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Pumpspeicherkraftwerk Rursee: Erdkabel verläuft durch Schmidt

Von: Peter Stollenwerk und Margret Vallot
Letzte Aktualisierung:
Entlang der Landstraße 218 vo
Entlang der Landstraße 218 von Gerstenhof (re.) kommend soll soll das Trianel-Erdkabel des Pumspeicherkraftwerkes Rursee in Richtung Schmidt verlaufen. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. „Die Untersuchungen zum Variantenvergleich haben ergeben, dass die Untervariante 2 des Korridors 5 nach derzeitiger Datenlage als konfliktärmste und somit raumverträglichste Variante zu beurteilen ist und daher als Antragsvariante benannt wird.”

Was hier in klassischem Amtsdeutsch bekanntgegeben wird, heißt nichts anderes, dass im Falle der Verwirklichung des Trianel Pumpspeicherkraftwerkes Rursee feststeht, auf welcher Trasse die Anbindung des Kraftwerks an das öffentliche Stromnetz erfolgen soll.

Der im Kraftwerk erzeugte Strom muss schließlich ins Netz gelangen. Die Verlegung des dazu notwendigen 380 kV-Kabels erfolgt überwiegend durch die Erde. Die Stromleitung beginnt demnach am „Energieableitungsstollen” Gerstenhof, und wird dann entlang der Landstraße 218 bis nach Schmidt geführt.

Weiter läuft der Graben quer durch die Ortschaft Schmidt bis zur Siedlung Scheidbaum. An der Grenze des Nationalparks führt das Erdkabel durch das Odenbachtal, bevor die Ruraue bis westlich von Hausen gequert wird. Dann geht es weiter bis Vlatten.

Hier verlässt das Kabel die Erde, um dann später als Freileitung an die die vorhandene 380 kV-Leitung Oberzier-Dahmen anzuschließen. Die Freileitung um- fasst fast 75 Prozent der Strecke.

Besonders in Schmidt hat die Aussicht, dass quer durch den Ort ein Kabelgraben gezogen wird, bei den Bürgern wegen der zu erwartenden Großbaustelle nicht gerade Begeisterung augelöst.

In einem rund 90-seitigen Vergleich hat das Büro Bioplan Höxter sechs Varianten für die Netzanbindung abgeglichen und eine „Konfliktanalyse” vorgenommen, um den „raumverträglichsten Korridor” herauszufinden. Als Bewertungsmaßstab dienten die Festsetzungen im Regionalplan. Untersucht wurde ein 400 Quadratkilometer großes Gebiet im Dreieck Eschweiler - Düren - Rurtalsperre.

Geprüft wurde als Variante auch die Verlegung eines Seekabels, was aber als „nicht umsetzbar” eingestuft wurde.

Die schließlich favorisierte Varinate 5 stellt in der abschließenden Betrachtung der Gutachter „den günstigsten Kompromiss” dar. Mit 18 Kilometer handelt es zudem um die kürzeste Strecke bis zum Anbindungspunkt, außerdem verlaufen rund 75 Prozent der Trasse über bereits vorhandene Leitungen und Verkehrswege.

Auch auf anderen Ebenen laufen die Vorgespräche für die Errichtung des Pumpspeicherkraftwerks Rursee weiter. Wichtigster Gesprächspartner der Trianel GmbH ist dabei als Eigentümer der Rurtalsperre der Wasserverband Eifel-Rur (WVER), mit dem zu klären ist, unter welchen Bedingungen der Eigentümer bereit ist, den 7,83 Quadratkilometer großen Stausee für Energiegewinnung und -speicherung zur Verfügung zu stellen?

Ein Pumpspeicherkraftwerk am Rursee werde der Verband gern dulden, sagt Professor Dr.-Ing. Wolfgang Firk, der WVER-Vorstandvorsitzende. „Aber wir hören nur, dass das Projekt eine Milliarde Euro kosten soll, und dieses Geld muss erst mal aufgetrieben werden”, so Firk leicht skeptisch.Beim WVER in Düren arbeiten Ingenieure an dem Thema, „und die Aufwendungen, die wir jetzt schon haben, werden uns vergütet”.

„Wir stehen dem Projekt positiv gegenüber”, betont Firk mehrfach. Allerdings lassen er und Robert Steegmans, Dezernent für Gewässer beim WVER, keinen Zweifel daran, dass von Trianel Bedingungen erfüllt werden müssen. Bedingungen, die es in sich haben.

Wie die Umweltschützer so hat auch der Wasserverband dem Investor einen Katalog von Forderungen überreicht. Die Talsperre wurde gebaut, um die Dürener Region vor Hochwasser zu schützen und um im Falle einer (maximal zweijährigen) großen Trockenheit die an der Rur liegende Papierproduktion mit Wasser zu versorgen. Die Trianel möchte in der Bauphase des Kraftwerks die Talsperre viele Monate lang nahezu trockenlegen.

„Brauchwasserbereitstellung für die Papierindustrie” müsse aber während der Bauphase gewährleistet sein. Außerdem müsse der Niederschlag bei Starkregen zurückgehalten werden, darauf besteht der Wasserverband.

Schließlich dürfe die Qualität des Wassers keinesfalls leiden. Sedimente, die infolge von Strömungen in Bewegung gerieten, könnten das Wasser trüben, es käme zu Sauerstoffarmut und dann im schlimmsten Fall zur Veralgung.

Dr. Wolfgang Firk: „Wenn das nicht ausgeschlossen werden kann, dass eine Trübung erfolgt, ist das Projekt gestorben”, so Firk unmissverständlich. Und: „Wir wissen, es sind sehr viele leichte Sedimente unten im See.” Befürchtet wird, dass durch die Entnahme von (maximal) 340 Kubikmetern pro Sekunde Strömungen entstehen, die Sedimente aufwirbeln. Dazu müsse es Versuche geben, so die Forderung.
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