Prinzenproklamation Lammersdorf: Haie und Heino auf der Bühne

Von: ho
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Dieses Mal kein großer Musical-Knaller: Die Showtanzgruppe Dancefire präsentierte einmal etwas völlig anderes und erntete auf heimischem Terrain mit ihren bunten Fischkostümen viel Beifall. Foto: Karl-Heinz Hoffmann

Lammersdorf. Lob von allen Seiten erhielt Helmut Klein, Programmgestalter bei den Karnevalsfreunden Lammersdorf (KFL), noch lange nach der Prinzenproklamation, bei der Thomas IV. (Mießen) als Narrenherrscher auf den Thron gehoben wurde.

Wenn im Rahmen der Gezeiten nach Ebbe Flut folgt, so setzte ohne Zweifel am Samstagabend im Lammersdorfer Festzelt eine Sturmflut ein. Ein Programm der Extraklasse, bei dem ein Höhepunkt den anderen jagte, brachte das jecke Publikum aus dem Häuschen und am Ende zum einstimmigen Tenor: Die beste Proklamation seit vielen Jahren.

Gnadenlose Entmachtung

Nach dem Einzug der Garden und der unvermeidbaren Entmachtung des alten Prinzen (Thomas Gülpen), die Präsident Matheis wie immer genussvoll und gnadenlos vollzog, fungierte die Jugendgarde als Eisbrecher. Sie demonstrierten eindrucksvoll, dass der Verein mit ihnen in Zukunft ein „tänzerisches Pfund“ in der Hinterhand hat. „Knie nieder, Scherge“, hieß es danach zunächst für Prinzenanwärter Thomas Mießen, bevor der KFL-Präsident ihn mit und mit durch Zepter, Prinzenmütze und Junkerorden in einen vernünftigen Prinzen verwandelte.

Thomas IV. war gekürt und überzeugte in seiner Antrittsrede durch dezenten Charme und gekonnte Rhetorik. Der Mann braucht keinen Redenschreiber; er plaudert aus dem Stehgreif.

Die folgende Aufzählung seiner zehn Gebote in tiefstem Unterbayrisch durch ein Mitglied seines Elferrates, war ebenso köstlich, wie die wie immer hervorragende Vorstellung des Prinzenanhangs durch Präsident Matheis. Die „spitzeste Zunge der Nordeifel“ machte ihrem Namen erneut alle Ehre.

Nachdem anschließend die Ehrengarde in ihren neuen Kostümen über die Bühne gewirbelt war, begann das eigentliche Sitzungsprogramm mit dem ersten Kracher. „Oli, der Köbes“, in den Hochburgen des rheinischen Karnevals bestens bekannt und 2013 Sieger des WDR-Wettbewerbes „Rampensäue“, stellte von Anfang an unter Beweis, warum er diesen Preis abgeräumt hatte. Seine Geschichten vom ABC des alltäglichen Wahnsinns ließen kein Auge trocken. Zu Ehren des aus ihren Reihen stammenden Prinzen marschierte danach die Funkengarde auf die Bühne, präsentierte dort zunächst im Ansatz ein „Stippefötsche“, das dann abrupt im Sinne des bajuwarischen Prinzenmottos in einen rasanten Schuhplattler-Tanz wechselte. Für diese Darbietung der bisher unentdeckten Eifeler Alpenfolkloregruppe gab es stehenden Beifall.

Was Christian Pape, nebst seinem im Hintergrund scheinbar in sich selbst ruhenden Partner, danach in der imaginären Bütt bot, war schlicht rednerischer Wahnsinn auf höchstem Niveau. Die Gesangseinlagen mit alten Kinderliedern im Grönemeyer-Stil verzückten ebenso, wie die abschließende Tanzeinlage in Klumpen.

Hut ab auch vor der Leistung von Mariechen Nadine Neubacher, die eindrucksvoll zeigte, dass sie in der Weissrock-Garde nichts von ihrer Klasse verloren hatte. Die musikalische Parodie des Elferrates traf gleichfalls voll den Nerv des Publikums. Wann erlebt man schon einmal Helene Fischer, Heino und Florian Silbereisen gemeinsam auf der Bühne?

Nicht gemeinsam, aber in der Programmfolge nacheinander, traten danach die Mariechen der Prinzen- und Funkengarde auf. Lisa Becker und Anne Maaßen erhielten ebenfalls verdienten Beifall für ihre Tänze. Kurz vor Mitternacht mit einem Redebeitrag auf einer Sitzung anzutreten, wird normalerweise als karnevalistischer Selbstmord betrachtet. Der stand für das Redner-Duo „Willi und Ernst“ aus dem Koblenzer Raum aber überhaupt nicht zur Diskussion. Die beiden Rentner aus Leidenschaft zelebrierten ein Zwiegespräch, bei dem der Saal aus dem Lachen nicht mehr heraus kam.

Die Musiker, die ansonsten in der Kölnarena ihren Klangkörper erschallen lassen, füllten danach die Lammersdorfer Bühne. Das Trompeterkorps „Eefelkank“ aus Eschweiler blies fast das Zeltdach weg, als es sein Repertoire vom treuen Husaren bis Satisfaction präsentierte. Störend und unverständlich hierbei, dass eine größere Gruppe im Hintergrund zeitweilig lautstark Liedgut von Deep Purple einforderte.

Den Schlusspunkt der Sitzung setzte schließlich die Showtanzgruppe „Dancefire“, die in diesem Jahr keinen großen Musical-Knaller auf die Bühne zauberte. Für das tänzerische Potpourri, bei dem neben dem weißen Hai viele andere Fische auf der Bühne zu sehen waren, gab es vom heimischem Publikum viel Applaus. Danach wurde im Zelt noch kräftig gefeiert, bevor DJ Walter Offermann am frühen Morgen den Stecker an der Musikanlage zog.

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