Projekt „Generationsbrücke”: Kinder und Senioren kommen zusammen

Von: Julia Bäumler
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Die Kinder der Simmerather Gru
Die Kinder der Simmerather Grundschule präsentierten gemeinsam mit ihrem Bewohnerpartner stolz die gemalten Bilder, welche sie gemeinsam mit diesen bei einem ersten Kennenlernen erstellten.

Simmerath. Luftballons schweben durch die Luft, es wird gesungen, gelacht und jeder im Raum scheint eine Menge Spaß zu haben. Das Ungewöhnliche im Raum: Es sind nicht Gleichaltrige, die hier zusammen spielen.

Nein, es sind junge und alte Menschen, die auf einen gemeinsamen Nenner kommen möchten und hier im „Alloheim”, der Seniorenresidenz in Simmerath zusammen gekommen sind.

Die vierte Klasse der Katholischen Grundschule Simmerath (KGS) ist gemeinsam mit ihrer Schulleiterin Bettina Fricke und ihrer Klassenlehrerin zum ersten Mal in die Seniorenresidenz gekommen, um das Projekt „Generationsbrücke” zu starten.

Das mittlerweile von 17 Heimen deutschlandweit angenommene Projekt fand seinen Ursprung im Jahre 2009 in Aachen-Brand im Marienheim. Die Projektkoordinatorin Susanne Schmitz berichtet über den Erfolg des Projektes, das sich immer mehr verbreitet und tatsächlich dazu beiträgt, dass eine Brücke zwischen Jung und Alt gebaut wird.

Auf der einen Seite der Brücke stehen selbstverständlich immer die Senioren, aber auf der anderen Seite sind es nicht nur Grundschulkinder, wie hier in Simmerath, die das Projekt verwirklichen. Oft seien es auch Kindergartenkinder oder sogar schon Schüler von weiterführenden Schulen, die sich mit Freude der älteren Generation zuwenden.

Bevor die Grundschüler der KGS Simmerath aber nun endlich ihre neuen Freunde kennen lernen durften, besuchte Susanne Schmitz die Gruppe zuvor in der Schule, um sich mit ihnen gemeinsam auf die anstehende Zeit vorzubereiten. Denn nicht nur Regelmäßigkeit der Besuche und das Miteinander sind wichtige Aspekte, sondern auch die Vorbereitung dürfe nicht ausbleiben, erklärt Susanne Schmitz.

Kurz vor den Herbstferien war schließlich der große Tag gekommen und die Schüler durften ihre Bewohnerpartner kennen lernen. Jedes Kind erhält einen festen Partner im Seniorenheim. Dabei malten Bewohnerpartner und Schüler gegenseitig die Hand des anderen und mussten zum Kennenlernen in jeden Finger der Hand ein Merkmal seiner neuen Bekanntschaft schreiben.

„So lernen sich nicht nur das Kind und der ältere Partner besser kennen, sondern auch die gesamte Seniorengruppe erfährt manchmal völlig neue Dinge über ihre Mitbewohner. Oft sind viele erstaunt, wenn sie in der Vorstellungsrunde erfahren, dass ihr Zimmernachbar beispielsweise einmal Fotograf war,” freut sich Susanne Schmitz über die Vielseitigkeit des Projektes.

Die Kinder werden nun alle vier Wochen ihre Bewohnerpartner besuchen kommen und aus Erfahrung entstehen aus der einjährigen Projektdauer manchmal richtig enge Freundschaften, die auch nach Beendigung des Projektes noch gepflegt werden. Und tatsächlich scheinen die Kinder schon nach wenigen Stunden des Zusammenseins begeistert zu sein.

„Die älteren Leute sind doch voll nett!”, freut sich ein Junge, und auch sein Freund ist begeistert und erzählt, dass sein Bewohner sehr schön mit ihm gespielt habe. Auch Schulleiterin Bettina Fricke ist erfreut und weiß heute schon, dass im nächsten Jahr wieder eine Klasse das Seniorenheim besuchen wird.

Darüber freut sich auch besonders die stellvertretende Einrichtungsleiterin Monika Marx-Schifflers: „Das Projekt ist unserer Meinung nach eine sehr gute Idee. Wir haben schon vorher mit der KGS Simmerath kooperiert, und somit ist es jetzt besonders schön nicht nur etwas füreinander, sondern auch etwas miteinander zu machen.”

Anschließend lacht sie und berichtet, dass aus Erfahrung die Bewohner immer wieder fragen, wann denn endlich die Kinder wieder kommen werden. Ziel des Projektes ist es nun, dass heute schon Akzeptanz gegenüber der älteren Generation geschaffen werde und Hürden abgebaut würden, erklärt Bettina Fricke.

Gerade für die Kinder von heute werde die ältere Gesellschaft noch eine zunehmend größere Rolle spielen. Und so sei es wichtig, dass Kinder, die noch keine großen Hemmungen hätten, schon in jungen Jahren mit älteren Leuten zusammen seien und sich ein eigenes Bild machen könnten.

Der erste Eindruck scheint bei Organisatoren, Kindern und Senioren durchweg gleich zu sein: Alle sind begeistert und freuen sich auf die folgenden neun Treffen. „Besonders interessant empfinde ich es, wie unbefangen die Kinder mit den alten Leuten reden und wie hilfsbereit die Schüler gegenüber ihren Bewohnerpartnern sind,” erzählt die Schulleiterin.

So kommt es auch schnell vor, dass der sonst so wilde Junge seinem älteren Partner mit aller Ruhe den Rollator holt oder ihm das Glas anreicht, oder das das sonst so schüchterne Mädchen ihrer neuen Freundin Löcher in den Bauch fragt und alles über „früher” wissen möchte. Schmitz erzählt auch, dass die Kinder in diesem Zusammenhang oft über „Geschichte zum Anfassen” sprechen.

Nach einem über einstündigen Aufenthalt in der Seniorenresidenz heißt es dann doch erst einmal wieder Abschied nehmen, denn die Grundschulkinder müssen wieder zurück in die Schule. Die Bewohnerin des Seniorenheims Ursula Schultz freut sich zum Schluss der Veranstaltung über das Engagement der Kinder: „Da gibt es wirklich nichts Negatives zu sagen. Es war so toll mit den Kindern! Sie waren so brav, herzlich und aufgeschlossen zu uns, so dass es richtig schön mit ihnen war.”

Zum Glück dauert es nicht lange bis zum nächsten Treffen, denn in vier Wochen kommen die Kinder schon wieder.
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