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Pumpspeicherkraftwerk: Projekt soll nicht von Anfang an verteufelt werden

Von: Andreas Gabbert
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Stellten den gemeinsamen Aufruf im Simmerather Rathaus vor (v.l.): Karl-Heinz Hermanns, Margit Göckemeyer, Oliver Krischer, Helmut Etschenberg und Stefan Kämmerling. Foto: A. Gabbert

Simmerath. Eine Chance für die Region und eine Notwendigkeit für die Energiewende sehen fünf Bundes- und neun Landtagsabgeordnete aus der Region, Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, Nideggens Bürgermeisterin Margit Göckemeyer und Städteregionsrat Helmut Etschenberg in dem geplanten Pumpspeicherkraftwerk Rursee.

Deshalb haben sie einen gemeinsamen Aufruf unterzeichnet, um für einen objektiven, vorurteilsfreien und ergebnisoffenen Umgang mit dem Millionenprojekt zu werben.Im Rathaus Simmerath stellten Karl-Heinz Hermanns, Oliver Krischer, Stefan Kämmerling, Helmut Etschenberg und Margit Göckemeyer den Aufruf der Öffentlichkeit vor.

Kein Zweifel

Die Unterzeichner lassen keinen Zweifel an der Notwendigkeit der Energiewende aufkommen. „Wir brauchen die Energiewende! Wir dürfen diese Last nicht auf unsere Kinder und Enkel übertragen – wir müssen Mut zur Veränderung beweisen!“, heißt es gleich zu Anfang in der Erklärung. Im Gegensatz zur Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ halten die Unterzeichner Pumpspeicherkraftwerke (PSW) auf absehbare Zeit für die mit Abstand „effektivste, nachhaltigste und wirtschaftliche Form der Speicherung“. Deshalb sei es unstrittig, dass für die Energiewende zusätzliche PSW-Kapazitäten zur Verfügung stehen müssten. Die Unterzeichner sehen außerdem die Gefahr, dass sich Trianel für einen der möglichen Standorte entscheidet, „wenn das Projekt hier kaputt geredet wird“.

Da die Voraussetzungen in der Eifel „geradezu ideal“ seien, werde das Engagement der Firma Trianel ausdrücklich begrüßt. „Mindestens 700 Millionen Euro sind ein wichtiger Beitrag zur Strukturentwicklung der Eifel und zur Umsetzung der Energiewende“, heißt es in dem Aufruf.

Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns warb dafür, „umfassend, aber objektiv und vorurteilsfrei die positiven und möglichen negativen Auswirkungen eines Pumpspeicherkraftwerkes für unsere Region und hier insbesondere auch für den Bereich des Rursees zu prüfen bzw. prüfen zu lassen“. Er halte nichts davon, ein solches „Jahrhundertprojekt“ von vornherein zu verteufeln. Noch seien die Ergebnisse vieler, im mehrjährigen Prüfverfahren zu erstellenden Gutachten, nicht bekannt. Seine Bitte ist, alle Chancen und Risiken abschließend gegeneinander abzuwägen, wenn alle Fakten tatsächlich auf dem Tisch liegen. „Ich jedenfalls will mir nicht vorwerfen lassen, eine mögliche große Chance für die Bürger in Simmerath und darüber hinaus leichtfertig abgetan zu haben“, sagte Hermanns. Er lobte den Umgang der Gemeinschaft der Wassersport treibenden Vereine mit dem Thema. Sie setze sich kritisch mit dem Thema auseinander, nehme aber keine grundsätzliche Gegenposition ein. „Wir sind nicht dafür oder dagegen, weil noch nicht alle Informationen vorliegen. Es ist klar, dass bei einem so großen Projekt nach einem Jahr noch nicht alle Informationen vorliegen können. Was uns interessiert ist, ob der Wassersport gefährdet ist, und das ist noch nicht absehbar“, sagte der Sprecher der Vereine Prof. Dr. Detlef Müller-Böling.

Der Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer sagte, das Verfahren sei von vornherein auf Konsens und Einbindung der Bürger angelegt. „Was Trianel an Transparenz betrieben hat, ist beispiellos, mehr kann man nicht machen“, erklärte Kirscher. Außerdem würde er „nicht hier sitzen“, wenn sich Natur- und Umweltverbände grundsätzlich gegen das Projekt ausgesprochen hätten. Er hält aber auch negative Aspekte für vertretbar, das sei die Energiewende wert.

Auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg stellte Trianels Bemühungen um Transparenz heraus. „Zu einem so frühen Zeitpunkt habe ich das so noch nicht erlebt“, sagte er. Einen Grund dafür sieht er darin, dass es sich um ein kommunales Unternehmen handelt. Deshalb sei das Vertrauen deutlich größer, als wenn es sich um Dritte handeln würde. Etschenberg bezeichnete die ablehnende Haltung der Stadt Heimbach als „unsolidarisch“. Beim Bau des Ferienparks habe man seinerzeit Unterstützung eingefordert und bekommen. „Da hätte man auch Kritik üben können“, sagte Etschenberg.

Auch der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling sieht in Pumpspeicherkraftwerken die beste Möglichkeit, Energie zu speichern. Außerdem betonte er die wirtschaftliche Bedeutung für die Region. „Wir haben hier eine 700-Millionen-Investition vor der Nase, das sind auch Arbeitsplätze und Steuermittel, über die wir hier sprechen“, sagte Kämmerling. Wichtig sei aber auch die Wertschätzung des Tourismus und des Wassersports. Deshalb heißt es in der gemeinsamen Erklärung: „Eine Realisierung stünde für uns dann in Frage, wenn sich ergeben sollte, dass der Bau des Kraftwerkes mit der derzeitigen Funktion des Sees, insbesondere der natürlichen, Touristischen und wassersportlichen Nutzung, nicht vereinbar ist. Wir wollen das Projekt auf Basis von Sachargumenten bewerten und genau das erwarten wir auch von allen am Planungsprozess beteiligten Behörden, Gremien und Institutionen.“

Mit ihrer Unterschrift stellt sich die parteilose Bürgermeisterin Göckemeyer gegen einen Beschluss des Rates der Stadt Nideggen. Tags zuvor hatten sich CDU, SPD und FDP „Menschen für Nideggen“ in einer Sondersitzung gegen die Pläne für das Kraftwerk ausgesprochen. „Ich habe mehrfach darauf hingewiesen, dass dieser Beschluss zu diesem Zeitpunkt nicht der richtige ist, deshalb sitze ich hier“, sagte Göckemeyer in Simmerath.

Kein Zurück

Die Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ bleibt bei ihrer Kritik, dass Trianel „immer wieder unbefriedigend oder auch gar nicht auf Fragen antwortet“, so dass man den Eindruck bekomme, der Vorgang werde zwar kommuniziert, doch das Ergebnis stünde längst fest. „Falls sich bei Betrieb des PSW herausstellt, dass Wassersport nicht mehr möglich ist, wird sicher nicht der PSW-Betrieb eingestellt“, sagte der 1. Vorsitzende Reinhard Menzer. „Es gibt eine Linie, bei deren Überschreitung es für die Beteiligten, Trianel, Bezirksregierung, Landesregierung und Kommunen kein Zurück mehr gibt.“

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