Polizei kämpft mit der „Soko Flex” gegen Einbrecher

Von: Stephan Mohne
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Dieses Fenster ist ruckzuck „geknackt”: Die Hauptkommissare Jürgen Franzen (l.) und Manfred Beier kämpfen mit der „Soko Flex” gegen Einbrüche - und beraten in Sachen Vorbeugung. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Petra Schmitt (Name geändert) ist ein Einbruchsopfer. Wenn auch ein eher untypisches. Als sie vergangenen Freitag in ihr Haus zurückkam, da merkte sie erst nicht, was sich dort kurz zuvor zugetragen hatte.

Erst zwölf Stunden später, als sie ihre weitgehend leergeräumte Schmuckschatulle in Händen hielt, war ihr klar: Einbrecher waren im Haus.

Aber wie waren sie hereingekommen? Die Antwort: Durch eines der kleinsten Fenster im Haus. Verwüstet hatten sie nichts. Im Gegenteil hatten sie erfolgreich versucht, die Spuren so zu verwischen, dass die Tat erst später bemerkt wurde. „Als mir klar war, was los ist, stellte sich ein merkwürdiges Gefühl ein”, sagt Petra Schmitt, bei deren Nachbarn die Täter auch einstiegen.

Wenige Tage später war Petra Schmitt mit ihrem Sohn abends alleine zuhause. „Ich bin kein ängstlicher Mensch, aber da habe ich versucht, so lange wach zu bleiben, bis sofortiges Einschlafen garantiert war”, beschreibt sie ihre Gefühle.

Fallzahlen steigen

So wie Petra Schmitt geht es Jahr für Jahr hunderten Menschen in der Region. Und gerade jetzt, in der „dunklen Jahreszeit”, steigen die Fallzahlen wieder. Seit vier Jahren hält die Polizei mit einem Konzept dagegen - die „Sonderkommission Flex” nimmt immer im Herbst ihre Arbeit auf.

„Wir wollen flexibel auf die Lage reagieren können”, sagt Soko-Leiter Jürgen Franzen. Dem Kriminalhauptkommissar stehen mehrere Kollegen aus verschiedenen Kommissariaten zur Seite. Aktuell sind die Zahlen (noch) nicht höher als in anderen Jahren, eher niedriger. Aber die „Schlagzahl” der Täter zieht wieder an. Auch einen bestimmten Einbruchsschwerpunkt - einen Stadtteil etwa - gibt es in der diesjährigen „Saison” noch nicht. Allerdings zeigt sich ein Trend, dass die nördlichen und südlichen Teile der Städteregion stärker betroffen sind.

Ab und an gelingt der Polizei ein Schlag gegen die Täter - manchmal sind es „reisende” Banden, manchmal aber auch „einheimische” Kriminelle. Anfang 2010 konnten Serientäter festgenommen werden, die vornehmlich in Stolberg ihr Unwesen getrieben hatten. Ansonsten aber hat es die Polizei schwer, den Tätern auf die Spur zu kommen. Die Einbrüche dauern nur wenige Minuten. Dass einmal ein Täter noch vor Ort gestellt werden kann, ist selten. Da hofft die Polizei auf eine ihrer stärksten „Waffen”: aufmerksame Nachbarn.

Gegründet worden ist die „Soko Flex” auch wegen der tiefen Einschnitte dieser Taten in die Psyche der Betroffenen, wie Jürgen Franzen erzählt. Sein Kollege Manfred Beier sagt, dass oft „die Zeit die Wunden heilt”. Aber der Kriminalhauptkommissar aus dem Fachbereich Vorbeugung weiß auch von krassen Fällen zu berichten: „Es hat Leute gegeben, die es in ihrem Haus danach nicht mehr ausgehalten haben und es verkauften.”

Damit es soweit nicht kommt, ist Vorbeugung enorm wichtig. 40 Prozent aller Einbruchsversuche scheitern mittlerweile. Während normale Fenster binnen Sekunden geknackt sind, dauert das bei solchen mit höheren „Widerstandsklassen” (WK) erheblich länger. Da die Täter es eilig haben, brechen sie ihr Vorhaben bei zu viel Widerstand oft ab.

Bei 80 Prozent der Einbrüche werden laut Beier Fenster und Türen aufgehebelt. Bei weiteren 15 Prozent wird ein Loch in die Scheibe gebrochen, um dann den Fenstergriff zu erreichen. Ein hoher WK-Wert bei Fenstern und abschließbare Griffe bieten somit stark erhöhten Schutz. Das alles kostet natürlich Geld. Für Beier ist das ein Grund dafür, dass immer noch 80 Prozent „normale” Fenster eingebaut werden. Eine elektronische Alarmanlage sei das Sahnehäubchen, die mechanischen Sicherungen gingen aber in jedem Falle vor.

„Schon beim Hausbau oder Umbau sollte man sich über die Sicherheit Gedanken machen. Tut man das erst später, wird´s teurer”, so Beier. Petra Schmitt bekundet, dies beim Hausbau auch getan zu haben. Bei ihr haben die Täter den Einstieg dennoch geschafft. Auch das gibt es. Zu sehen waren nur winzige Hebelspuren. Einen wichtigen Tipp, der eigentlich banal klingt, hat Manfred Beier auch noch parat: „Abschließen!” Mancher baue sich etliche Sicherheitsmaßnahmen ein, vergesse aber dann tatsächlich das Wesentliche.
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