Plötzlich steht eine Bake auf der Straße

Von: Peter Stollenwerk
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Nachdem es im kürzlich verkehrsberuhigten Bereich auf der Königsberger Straße in Rott einen Verkehrsunfall gab, wurde die Maßnahme als Baustelle deklariert. Manfred Backhaus zeigte die Stelle, wo er mit seinem Motorrad auf die Warnbake traf. Foto: P. Stollenwerk
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So sah es vorher aus: Fast auf die Fahrbahnmitte und ohne Sperrmarkierung wurden die Warnbaken platziert.

Rott. Eigentlich wollte Manfred Backhaus aus Roetgen am Sonntag, 30. April, nur eine gemütliche Ausfahrt auf seinem Motorrad unternehmen. Doch schon nach fünf Kilometern endete der Ausflug jäh und hart an einer Warnbake auf der Königsberger Straße in Rott.

Die rot-weiß gestreifte Sperrplatte knickte um, der Fahrer kam mit dem Schrecken davon. Auf der vielbefahrenen Straße, die Rott und Relais Königsberg verbindet, hatte die Gemeinde Roetgen zehn Tage zuvor, am 20. April, eine recht energische Form der Verkehrsberuhigung installiert. Drei Warnbaken wurden versetzt auf einer Länge von gut 100 Metern in den Asphalt versenkt. Optisch hat man den Eindruck, dass die sperrigen Schraffenbaken fast auf der Fahrbahnmitte stehen.

Diese Situation wurde auch Manfred Backhaus zum Verhängnis. Er fuhr mit seinem Motorrad, einer 1150er GS, hinter einem Kleintransporter her und, wie er sagt, nicht schneller als die hier vorgeschriebenen 30 Kilometer pro Stunde.

Als das vorausfahrende Fahrzeug, das ihm die Sicht nach vorne einschränkte, nach links ausscherte, um die Warnbake zu umkurven, war es für den Zweiradfahrer schon spät. Er hatte das Hindernis schon unmittelbar vor dem Vorderreifen. „Der Unfall konnte nicht vermieden werden“, sagt er. Nach dem Zusammenprall verständigte Backhaus die Polizei, die anschließend die Gemeindeverwaltung Roetgen informierte.

Die Urteil des Geschädigten über die Ausführung der Verkehrsberuhigungsmaßnahme fällt nach dem Zusammenstoß vernichtend aus: „Das ist ein Schildbürgerstreich und aus meiner Sicht ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.“ Diese Auffassung hat er auch in einem Schreiben an die Gemeindeverwaltung Roetgen und bei einer persönlicher Vorsprache zum Ausdruck gebracht.

Auch Anwohner hätten ihm bestätigt, dass es bereits mehrere Beinahe-Unfälle gegeben habe. Auch kritisiert Backhaus, dass es weder einen Hinweis auf die erfolgte Änderung der Verkehrsführung gebe, noch auf die damit verbundene Fahrbahnverengung hingewiesen werde, noch die Warnbaken durch eine entsprechende Markierung auf der Fahrbahn als Sperrfläche gekennzeichnet worden seien. Er frage sich, wer die Verkehrsberuhigungsmaßnahme in dieser Form zu verantworten habe und ob diese mit den Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung in Einklang zu bringen sei.

Mit seiner kritischen Einschätzung scheint Manfred Backhaus nicht ganz falsch zu liegen. Offensichtlich schätzt auch die Gemeindeverwaltung Roetgen die drei freistehend im Asphalt verankerten Warnbaken als nicht ganz ausgereift ein, denn wenige Tage nach dem Verkehrsunfall stellt sich das Bild auf der Königsberger Straße völlig anders dar.

Der Autofahrer wird jetzt regelrecht von rot-weißen Absperrgittern überfrachtet. Die drei Warnbaken sind rundum mit Baustellen-Absperrgittern umzingelt worden, und mit einem Schild ist der gesamte verkehrsberuhigte Bereich als Baustelle ausgewiesen worden.

Dirk Recker, der Leiter des Roetgener Ordnungsamtes, kann die Kritik am Erscheinungsbild der Maßnahme nachvollziehen. Um jetzt weiteren Haftungsrisiken vorzubeugen, habe man eine Baustellenabsicherung vorgenommen.

Die Verkehrsberuhigung sei nach Vorlage durch die Gemeinde in der ausgeführten Form durch das Straßenverkehrsamt der Städteregion als Anordnungsbehörde genehmigt worden. Die Baken sei bewusst so weit in die Fahrbahn hinein platziert worden, damit Fußgänger und Radfahrer noch rechts an den Hindernissen vorbeifahren könnten.

Bei einem Ortstermin sei die Verkehrskommission aber überein gekommen, die Ausführung zu optimieren. Demnach sollen jetzt nachträglich rund um die einzelnen Baken noch schraffierte Sperrflächen markiert werden. Auch über eine weitere Beschilderung werde nachgedacht.

Die Verkehrsberuhigung in der Königsberger Straße geht zurück auf eine Eingabe von Anwohnern. Umgesetzt wurde die Maßnahme von der Gemeinde als Geschäft der laufenden Verwaltung. Ein politischer Beschluss war nicht erforderlich.

Die Anwohner hatten beklagt, dass nur ein Bruchteil der Autofahrer sich an Tempo 30 halte und sich über die zunehmende Gefährdung beschwert. Die Königsberger Straße verläuft in diesem Bereich ziemlich gerade. Belegt wurde diese Einschätzung durch Geschwindigkeitsmessungen der Gemeinde.

„Bis auf wenige Ausnahmen“, sagt Dirk Recker, sei die Resonanz bei den Anwohnern auf die Verkehrsberuhigungsmaßnahme positiv. Diesen Eindruck nimmt er auch aus der Sitzung des Gemeinderates in dieser Woche mit, wo die Thematik in Form einer Anfrage ebenfalls zur Sprache kam.

Dass ihm wegen der Beschädigung der Warnbake jetzt zu allem Ärger auch noch eine Rechnung von der Gemeinde Roetgen ins Haus flattert, muss Manfred Backhaus nicht befürchten, beruhigt das Ordnungsamt.

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