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Protestwelle gegen das Kraftwerk rollt

Von: pe
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Schwammenauel Bürgerinitiative Rettet den Rursee, Christoph Pranter und Ursula Freifrau von Gagern.

Nordeifel. Ein langer Küchentisch im Wohnhaus der Familie Weiler-Pranter ist zur Keimzelle des Widerstandes geworden. Dort wurden die Entscheidungen getroffen, wie der Kampf gegen die Trianel-Planungen für ein Pumpspeicherkraftwerk organisiert werden kann.

Über Erfolg können sich die Aktiven nicht beklagen: Zahlreiche Gegner des Projekts ziehen mit ihnen an einem Strang, und auch die Heimbacher Stadtväter unterstützen vorbehaltlos ihre Initiative.

Christoph Pranter und Ursula Freifrau von Gagern, beide aus Vlatten, berichteten im Seehof in Schwammenauel, wie es zur Gründung der Bürgerinitiative kam. Der Beschluss, sich zu organisieren, sei nach einer öffentlichen Ratssitzung im Haus des Gastes in Heimbach am 17. Oktober gefallen. Bei dieser Sitzung sprachen sich Bürgermeister, Rat und Bürger unisono gegen das geplante 750 MW-Kraftwerk bei Schmidt aus. Danach gab es die Anregung, nun müsse man eigentlich eine Bürgerinitiative gründen.

Der Wiener Christoph Pranter, und seine Frau, die Kölnerin Beate Weiler-Pranter, die gemeinsam 1989 mit ihren Kindern nach Vlatten gezogen waren, nahmen die Sache in die Hand. Sie hatten die besten Voraussetzungen dafür, den Protest professionell aufzuziehen: Christoph Pranter hat viele Jahre für die Deutsche Welle Filme als Autor, Realisator und Regisseur hergestellt und ist daher geübt im Recherchieren. Seine Frau Beate Weiler-Pranter ist ebenfalls Journalistin. Einer der Söhne, Fabian, der in Berlin und St. Gallen studiert hat, ist Webdesigner und hat administrativ den Internet-Auftritt übernommen.

250 Einsprüche von Bürgern

„Nach der öffentlichen Ratssitzung haben wir gesagt, Trianel plant die weitläufige Umstrukturierung der Landschaft und hat auf existenzielle Fragen der Kommunen keine Antwort“, sagt Pranter. Am 23. Oktober 2012 wurde die Bürgerinitiative (BI) gegründet, am 24. Oktober konnte bereits eine entsprechende Internetseite ins Netz gestellt werden. Doch damit nicht genug: Am 12. November gründeten 25 Mitglieder einen gemeinnützigen Verein. Beschlossen wurde, dass sich der Vorstand aus Vertretern der drei durch das Kraftwerk betroffenen Gemeinden Heimbach, Nideggen und Simmerath zusammensetzen soll. Einstimmig wurden Reinhard Menzer (Rurberg) zum Vorsitzenden sowie Ursula Freifrau von Gagern (Vlatten) und Werner Löhrer (Schmidt) zu dessen Stellvertretern gewählt.

Das Interesse an der Arbeit der Bürgerinitiative ist riesengroß: 42.417 Zugriffe gab es bisher auf ihre Internetseite. 2372 Bürger wollen per Mailing aktuell informiert werden: Aus Aachen haben sich 157 Bürger, aus Köln 103, aus Düren 135, aus Schmidt 174, aus Nideggen 163, 360 aus Heimbach, 122 aus Simmerath, 40 aus Woffelsbach, 59 aus Rurberg und zwölf aus Berlin angemeldet. Auch im Ausland ist man interessiert. Ein Interessent wohnt sogar in Austin (Texas), einer in Barcelona, fünf kommen aus Tirol.

Am Raumordnungsverfahren, das von der Bezirksregierung durchgeführt wird, sei die Bürgerinitiative nicht beteiligt worden. Aber man regte die Bürger dazu an, Einspruch zu erheben. Mit Erfolg: Um die 250 Einsprüche habe es gegeben, außerdem hätten die Städte Nideggen und Heimbach sowie Naturschutzverbände widersprochen.

Die Planungen für das Kraftwerk, so argumentieren die Trianel-Kritiker, seien vor der Energiewende entstanden. Doch jetzt lohnten sich Pumpspeicherkraftwerke nicht mehr. Pranter verweist auf zwei Studien, eine vom Umweltbundesamt (UBA) und eine weitere vom Fraunhofer-Institut – letztere stammt vom Dezember 2012. Danach würden, so seine Interpretation, neue Pumpspeicherkraftwerke nicht mehr benötigt. Derzeit könnten die mit dieser überholten Technologie angestrebten Gewinne nicht mehr realisiert werden. „Trianel zieht jedoch die Notbremse nicht“, moniert Christoph Pranter.

Dr. Hans-Martin Hennig, stellvertretender Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts in Freiburg relaviert die Interpretation der Bürgerinitiative allerdings ein wenig. Aus der Studie könne nicht abgeleitet werden, dass weitere Pumpspeicherkraftwerke nicht sinnvoll seien. Beim steigenden Anteil erneuerbarer Energien würden in erheblichem Maße Kurzspeicher benötigt. Diese Aufgabe erfüllten die Pumpspeicherkraftwerke.

Hennig: „Es stimmt allerdings, dass das in Vergangenheit gültige Geschäftsmodell für Pumpspeicherkraftwerke an vielen Tagen nicht mehr greift.“ Es werde aber in Zukunft eine neue Energieerzeugungsstruktur geben, aus der sich durchaus Bedarf an Speicherkraftwerken ergebe, „so dass Investitionen in diese Anlagen wieder interessant werden“.

Pumpspeicherkraft polarisiert: Gegner und Befürworter in der Region

Das geplante Pumpspeicherkraftwerk an der Rurtalsperre polarisiert derzeit die Region. Um der einflussreichen Bürgerinitiative und den gegnerischen Beschlüssen von Heimbach und Nideggen etwas entgegenzustellen, hat der Grüne Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer zahlreiche prominente Befürworter aus fast allen politischen Lagern für einen Aufruf für das geplante Kraftwerk mobilisieren können. Ziel ist es, zumindest eine ernsthafte Prüfung vorzunehmen.

Unterzeichnet haben dieses Papier Helmut Brandt (MdB, CDU, Städteregion Aachen), Städteregionsrat Helmut Etschenberg, Bettina Herlitzius (MdB, Grüne, Städteregion), der Simmerather Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns (CDU), Daniela Jansen (MdL, SPD, Aachen), Stefan Kämmerling (MdL, SPD, Eschweiler), Oliver Krischer (MdB, Grüne, Düren), Peter Münstermann (SPD, MdL, Düren), Dietmar Nietan (MdB, SPD, Düren), Reiner Priggen (MdL, Grüne, Aachen), Ulla Schmidt (MdB, SPD, Aachen), Hendrik Schmitz (MdL, CDU, Alsdorf), Karl Schultheis (MdL, SPD, Aachen), Eva-Maria Voigt-Küppers (MdL, SPD, Würselen), Axel Wirtz (MdL, CDU, Stolberg) und Gudrun Zentis (MdL Grüne, Nideggen).

Auch Nideggens Bürgermeisterin Margit Göckemeyer hat unterschrieben, obwohl der Nideggener Rat gegen das Projekt ist. Der Kreis Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) hat sich ebenfalls gegen die Planungen positioniert. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der Rurenergie. Das Unternehmen habe sich von Trianel über das geplante Vorhaben informieren lassen. Er persönlich teile die Bedenken des Heimbacher Bürgermeisters Bert Züll gegen das Projekt. Bislang habe die Rurenergie keine Entscheidung gefällt, sich daran zu beteiligen.

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