Präventionsprogramm: Auch „Nein!“ zu sagen will gelernt sein

Von: hes
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Den Rücken kraulen kann doch nichts Schlimmes sein... Oder doch? Mit dem Präventionsprogramm gegen sexuelle Gewalt lernen die Dritt- und Viertklässler der Grundschule Roetgen die Grenzen zwischen Zärtlichkeit und Missbrauch zu erkennen und darauf zu reagieren. Foto: H. Schepp

Roetgen. Kinder, die wissen, wie sie sich in unsicheren Situationen verhalten können, gehen gestärkt durchs Leben. Das Präventionsprogramm „Mein Körper gehört mir!“, das diese Woche an der Gemeinschaftsgrundschule in Roetgen startete, möchte den Kindern und Eltern ganz praktische Strategien gegen sexuelle Gewalt aufzeigen.

Noch bis zum 14. Dezember ist die mit der Comenius-Medaille ausgezeichnete „Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück“ an der Schule zu Gast und vermittelt mit ihrer interaktiven Szenencollage in drei Teilen den Kindern aller sechs Klassen des dritten und vierten Schuljahres Selbstvertrauen im Umgang mit sexueller Gewalt.

Bevor die Kinder die Darsteller in verschiedenen Rollen erleben, lernen sie diese als reale Personen kennen. Denn „Mein Körper gehört mir!“ soll keine Show sein, sondern eine lebhafte Unterhaltung mit den Kindern, in einer klarer und kindgerechte Sprache. Zuerst aber wird gesungen: Die Kinder lernen den „Körpersong“, das sorgt für gute Laune und soll stark machen für ernste Themen.

Was kannst du tun, wenn jemand deine körperlichen Grenzen überschreitet? Wie bekomme ich Hilfe bei sexueller Gewalt? „Wenn Du ein Nein-Gefühl hast, geh‘ zu jemandem und erzähl ihm davon!“ So lautet die wichtigste Botschaft der kleinen Alltagsszenen, die Anja Bechtel und Hansi Schäfer den Kindern im Unterricht und auch den Eltern im Rahmen eines Infoabends vorspielen.

„Mein Zimmer, mein Auto, meine Mama!“ Schon die Kleinen wissen, was ihnen gehört. „Mein Mund, meine Beine, mein Po?“ Dass sie Besitzansprüche auf ihren Körper haben, wird Kindern nur selten beigebracht. Sie wachsen mit körperlicher Nähe auf – und die tut eigentlich immer gut. Aber manche Erwachsene missbrauchen das Vertrauen der Kinder. Und gerade im nahen sozialen Umfeld verschwimmen die Grenzen zwischen Zärtlichkeit und Missbrauch sehr langsam.

Aber viele Kinder verstummen, wenn sich ihre Ja- und ihre Nein-Gefühle widersprechen. Mit „Mein Körper gehört mir!“ ermutigt das Programm deshalb Kinder seit über 20 Jahren, ihren Nein-Gefühlen uneingeschränkt zu vertrauen, anderen von ihnen zu erzählen und sich Hilfe zu holen.

Deshalb nehmen die Kinder am Ende nicht nur Gefühle und Geschichten mit nach Hause, sondern auch eine Telefonnummer, unter der sie Menschen erreichen, die ihnen weiterhelfen können.

Schulleiterin Susanne Bortot ist sehr froh, dass es mit Hilfe von Sponsoren gelungen ist, dass Schutzprogramm gegen sexuelle Gewalt an die Schule zu holen. Der Verein „Menschen gegen Kindesmissbrauch e.V.“ mit Sitz in Mülheim/Ruhr hat die Kosten für das Programm übernommen, das am kommenden Montag fortgesetzt wird. Mehr dazu findet man auch im Netz unter: www.theaterpaed-werkstatt.de

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