Präsidium ist teurer als die Polizei erlaubt

Von: Robert Esser
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Auslaufmodell? Das Aachener Polizeipräsidium (Bildmitte) wird nicht saniert. Wo der Neubau enstehen soll, ist noch unklar. Foto: Manfred Kistermann

Aachen. Teurer als die Polizei erlaubt. So simpel lässt sich die Zukunft des Aachener Polizeipräsidiums auf den Punkt bringen. Weil eine Sanierung des riesigen Baukörpers erheblich kostspieliger ausfallen würde als bislang vermutet, steht nun doch ein Neubau für die Behörde zur Debatte.

Polizeisprecherin Sandra Schmitz bestätigte am Freitag entsprechende Informationen der Aachener Zeitung: „Ja, es stimmt. Der aktuelle Stand ist, dass die Sanierung verworfen wurde.”

Lange Mängelliste

Erst im September 2008 hatte die Aachener Polizei offiziell die Sanierungsmitteilung aus dem NRW-Innenministerium verkündet. Das Präsidium solle bei laufendem Betrieb renoviert, modernisiert und erweitert werden, hieß es.

Von den Fenstern bis zur Elektroinstallation sollte eine immens lange Mängelliste abgearbeitet werden. Die kalkulierten Kosten dafür lagen bereits im zweistelligen Millionenbereich.

Erst vor 29 Jahren, im Mai 1981, war das Polizeipräsidium an der Hubert-Wienen-Straße in der Soers - heute unmittelbar neben der Justizvollzugsanstalt - offiziell in Betrieb genommen worden.

Für 36 Millionen Mark hatte man damals 10.000 Quadratmeter Nutzfläche für rund 500 Polizeibedienstete geschaffen. Doch der Zahn der Zeit nagte früher an dem Bürokomplex als erwartet.

Seit 2006 stellt man mit dem Hausherrn Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) Überlegungen an, wie der Sanierungsfall gelöst werden kann. Vier Jahre später stehen die Zeichen nun - entgegen früherer Verlautbarungen - auf Neubau.

Um den Standort dürfte es noch heftige Auseinandersetzungen geben. In Expertenkreisen war immer wieder die Einrichtung eines Großpolizeipräsidiums auf der grünen Wiese diskutiert worden - unter Einbeziehung der Städteregion, des Kreises Heinsberg und womöglich auch der Kreispolizeibehörde Düren.

Diese Idee - die erhebliches Einsparpotenzial bei einer Zusammenlegung der Polizeibehörden sieht - war allerdings nicht auf Gegenliebe der auswärtigen Landräte gestoßen.

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp, der am Freitag turnusgemäß mit Polizeipräsident Klaus Oelze zusammengetroffen war, erklärte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass eine verworfene Sanierung und ein damit möglicherweise anstehender Neubau eines Präsidiums außerhalb Aachens nicht zur Sprache gebracht worden sei.

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb und das Innenministerium in Düsseldorf waren am Freitagnachmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Polizei wollte unterdessen vor diesem Wochenende keine weiteren Details zu ihren Bau- und/oder Umzugsplänen nennen.

Nur so viel: Die Planungen für den künftigen Standort des Aachener Polizeipräsidiums seien angelaufen, nachdem die Sanierungspläne definitiv verworfen worden seien. Sie sind teurer, als die Polizei erlaubt.

Ob das Aachener Präsidium abgerissen wird und wieviel Millionen Euro wo in einen Neubau gesteckt werden sollen, dürfte nun erstmal die Politik beschäftigen.
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