Public Viewing zur EM: Leinwände in der Region sind gespannt

Von: Nicola Gottfroh
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Fast wie im Stadion: Öffentli
Fast wie im Stadion: Öffentliches „Viewen” und Jubeln, wie hier bei der EM 2008 in Düren, wird es in vielen Städten der Region auch zur diesjährigen Fußball-Europameisterschaft ab Freitag geben. Foto: Sistemich

Aachen. Weit über tausend Kilometer vom Geschehen entfernt trotzdem so etwas wie Stadionluft zu schnuppern und sich ganz nah dabei zu fühlen, wenn die deutsche Nationalelf in Polen und der Ukraine ihre Tore schießt - dieser Wunsch lockt wohl auch bei der kommenden Fußball-Europameisterschaft wieder Tausende begeisterte Fußballfans zum gemeinsamen Fernsehen auf die öffentlichen Plätze der Region.

Doch „Public Viewing” wird es nicht überall geben. Während die Fans in Düren, Hückelhoven, Geilenkirchen, Heinsberg, Erkelenz, Baesweiler gemeinsam vor der Großleinwand Schweini, Poldi und Co. anfeuern können, bleibt das Erlebnis der Fankurve in Aachen aus, jedenfalls auf öffentlichen Plätzen.

Das liegt nicht etwa an schärferen Sicherheitsauflagen infolge der „Love-Parade”-Katastrophe von Duisburg 2010. „Bis zu diesem Punkt waren die Planungen nicht einmal gekommen”, sagt die Sprecherin der Stadt Aachen, Rita Klösges. Der Grund sei viel banaler: fehlendes Geld. Das Finanzkonzept, das der Organisator des WM-Rudelguckens der Stadt Aachen für die kommende Spielzeit vorlegte, sei diesmal „nicht tragfähig” gewesen. „In diesem Jahr fehlte uns einfach die Sponsorenunterstützung”, so Klösges.

Doch was haben kleinere Städte wie Düren und Hückelhoven, was eine Großstadt wie Aachen nicht hat? „Sponsoren und ein pfiffiges Einnahmesystem”, weiß Gerd Suhr. Der ist Betreiber einer Eventagentur und hat die Organisation für das Public Viewing Spektakel auf den Rathausplätzen der beiden Städte übernommen. Denn ob die Kommunen ihren Bürgern in Zeiten klammer Kassen ein „Public Viewing” bieten können, das hängt auch stark davon ab, ob die Eventorganisatoren mit der Veranstaltung auch Kasse machen können.

„Immerhin gehört mehr dazu, als eine Großleinwand und einen Bierwagen auf einen großen Platz zu stellen”, erklärt Stefan Hahnrath. Er hat zur Weltmeisterschaft 2010 das Public Viewing auf dem Aachener Markt organisiert, bei dem bis zu 5000 Fans ihren Idolen zujubelten.

Allein die Leinwandtechnik, die er zur WM 2010 habe auffahren lassen, kostete zwischen 50.000 und 60.000 Euro. Dazu die Kosten für Tontechnik, Gema-Gebühren, die Lizenzgebühren der Uefa und, und, und. „Ohne das Geld von Sponsoren ist eine solche Aktion nicht zu stemmen”, betont Hahnrath.

Während Aachen die schwarz-rot-goldene Dekoration wegen fehlender Sponsorenunterstützung mindestens bis zur WM 2014 einlagern kann, darf sich Gerd Suhr in Düren und auch in Hückelhoven über Sponsoren satt freuen. Er stemmt das Public Viewing in Düren mit der Stadt und in Hückelhoven gemeinsam mit dem Stadtmarketing und hat viele Unterstützer im Rücken. Insgesamt 25 Prozent der Kosten von immerhin rund 80.000 Euro in Düren seien durch die Unterstützung vieler Dürener Einzelhändler und Gastronomen abgedeckt.

Für diese sei das Public Viewing überhaupt zu wichtig, als dass es wegen mangelnder Unterstützung ausfallen könnte. „Nach dem Spiel ist der Rathausplatz schnell wie leer gefegt - denn dann ziehen alle Zuschauer in die Dürener Kneipen - so viele Leute würden aber nicht mehr in die Stadt gehen, wenn sie das Spiel vor dem eigenen Fernseher verfolgen würden”, sagt Suhr.

Neben den Sponsoren ist das Einnahmesystem wichtig: „Wir haben ein ausgefeiltes Cateringsystem, mit dem wir versuchen, die Kosten für die Aktion zu refinanzieren: Der Eintritt zu den Fußballübertragungen ist frei, bei sicherheitsrelevanten Spielen, also alle Partien mit deutscher Beteiligung und der Begegnung Polen gegen Russland wird ein Mindestverzehr von fünf Euro fällig.” An diesen Tagen muss zwar einiges an Sicherheitspersonal aufgefahren werden.

Ein Aufpasser auf 100 Fans

Immerhin 2800 Fußball-Fans passen auf den Dürener Rathausvorplatz. Bei wirklichen Top-Spielen ist eine Erweiterung des Platzes auf 5500 möglich. Und dann rollt der Rubel in Düren: Mindestens 14.000 Euro Umsatz macht der Veranstalter pro Spiel, wenn nur 2800 Zuschauer kommen, bei 5500 sind es sogar 27.500 Euro. 80.000 Euro Kosten sollten sich so refinanzieren lassen. Und: Je weiter Löws Elf kommt, umso mehr Zuschauer kommen auf den Rathausplatz.

Natürlich steigen auch die Ausgaben für die Organisatoren bei mehr Zuschauern. Die verschiedenen Zugänge zum Platz müssten bewacht und die Fans kontrolliert werden. Ein Sicherheitsmann auf 100 Fans, so lautet die Faustregel. „50 bis 60 Sicherheitsleute benötigt man pro Spiel auf dem Aachener Markt”, erklärt Hahnrath.

Warum das Sponsoring in Aachen nicht funktioniert, führt Stefan Hahnrath auf zwei Punkte zurück. „Ich denke, dass eine Europameisterschaft für viele Sponsoren nicht den Stellenwert wie eine Weltmeisterschaft hat.”

Vor allem aber sei seit dem Abstieg von Alemannia Aachen die Fußballeuphorie bei den potenziellen Sponsoren sehr gedämpft.
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