Praxisübergabe: Der Nachfolger hat hier gute Perspektiven

Von: Andreas Gabbert
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Am 1. April erfolgt die Übergabe: Dann übernimmt Dr. Christian Schmittkamp die Praxis von Dr. Paul Ohlig in Imgenbroich. Foto: A. Gabbert

Nordeifel. 30 Jahre lang war Paul Ohlig als Arzt für die Menschen in der Eifel da. Am 1. April übergibt er seine Praxis an Christian Schmittkamp. Als Dr. Paul Ohlig vor mehr als 30 Jahren in die Eifel kam, kannte er hier kaum jemanden.

Heute kennt er die halbe Nordeifel, und die meisten Menschen kennen ihn auch – genau 15.773 Patienten sind in der Kartei des Hausarztes registriert. Ursprünglich stammt Ohlig aus Mönchengladbach. „Ich wollte auf´s Land nach Ostfriesland, ans Meer. Freunde in Aachen haben mir dann die Eifel schmackhaft gemacht“, erinnert sich Ohlig.

Zunächst arbeitete er ein Jahr lang mit Dr. Paul Stockschlaeder zusammen. Am 1. April 1984 übernahm er schließlich dessen Praxis. Nach 30 Jahren als Hausarzt in der Nordeifel verabschiedet sich Ohlig nun von seinen Patienten und wird seine Praxis am 1. April an seinen Nachfolger Dr. Christian Schmittkamp übergeben.

Dienst rund um die Uhr

Als Ohlig anfing, hatte er eine idealisierte Vorstellung von einem Landarzt. „Ich habe gedacht, man wird nur gerufen, wenn Not am Mann ist. Das hat sich nicht bestätigt. Da hab ich mich vertan“, sagt Ohlig. Im Gegenteil, oft werde nach dem Motto verfahren: Das passt grad, also ruf ich mal an – auch für Kleinigkeiten. Also leistete der Arzt mit Hilfe seiner Ehefrau insbesondere in der Anfangszeit Dienst rund um die Uhr. An seinen ersten Patienten kann er sich allerdings nicht mehr erinnern. „Das ist schwierig, weil ich zunächst ein Jahr mit Stockschlaeder zusammen gearbeitet habe. Das war ein fließender Übergang.“

Einen fließenden Übergang soll es auch bei der Übergabe seiner Praxis geben. Vor 1,5 Jahren hat der 37-jährige Dr. Christian Schmittkamp bei Ohlig in der Praxis angefangen. Im ersten Monat hat Schmittkamp Ohlig begleitet und sich den Patienten vorgestellt. „So konnte ich sehen, wie das System Hausarztpraxis funktioniert. Das lernt man nicht im Studium.

Die Patienten wussten das auch zu schätzen, weil sie so Vertrauen aufbauen und sich an mich gewöhnen konnten“, erklärt Schmittkamp, der mit seiner Frau und seinem zweijährigen Sohn inzwischen in Konzen lebt. Dabei war die Eifel vor einigen Jahren noch gar kein Thema für den jungen Mediziner. „Meine Frau kommt gebürtig aus Höfen. Zunächst haben wir sieben Jahre lang zusammen in Essen gelebt und sind dann wieder näher zu den Schwiegereltern gezogen. Außerdem reizt mich hier diese sagenhafte Natur. Aufgewachsen bin ich bei Remscheidt im Bergischen Land, das ist von der Natur her vergleichbar“, sagt Schmittkamp.

Gute Perspektiven

Ohlig sieht für seinen Nachfolger gute Perspektiven in der Eifel. „Wenn er es richtig macht, hat er die besten Aussichten. Viele Kollegen gehen in den Ruhestand. Eventuell braucht er auch noch Verstärkung.“ Das sieht Schmittkamp ähnlich: „Ich glaube, dass die Perspektive hier gut ist, weil der Ärztemangel immer präsenter wird, auch wenn er hier noch nicht eklatant ist.“ Der einzelne Arzt habe in Zukunft sicher mehr Patienten zu betreuen. Das könne auch problematisch werden.

Im Vergleich zur Stadt sei eine ganzheitliche Behandlung auf dem Land aber besser möglich. Es gebe weniger Fachärzte und damit ein größeres Spektrum für den Hausarzt. „Das ist eine Herausforderung und spannend“, sagt Schmittkamp. Auch das Verhältnis zu den Patienten sei in der Eifel ein anderes, ein persönlicheres. Das kann Ohlig auch nur unterstreichen. „Hier kennt man die Enkel und die Großeltern. Das macht in der Diagnostik vieles einfacher. Wenn ich die Ehefrau kenne, weiß ich warum der Mann Bauchschmerzen hat“, sagt Ohlig.

Einengende Bürokratie

An der Arbeit mit seinen Patienten hatte Ohlig immer Freude. Deutlich weniger Spaß machte ihm die Bürokratie. „Das engt ein. Es ist mühsam Vorgaben erfüllen zu müssen und dem Patienten nicht immer das zukommen lassen zu können, was er möchte. Das macht das Loslassen einfacher“, erklärt Ohlig. Am Ende dieses Monats will er sich erst mal komplett zurückziehen, obwohl er verschiedene Angebote erhalten hat, etwa als Schiffs- oder Gefängnisarzt zu arbeiten.

„Dafür wären aber auch Fortbildungen nötig, und ich will nicht mehr müssen müssen, sondern wollen wollen“, erklärt Ohlig. Als erstes will er jetzt sein Englisch aufpäppeln und sich dann seinen diversen Hobbys widmen (Segeln, Fahrradfahren, Theater, Bücher). „Es wird aber auch Tage geben, an denen es langweilig werden wird. Ich hoffe, dass darin eine kreative Chance steckt“, sagt Ohlig.

Am 1. April war er auf den Tag 30 Jahre lang als Arzt in der Eifel selbstständig. Im Vergleich zu seiner Anfangszeit würden kardiologische Krankheitsbilder inzwischen mehr in den Vordergrund rücken, sagt Ohlig. Das liege daran, dass die Menschen älter und die Medizin besser würde. Dass es für die Eifel typische Krankheiten gibt, hat Ohlig während seiner Laufbahn nicht beobachtet. Wie in der gesamten Bundesrepublik würden aber auch in der Eifel die psychischen Erkrankungen zu nehmen.

„Wir haben mehr mit Mobbing zu tun als früher. Der Burnout hat auch viel stärker zugenommen. Ich glaube aber auch, dass sich viele Leute eher in diesem Krankheitsbild wiederfinden, weil das Thema in den Medien breit getreten wird. Dann ist es gut, wenn man seine Pappenheimer kennt“, sagt Ohlig. Auf der anderen Seite hätten körperliche Beschwerden aber oft auch psychische Ursachen. Zum Abschied sagte ihm neulich eine Patientin: „Es war immer toll, weil sie auch mit Worten heilen konnten.“

Christian Schmittkamp will keine Kopie seines Vorgängers sein. „Ich möchte mich natürlich hier auch einbringen“, sagt er. Dazu gehört für ihn, die Methoden der Schulmedizin mit Naturheilverfahren zusammen zu bringen. „Das ermöglicht tolle Alternativen für die Therapie.“ Zu seinem Spektrum gehören u.a. auch Akkupunktur, Blutegeltherapie und Neuraltherapie.

Entscheidung nicht bereut

Seine Entscheidung für die Eifel hat er bisher nicht bereut. Er war zwar gewarnt worden, die Eifeler seien nicht immer einfach und es werde dauern, bis er von ihnen akzeptiert werde. Aber Schmittkamp hat es anders erlebt. „Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden. Ich freue mich auf die nächsten 30 Jahre“, sagt der junge Mediziner.

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