den Saal, als es um das Thema „Das Pumpspeicherkraftwerk am Rursee - Auswirkungen der Energiewende auf die Region” ging.

Gudrun Zentis, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Nideggener Rat, begrüßte die vielen Gäste. Ständig mussten noch zusätzliche Tische und Stühle aufgestellt werden, Menschen aller Altersgruppen waren gekommen, um sich zu informieren. Auch den Vorstand der Stadtwerke Aachen, Dr. Peter Asmuth, die Bürgermeisterin von Nideggen, Margit Göckemeyer, sowie etliche Vertreter aus den Stadträten von Nideggen und Heimbach sah man unter den Zuhörern.

640 Megawattstunden Strom

Gudrun Zentis stellte zunächst die Teilnehmer der Gesprächsrunde vor: Dr. Markus Hakes, den Projektleiter von Trianel (dem Stadtwerkeverbund, der das Pumpspeicherkraftwerk plant) Wolfgang Spelthahn, den Landrat des Kreises Düren, der außerdem Vorsitzender des Aufsichtsrates der rurenergie GmbH ist, Oliver Krischer, den energiepolitischen Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, und Prof. Detlef Müller-Böling, der der Gemeinschaft der Sportvereine Rursee e.V. vorsteht.

Dr. Hakes betonte, man stehe in einem ganz frühen Stadium der Planung, und nannte folgende Eckpunkte: 640 Megawattstunden Strom könne das zukünftige Speicherkraftwerk jeweils in sechs Stunden ins Netz einspeisen; der Rursee müsse für ein Jahr auf den extrem niedrigen Stand von 240 m abgelassen werden, damit man bauen könne. Wie der „Obersee” des Pumpspeicherkraftwerks im Buhlert aussehen werde, das wisse man zurzeit noch nicht genau. Er werde wahrscheinlich nicht eine gleichmäßige geometrische Form haben, da man die Bodenbeschaffenheit berücksichtigen müsse. „Er könnte die Form eines Nierentisches bekommen”, meinte Dr. Hakes.

Anhand einer Skizze erläuterte Hakes die zu erwartenden Strömungen ausgangs der Bucht im Schilsbachtal. Dort wird das Wasser angesaugt, durch einen Tunnel in den Obersee gepumpt und später wieder abgelassen. Die Strömungsgeschwindigkeit beim Austritt betrage 0,5 Meter pro Sekunde. Dann träfe die Strömung auf eine Landzunge gegenüber und würde zurückgegeben mit 0,1 Meter pro Sekunde. Dr. Hakes stellte klar, dass bei einem so niedrigen Wasserstand wie im vorigen Herbst - am 24.11.2011 wurden 255 Meter gemessen - überhaupt nicht gepumpt würde.

Eine wirklich lebhafte Diskussion entwickelte sich, die Sorge um ihre wunderschöne Landschaft und Lebensqualität am Rursee sprach aus den Beiträgen der Besucher. Wie sich denn der Kreis Düren positioniere, wollte ein Bürger wissen. Landrat Spelthahn stellte klar, auf der einen Seite wolle man keine Atomkraft und keine Braunkohlekraftwerke mehr, sondern sehe Wasser als eine saubere Energie an. Und auf der anderen Seite gebe es eine Menge drängender Fragen der Menschen, die hier betroffen sind. „Der See ist die Hauptattraktion unserer Gegend”, stellte der Landrat heraus, „wenn es nicht gelingt, zufriedenstellende Antworten auf die Bedenken vor allen Dingen in Bezug auf den Tourismus zu finden, müssen wir schweren Herzens nein sagen.” Ein Katalog von 120 Fragen sei an die Bezirksregierung gegangen.

„Was bleibt uns vom Verdienst?” wollte ein Schmidter wissen. Er hielt den Zuhörern vor Augen, dass rund 30 Hektar Wald abgeholzt würden, große Flächen würden versiegelt, es werde Sprengungen geben und gewaltige Transporte.

Gigantisches Projekt

Dr. Hakes gab zu, dass ein solcher Eingriff in die Natur durch eine „Güteabwägung” entschieden werden müsse, diese Entscheidung treffen Behörden. Die später erhobene Gewerbesteuer werde an alle Anrainergemeinden verteilt, hier gehe es um eine sechs- bis siebenstellige Summe. Beteiligen könne sich an dem gigantischen Projekt beispielsweise auch die rur-energie GmbH. Man strebe an, Arbeitsplätze und Aufträge gebietsnah zu vergeben, zehn Prozent der Investitionssumme werden erfahrungsgemäß im unmittelbaren Umfeld ausgegeben. Das sei bei 700 Millionen schon ein Batzen.

Das Ausmaß der Transporte bereitete einem Zuhörer Kopfzerbrechen: „Wie soll das Baumaterial zur Baustelle kommen? Es werden Riesenmengen an Sand und Kies benötigt. Sind Sie schon mal hinter einem Kiestransporter hergefahren?” fragte er. In der Tat wird es im Schilsbachtal während der Bauzeit Veränderungen geben, erfuhr er. Der Wanderweg zwischen Buhlert und der Bucht wird zu einem stabilen Transportweg umgebaut. Ob aber Materialien hauptsächlich über Nideggen, Brück und Schmidt dorthin gebracht werden, ist noch nicht klar.

In der Zwickmühle

Für die 4000 Menschen, die am Rursee Wassersport betreiben, formulierte Professor Müller-Böling, erhebliche Bedenken: Die Steg- und Slip-Anlagen seien nicht ausgelegt für einen Pegelhub von zwei Metern, man fürchte, dass man neue Anlage bauen müsse. Die Unterbrechung des Segelbetriebs für mindestens ein Jahr gefährde die Existenz mancher Segelclubs.

Oliver Krischer, den manche als überzeugten Ökologen und Vorsitzenden des Fördervereins Nationalpark Eifel in der Zwickmühle sahen, glaubt, dass kein Weg an Speicherkraftwerken vorbei geht. Er wies auf die guten Voraussetzungen am geplanten Standort hin, machte aber ebenfalls klar, dass Natur und Tourismus hier weiter eine Zukunft haben müssen. Zur Frage nach Trassenerweiterungen meinte er, man könne die bereits vorhandene Trasse durch den Nationalpark nutzen, wenn dies ohne weiteren Eingriff möglich sei „Das Leitungsnetz ist an der Grenze der Kapazität”, sagte Oliver Krischer. Am 2. Mai ist ein weiterer Informationsabend in Simmerath.
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