Polnisch-deutscher Austausch: Eine Partnerschaft funktioniert

Von: M. S.
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Besuch bei Freunden
Besuch bei Freunden: Wieslaw Dzierzba, Jelenia Góras Direktor für Tourismus und Sport (rechts), führte im Rahmen der jüngsten Euregio- Wirtschaftsschau partnerschaftliche Gespräche, und das nicht nur über Sport, mit Karl-Heinz Plum. Foto: M.S.

Nordeifel. Es gibt nicht wenige internationale Kooperationen zwischen Kommunen und Instituten, die werden mit Enthusiasmus und bestem Willen ins Leben gerufen. Sie beschränken sich aber allzu rasch auf spärliche gegenseitige Pflichtbesuche offizieller Delegationen aus Wirtschaft, Politik, Sport, der Kirchen oder Kultur.

Regelmäßige und wünschenswerte Begegnungen „normaler” Bürger scheitern oft an den riesigen Entfernungen von hüben nach drüben. Ganze Kontinente trennen die einst elanvoll gegründeten Stätten von Jumelage, Twintown und Friendship, machen jedes Wiedersehen für den Einzelnen zum zeit- und kostenaufwendigen und daher eher seltenen Unterfangen.

Ganz anders das folgende Beispiel einer Erfolgsgeschichte gesellschaftlichen Austausches auf vielen Ebenen und Zeichen lebendigen und zwischenmenschlichen Miteinanders.

Seit 20 Jahren pflegt der damalige Kreis Aachen, die heutige Städteregion, eine intensive Partnerschaft zum polnischen Kreis Jelenia Góra (früher Hirschberg, schlesisches Riesengebirge). Und diese gut nachbarlichen, ja inzwischen freundschaftlichen Beziehungen wollen stetig mit pulsierendem Leben erfüllt werden, sollen sie doch über den Tag hinaus und für künftige Generationen Früchte zu beiderseitigem Nutzen tragen.

Laut Thomas König von der Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Tourismus und Europa der Städteregion, gliedern sich die Partnerschaftsaktivitäten zum polnischen Patenbezirk in die Betätigungsfelder Verwaltung, Vereine und Jugendbegegnung sowie Austauschprogramme im Schulbereich.

Seit 17 Jahren bereits bestehen, neben hüben wie drüben gut funktionierendem Miteinander aller gesellschaftlichen Strukturen, auch und gerade rege sportliche Kontakte zwischen Vereinen und Interessengruppen des Aachener Raumes und ihren Kameraden im bald 900 Kilometer entfernten, malerischen Flecken im Reich des Rübezahl.

Das im 13. Jahrhundert beurkundete und nach dem Zweiten Weltkrieg vorbildlich restaurierte Jelenia Góra ist berühmt für seine mittelalterlichen Laubengänge und seit je her ein Zentrum der Textilindustrie.

Zwei Nordeifeler Funktionsträger, die sich vom ersten Tage an mit Bravour und großem Erfolg für inhaltsreiche Treffen und Sportfeste deutsch-polnischer Leichtathleten, vornehmlich im Jugendbereich, einsetzen, sind Karl- Heinz Plum vom Roetgener Turnverein und Anita Sories (TV Höfen, anitasories@gmx.de).

Sie organisieren, in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendausschuss vom 20. bis 25. Oktober einen neuerlichen Jugendvergleichskampf zwischen Jelenia Góra und Teams der Städteregion. Einladungen ergingen an alle Leichtathletik-Vereine des ehemaligen Kreises Aachen. Die Teilnehmerzahl der 13- bis 17- jährigen Equipe ist auf 25 Personen begrenzt. Ihnen und ihren Betreuern wird, neben körperlichen Herausforderungen auf Bahn und Rasen, ein Super-Rahmenprogramm geboten. Etwa die Fahrt zur Schneekoppe oder die Besichtigung der Stadt Breslau.

„2003 erzielten wir einen Rekord und reisten mit 43 Aktiven und Betreuern nach Polen”, erinnert sich Karl-Heinz Plum an einen logistischen Kraftakt. Damals im Kader auch Sorina Nwachuko und Rene Mahlmann, spätere Deutsche Meister im Staffellauf.

Plum wurde inzwischen zum Ehrenmitglied des gastgebenden Vereins „MKL 12” ernannt. „Wenn wir zu unseren Freunden nach Aachen fahren oder sie bei uns zu Gast sind, ist das stets ein Besuch, der aus dem Herzen kommt.” So empfindet Jacek Wlodyga, Landrat des Kreises Jelenia Góra, den Geist des bisherigen Austauschprogramms.

Karl-Heinz Plum ist „geradezu überwältigt von der ständig gezeigten, echten Gastfreundschaft unserer polnischen Mitstreiter in Sachen Verschwisterung”. Das gedeihliche Miteinander mit ihnen beschränkt sich weiß Gott nicht auf Sportveranstaltungen, sondern erstreckt sich auf viele andere Gebiete.

So war der Kreis Jelenia Góra vergangenen März auf der Euregio-Wirtschaftsschau in Aachen präsent, zur Gegenvisite” hatte die Städteregion im Mai ihren niederländischen Partner zur Tourismusmesse „Tour Tec” in Polen mitgebracht.

Ein attraktives Jugendsommerlager des Luftsportvereins Aachen, ein Europafest in Alsdorf (im Rahmen des Dreiländertages in der zweiten Septemberwoche), Austausch und Erarbeitung gemeinsamer Projekte von Lehrern, die Vorbereitung eines Arbeitstermins mit Abgeordneten des Europaparlamentes und eine für kommendes Jahr vorgesehene Bürgerfahrt nach Jelenia Góra runden den aktuellen Vorhabenkatalog ab.

Die Verantwortlichen auf beiden Seiten wissen, formuliert Thomas König, „dass das ehrenamtliche Engagement im Bereich Partnerschaftspflege im heutigen freien Europa einen enormen Stellenwert für unsere Gesellschaft hat. Ohne die Beteiligung der Bürger können weder die vielfältigen partnerschaftlichen Beziehungen noch die Aussöhnung zwischen den Völkern gelingen”.
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