Protest gegen Motorradlärm: Gereizte Stimmung am Rursee

Von: Peter Stollenwerk
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Schwieriger Dialog: Lärmgeplagte Anwohner in der Eifel und Biker diskutieren momentan intensiv über die Begleiterscheinungen des Motorradfahrens in der Eifel. Foto: P. Stollenwerk

Einruhr. Die Stimmung ist gereizt. Alljährlich kommen mit dem Sommer auch massenweise Motorradfahrer in die Eifel. Das war schon immer so, aber in diesem Jahr hat die Diskussion mal wieder gewaltig Fahrt aufgenommen. Viele Anwohner sind einfach nur noch genervt vom Motorradlärm, der nicht nur am Wochenende über dem Rurtal liegt.

Auch abends an den Wochentagen ist der Zweiradverkehr mehr geworden, wenn man den Schilderungen glaubt. „Die Belästigung durch die Motorräder ist in den beiden letzten Jahren deutlich gestiegen“, sagt auch Christoph Poschen. Der Kommunalpolitiker aus Einruhr unterstützt als lärmgeplagter Bürger eine vor vier Wochen erstmals öffentlich in Erscheinung getretene Initiative, in der sich Bürger aus Einruhr, Kesternich und Dedenborn zusammengeschlossen haben, die vom Motorradlärm genug haben.

Mit handfesten Aktionen, zum Beispiel der Belegung eines bei Bikern beliebten Parkplatzes an der Bundesstraße 266, machen sie ihrem Ärger Luft. Die Bürger laden auch gerne Zweifler ein, sich einmal an einem Sonntag auf ihre Terrassen zu setzen und die Geräuschkulisse auf sich wirken zu lassen. Biker akzeptieren die Bürger, nicht aber röhrende und rasende Motorräder.

Auch am Sonntag machten in mehreren Schichten wieder rund 50 protestierende Anwohner den Parkplatz dicht. Emotional wie die dort geführten Gespräche mit Bikern, die sich größtenteils in ein völlig falsches Licht gestellt sehen, weil es letztlich nur um die Verfehlungen einer Minderheit gehe, ist auch die öffentliche Diskussion in der Bevölkerung und den sozialen Netzwerken. Die einen sagen, dass es nun einmal das Los der Eifeler sei, sich mit der Motorradproblematik zu arrangieren, andere empfehlen sarkastisch den Bau einer Lärmschutzwand.

Dabei hatte man in der Rurseegemeinde Simmerath eigentlich darauf gehofft, dass sich die unterschiedlichen Positionen im Dialog annähern würden. Eine Vorreiterrolle in der Diskussion um das Thema Motorradlärm hat der Simmerather Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns eingenommen, der volles Verständnis für die öffentliche Empörung zeigt: „Immer mehr Menschen, nicht nur in der Gemeinde Simmerath, werden aktiv, weil sie sich den Motorradlärm nicht mehr gefallen lassen. Dies machte die friedliche Demo, die ich begrüße, am Sonntag erneut deutlich.“

Dabei hatte sich Hermanns eigentlich einen anderen Verlauf gewünscht, als er vor etwa zweieinhalb Jahren zu einem überregionalen Symposium nach Rurberg eingeladen hatte. Die Vertreter von 20 Mittelgebirgs-Kommunen, die sich nicht weiter wehrlos dem Lärmpegel der Zweiräder aussetzen wollten, verabschiedeten einen Forderungskatalog mit der Absicht, dass die gesetzlichen Bestimmungen enger gefasst werden sollten.

Auch über Streckensperrungen, zum Beispiel für die Landstraße 166 zwischen Kesternich und Rurberg, wurde gesprochen. Am Ende wurden auf der kurvenreichen Fahrbahn vier sogenannte Rüttelstreifen aufgebracht. Die haben bislang noch kein Zweirad ausgebremst, dafür ärgern sich die Autofahrer das ganze Jahr über die Mini-Schwellen.

Immerhin gibt es seit 2016 eine neue EU-Verordnung, die den Dezibel-Grenzwert geringfügig herabsetzt, aber die gilt nicht für ältere Maschinen.

Viele Biker haben Verständnis für den Ärger der Anwohner – dies wurde auch am Sonntag deutlich. „Wir sind darauf bedacht, weder uns noch andere zu gefährden“, sagen sie im Gespräch mit den Bürgern. Aber es trage eben nicht zur Entspannung bei, wenn Anwohner beispielsweise mit ihren Videokameras die Aktivitäten der Motorradfahrer auf dem Parkplatz „Schöne Aussicht“ aufzeichneten. Dies sei eine massive Verletzung der Persönlichkeitsrechte.

Und richtig gefährlich werde es, wenn auf freier Strecke beim Auftauchen eines Motorrades Personen gezielt auf die Fahrbahn treten würden. Ja, es gebe „schwarze Schafe“ unter den Motorradfahrern, räumen die Biker ein, „aber die gibt es auch auf der Autobahn“.

Dass auf der B266 am Wochenende ein junger Mann aus Köln bei einem Alleinunfall mit seinem Motorrad ein Bein verlor, bot zusätzlichen Stoff für kontroverse Auffassungen.

Die Protestaktionen der lärmgeplagten Bürger haben bereits Gehör gefunden. Es gibt Überlegungen, die „Aufenthaltsqualität“ auf dem Parkplatz durch einen Schotterbelag deutlich herabzusetzen. Diese kleinen Steinchen können die Biker überhaupt nicht leiden. Solche Ansätze der Problembewältigung zeigen aber auch, dass man von echten Lösungen noch weit entfernt ist.

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