Pumpspeicherkraftwerk Rursee: Bauzeit soll ein Jahr nicht überschreiten

Von: P. St.
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Im Blickpunkt bei der Planung
Im Blickpunkt bei der Planung des Wasserkraftwerks Rursee: das Schilsbachtal bei Woffelsbach. Hier soll einmal der Entnahmeturm gebaut werden. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Das geplante Pumpspeicherkraftwerk Rursee soll einmal riesige Mengen an Wasser zur Stromerzeugung bewegen, aber ehe es soweit ist, bewegen die Bürger zunächst einmal zahlreiche Fragen, auf die es oft noch keine zufriedenstellenden Antworten gibt.

Wie lange wird der Rursee während der Bauphase trockengelegt? Wird die touristische Nutzung eingeschränkt? Wie stark schwankt der Rurseepegel? Wie wirken sich die Strömungen aus? Welchen Umfang genau nimmt das Oberbecken bei Strauch ein? Und: Was hat der Bürger eigentlich für einen Nutzen von einem Kraftwerk?

Antworten auf diese und andere Fragen, soweit dies in diesem frühen Stadium möglich ist, sollen bei einer in rund vier Wochen stattfindenden Bürgerinformationen gegeben werden.

Eine lebhafte Diskussion löste das Mammut-Projekt Pumspeicherkraftwerk (Leistung 650 Megawatt) im Zusammenhang mit der formal erforderlichen Änderung des Regionalplanes jetzt auch im Simmerather Planungsausschuss aus, und nach 100 Minuten Information und Austausch steht aus Sicht des Talsperrenbetreibers, dem Wasserverband Eifel-Rur (WVER) zumindest fest, dass zum jetzigen Zeitpunkt der Planung keine Hinderungsgründe vorliegen, die zu einem Scheitern des Projektes führen würden. Der Stadtwerkeverbund Trianel als Bauherr des Kraftwerkes ist ernsthaft am Standort Rurtalsperre interessiert; derzeit wird in NRW aktuell nur noch ein weiteres Projekt im Regierungsbezirk Detmold ernsthaft verfolgt.

Auch seitens des Ausschusses zeigte man sich am Fortgang des Projektes interessiert, was in einem einstimmigen Beschluss zum Ausdruck kam. Allerdings hielt man auch fest, dass als Voraussetzung die touristische Nutzung des Rursees im bisherigen Umfang weiter möglich sein muss (hier denkt man vor allem an die Pläne für die Woffelsbacher Bucht) und die Bauzeit möglichst kurz gehalten werden soll. Mit einer transparenten Information der Bürger solle das Projekt begleitet werden.

Diese drei Punkte sind auch ganz im Sinne des WVER, wie Dipl.-Ing. Herbert Polczyk, beim Wasserverband zuständig für den Talsperrenbetrieb, in der Sitzung betonte. Auf die Anfrage der Trianel GmbH, die Rurtalsperre für erneuerbare Energien zu nutzen, war der WVER übrigens bestens vorbereitet, hatte doch unabhängig davon Anfang des vergangenen Jahres ein Treffen der NRW-Wasserverbände stattgefunden, um festzustellen, welche Gewässer im Lande für Pumpspeicherkraftwerke überhaupt geeignet wären.

Was man beim WVER somit schon weiß: Die drei Dammbauwerke des Rursees machen bei Pegelschwankungen ebenso wenig Probleme wie auch die Uferlinie. Das Strömungsverhalten würde sich verändern und sich in der Schilsbachbucht, wo der Entnahmeturm für die Beschickung des Oberbeckens bei Strauch gebaut werden soll, auf jeden Fall so stark auswirken, dass ungeübte Schwimmer hier den Rursee besser meiden. In diesem Bereich ist auch eine Aufwirbelung von Sediment zu erwarten. Nicht betroffen von diesen Strömungsbewegungen wäre die Woffelsbacher Bucht. Ein weitere Aufgabe sei es, so Polczyk, die Steganlagen zu optimieren.

Zum Thema Freizeit-Nutzung erinnerte Polczyk noch einmal an die Ursprungsfunktion der 1939 in Betrieb genommenen Talsperre. Der wasserwirtschaftliche Aspekt müsse immer im Vordergrund stehen, wenngleich der WVER die touristische Nutzung nach wie vor unterstützend begleite. Hier kommt dann auch die bereits emotional diskutierte Frage der Bauzeit ins Spiel.

Polczyk: „Auf die Talsperre als Hochwasserspeicher können wir nicht länger als ein Jahr verzichten.” Wilde Spekulationen gab es bereits um eine Mauer, die das Schilsbachtal vom übrigen See abtrennen und als Austauschbecken für das Kraftwerk dienen könnte. Da ein solches Projekt eine Bauzeit von bis zu fünf Jahren in Anspruch nehmen würde, wird diese mögliche Variante vom WVER erst gar nicht verfolgt.
Polczyk: „So lange können wir das Talsperrensystem nicht außer Betrieb nehmen.” Die Bauzeit von einem Jahr, beginnend nach dem Frühjahrshochwasser, könne allerdings nur ein Ziel sein. Außergewöhnlich schlechte Witterung würde die Phase verlängern. Problematisch mit einem Vollstau werde es auch dann, wenn sich der Bauphase direkt ein Trockenjahr anschließe.

Bruno Löhrer (CDU) begrüßte grundsätzlich die Planung, forderte aber die Trianel GmbH auf, darüber nachzudenken, wie entstehende wirtschaftliche Nachteile der Rurseenutzer ausgeglichen werden könnten.

Für Manfred Sawallich (SPD) ist von entscheidender Bedeutung, dass man offen sein müsse für alle Fragen und „nichts beschönigen” dürfe. „Wir erwarten ehrliche Antworten, die in Übereinstimmung mit dem Wassersport und der touristischen Nutzung zu bringen sind.”

Hermann-Josef Bongard (FDP) wusste, dass es auch „Ängste und Befürchtungen” gebe, umso mehr sei eine transparente Diskussion erforderlich.

Dr. Markus Hakes, Trianel-Projektleiter Wasserspeicherkraftwerke Deutschland, betonte, dass es bei der Bauzeit „ein gewisses Restrisiko” gebe, aber Ziel sei es, innerhalb eines Jahres den Entnahmeturm zu bauen. Zum praktischen Betrieb des Kraftwerkes widersprach Hakes der landläufigen Vorstellung, dass ruckartig sieben Millionen Kubikmeter Wasser zwischen Ober- und Unterbecken ausgetauscht würden. Die bewegten Mengen seien weitaus geringer, und häufig werde das Kraftwerk nur unter Teillast gefahren.

Info für Bürger zum Kraftwerk-Sachstand

Über den aktuellen Sachstand bei der Planung des Speicherkraftwerkes Rursee soll bei einer weiteren Bürgerversammlung auf Initiative von Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns informiert werden. Diese Veranstaltung mit Vertretern des WVER und der Trianel GmbH findet statt am Mittwoch, 2. Mai, um 19 Uhr, in der Aula der Hauptschule Simmerath.

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