Heimbach - Pumpspeicherkraftwerk Rursee: Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Pumpspeicherkraftwerk Rursee: Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Von: Margret Vallot
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Eine Landschaft, schön wie im
Eine Landschaft, schön wie im Bilderbuch. Das Wasser soll in eingen Jahren ein Pumpspeicherkraftwerk speisen. Der Rursee und die Tourismusbranche werden sich verändern. Foto: Peter Stollenwerk

Heimbach. Es soll erst im Jahr 2019 in Betrieb genommen werden, aber die Vorbereitungen für das neue Pumpspeicherkraftwerk am Rursee laufen schon jetzt auf Hochtouren. Das ist eigentlich auch kein Wunder, denn ein so gigantisches Projekt (Bauzeit: fünf Jahre) setzt man nicht von heute auf morgen in die Landschaft.

Die Pläne haben die Bürger insbesondere von Heimbach erschreckt. Sie stehen dem schweren Eingriff in die Landschaft mit Unbehagen und Enttäuschung gegenüber. Ist der Tourismus in Gefahr? Wird ein Stück intakter Naturlandschaft zerstört? Viele Menschen befürchten das.

Das Energieversorgungsunternehmen Trianel mit Sitz in Aachen möchte Energie produzieren und hat aus über 3000 potenziellen Standorten drei ausgesucht: Zwei in NRW und einen in Thüringen. Projektleiter Dr. Ing. Christoph Schöpfer versichert, erst im Frühjahr 2013 werde entschieden, wieviele Standorte und welche genau realisiert werden. „Jeder der Drei hat Potenzial.” 640 Megawatt sollen am Rursee einmal pro Jahr ins öffentliche Netz eingespeist werden, genug um 460.000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

Für das Pumpspeicherkraftwerk am Rursee hat Trianel kürzlich drei so genannte Fachbeiträge in Auftrag gegeben. Fachbeiträge sind noch keine Gutachten, es sind Voruntersuchungen zu bestimmten, wichtigen Fragen, die ein Bauprojekt betreffen.

Ein Stromspeicherkraftwerk funktioniert ja in der Weise, dass Wasser in ein hochliegendes Becken gepumpt wird und - falls Bedarf an Energie besteht - von oben durch unterirdische Röhren über Turbinen in den See zurückgeleitet wird. Der erste Fachbeitrag befasst sich mit den Bereichen Hydrophysik, Hydrobiologie und Wassermengenbewirtschaftung. Dabei geht es um Strömungen, die im Rursee beim Hochpumpen des Wassers und bei der Stromerzeugung entstehen. Maximal 0,1 Meter pro Sekunde wird sich das Wasser stellenweise einmal bewegen, sagt Schöpfer. Und fügt hinzu, dass es gelingen muss, „die Strömungswerte niedriger zu bekommen”.

Die Wissenschaftler interessieren sich in einem weiteren Fachbeitrag für die Fisch- und Pflanzenarten in dem künstlichen Binnengewässer. Dazu haben Angler bereits die schlimmsten Befürchtungen geäußert: Ein See, dessen Pegelstand sich immer wieder ändert, nämlich, wie Schöpfer sagt, zwischen 1,20 Meter und zwei Meter (vertikale Höhe), werde wohl kaum ein Lebensraum für Tiere sein können.

Die Anlage wird bei Hochwasser und bei Niedrigwasser ausgeschaltet. Untersucht wurde, ob die Anlage trotzdem wirtschaftlich arbeiten kann. Temperatur und Nährstoffgehalt des Wassers wurden bereits voruntersucht. Ferner die mittel- bis langfristigen Auswirkungen des Kraftwerks auf die Sicherheit der Böschungen und Bauwerke. Noch unklar ist, ob es zu Verwirbelungen kommt, ob sich also Schlamm und Morast auf dem Grund des Sees befinden, die in einer Strömung aufgewirbelt werden. „Wir müssen klären, was unten liegt, momentan wissen wir es noch nicht”, sagt der Projektleiter.

Es gibt auch einen Fachbeitrag Tourismus, und den werden sich insbesondere die Heimbacher im Internet genauer ansehen. Denn Heimbach setzt seit Jahren auf Tourismus, erst vor wenigen Wochen haben die ersten Gäste das neue Feriendorf bevölkert. Dort steht und fällt die Entwicklung mit dem Erhalt des Rursees als Tourismusmagnet.

Eine besondere Situation besteht während der Bauphase. Baustellen-Einrichtungsflächen werden angelegt am Ende des Schilsbachtals und am Oberbecken. Gebaut werden: ein Tunnel, ein großer unterirdischer Raum (Kaverne) für die Pumpen und Turbinen und auf Simmerather Gebiet ein gigantisches Becken (60 Fußballfelder). Das wird nicht ohne Lärm vonstatten gehen. Der Fachbeitrag zum Tourismus schlägt vor, dass Trianel der Region finanziell tüchtig unter die Arme greift, um das Einbrechen des Tourismus mit Marketing-Maßnahmen zu verhindern.

In Heimbach im Hotel „Der Seehof” veranstalten die „DN” am Dienstag, 23. Oktober, ein Leserforum. Beginn ist um 19.30 Uhr. Dort können Leserinnen und Leser Fachleute befragen und mit ihnen diskutieren. Es sind: Oliver Krischer (MdB, Grüne), Bürgermeister Bert Züll, Dr. Markus Hakes von Trianel und Gotthard Kirsch vom Verein Rureifeltourismus.

Wer an diesem Gespräch teilnehmen möchte, muss sich anmelden: unter an-lokales-dueren@zeitungsverlag-aachen.de oder per Fax an 0241/2099879 oder per Post an „Dürener Nachrichten”, Markt 11, 52349 Düren.

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