Pläne für neuen Bushof schon vor dem Aus

Von: Andreas Gabbert
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Für den geplanten ÖPNV-Verknüpfungspunkt gegenüber dem bestehenden Gewerbegebiet an der B258 hat ein Planungsbüro verschiedene Varianten erarbeitet: Das Problem ist, die Sache hat immer einen Haken.
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Aus der Vogelperspektive: An der B258 am Ortsausgang in Richtung Aachen (im Bild mit 1 markiert) will die Gemeinde Roetgen einen ÖPNV-Verknüpfungspunkt errichten und ein Gewerbegebiet ausweisen.

Roetgen. Frustration und Unzufriedenheit herrschten am Dienstagabend unter den Mitgliedern des Bauausschusses der Gemeinde Roetgen. Um die Verkehrssituation im Ort zu verbessern, sollte in der Sitzung ein neuer Bushof an der Bundesstraße 258 auf den Weg gebracht werden.

Deutlich wurde aber, dass die verschiedenen Wege dorthin von der Städteregion, vom Landesbetrieb Straßenbau und vom Aachener Verkehrsverbund (AVV) blockiert werden. Anfang Mai hatte der Bauausschuss ein Planungsbüro beauftragt, eine Machbarkeitsstudie zur Errichtung eines ÖPNV-Verknüpfungspunktes zu erstellen.

Da die einzige Möglichkeit für einen Verknüpfungspunkt am Ortsausgang in Richtung Aachen, dort, wo die Gemeinde auch ein neues Gewerbegebiet ausweisen will, gesehen wird, hatte das Planungsbüro verschiedene Varianten für die Errichtung einer Kombination aus Bushof und Gewerbegebiet erarbeitet. Diese wurden jetzt in der Sitzung des Bauausschusses vorgestellt.

Die erste Variante sieht eine Anbindung des Bushofes und des Gewerbegebietes über einen Kreisverkehr vor. Der Landesbetrieb hatte sich im Vorfeld aber schon gegen diese Variante ausgesprochen, da der Verkehr auf der B258 für ihn oberste Priorität hat. Der Landesbetrieb hatte aber signalisiert, eine Ampellösung mitzutragen, da diese Variante leistungsfähiger sei.

„Quadratur des Kreises“

Gegen eine Ampellösung sträubt sich aber die Städteregion. Wie auch schon mit Blick auf den Kreuzungsbereich B258/Rosentalstraße/Mühlenstraße ist die Städteregion nicht bereit, ihre Genehmigung für eine Ampel auf der B258 zu erteilen.

Gegen eine Anbindung ohne Kreisverkehr und ohne Ampel haben Städteregion und Landesbetrieb keine Einwände. „Für den Busverkehr wäre diese Variante aber tödlich“, erklärte Verkehrsplaner Jean-Marc Stuhm den Ausschussmitgliedern. Das hinge damit zusammen, dass aus Gründen der Verkehrssicherheit keine separaten Spuren für Links- und Rechtsabbieger und für Geradeausfahrer möglich seien und deshalb mit langen Wartezeiten und Rückstaus zu rechnen sei.

Bei zwei Varianten, einmal mit Ampel und einmal mit Kreisverkehr, würde der fließende Verkehr um den Bushof herumgeleitet.

Ein weiteres Problem ist, dass der AVV möchte, dass die Schnellbuslinien aus Zeitgründen auf der B258 verbleiben und die Haltestellen auf der Bundesstraße eingerichtet werden. Der Bushof würde dann nur dem innerörtlichen Busverkehr dienen. Das Planungsbüro hatte daher noch weitere Varianten ausgearbeitet, bei denen Haltestellen für die Schnellbusse auf der B258 eingerichtet würden.

Auch in diesem Fall wäre eine Ampel nötig. Außerdem sei die Gefahr für Fußgänger, die die Fahrbahn queren müssten, zu hoch, erklärte Stuhm. Des Weiteren sei zu überlegen, wie ein Bushof beziehungsweise eine große Haltestellenanlage am Ortseingang zum „Tor zur Eifel“ passe. Eine letzte Variante würde die Fußgänger von der B258 fernhalten, dafür müssten die Schnellbusse in Richtung Eifel aber wieder auf den Bushof abbiegen. „Bei diesem Projekt geht es also um die Quadratur des Kreises“, sagte Stuhm.

Nicht mehr viel Zeit

Ein anderes Problem ist der Zeitfaktor. Die Zuwendungen des Landes für Investitionen in die Infrastruktur des ÖPNV sind nur bis Ende des Jahres 2017 gesichert. „Bis dahin muss geplant, gebaut und abgerechnet sein“, sagte Bauamtsleiter Dirk Meyer.

Klaus Onasch (SPD) erkannte die Absicht des AVV, den Busverkehr zu beschleunigen. Dies sei zwar positiv für die Fahrgäste aus Monschau und Simmerath, nicht aber für die aus Roetgen. Momentan sei es möglich, vom Roetgener Markt aus ohne umzusteigen nach Aachen zu gelangen.

In Zukunft wäre das dann so nicht mehr möglich. „Von Beschleunigung kann für uns also keine Rede sein“, sagte Onasch. Eine mehrspurige Ortseinfahrt mit Haltestellen konnte er sich als Markenzeichen der Gemeinde nicht vorstellen. Er sprach von einer „unfassbaren Prinzipienreiterei der Städteregion“ und von einer Diskussion über die Ampel auf unterstem Niveau.

Helmut Helzle (CDU) erinnerte an den Vorschlag seiner Fraktion, innerhalb von Roetgen einen Sammelbus einzusetzen. Dann könne ein neuer Bushof auch Vorteile für Roetgen bieten.

Michael Buschmann (Grüne) sah hohe Investitionen für die Gemeinde, aber keine Entscheidungsfreiheit und keinen Vorteil für Roetgen. Er forderte stichhaltige und sachliche Argumente der Städteregion gegen eine Ampellösung und betonte, es gehe schließlich um die Sicherheit der Kinder.

Michael Seidel (CDU) hatte ein Déjà-vu und verwies auf die Diskussion mit der Städteregion beim Kreuzungspunkt B258/Rosentalstraße. Seine Frage, warum in Imgenbroich ein Bushof mit Anbindung über einen Kreisverkehr möglich sei, in Roetgen aber nicht, beantwortete Stuhm mit einer geringen Verkehrsbelastung in Imgenbroich und Roetgens Nähe zu Aachen.

Seidel verwies außerdem auf andere Bundesstraßen mit Kreisverkehren. Stuhm erklärte, dabei handele es sich aber um sogenannte Turbokreisel oder Lösungen mit Bypässen, die in dieser Größenordnung in Roetgen nicht möglich seien.

Bernhard Müller (Grüne) vermisste eine Verbesserung für alle Roetgener Ortsteile und forderte eine deutliche Verbesserung der Anbindung auch für Rott und Mulartshütte

Die Ist-Situation verbessern

„Es ist frustrierend, was hier gerade passiert. Wir befinden uns in einer Auslieferungssituation. Wir wollen eine echte Alternative und nicht etwas Aufoktroyiertes“, sagte Silvia Bourceau (UWG). Mit Blick auf einen neuen Bushof erkannte auch sie Nachteile für die Fahrgäste, die am Markt zusteigen wollen. Dabei dürfe aber nicht vergessen werden, dass viele Eltern ihre Kinder extra dorthin bringen würden.

Auch sie sah die anderen Ortsteile vernachlässigt und vermisste ein Konzept. Auf eine Verlängerung der Busspur am derzeitigen Verknüpfungspunkt an der Post, habe man nur aufgrund der Planung eines neuen ÖPNV-Verknüpfungspunktes verzichtet.

Diese Verlängerung solle jetzt wieder aufgegriffen werden, um die Situation dort zu verbessern, forderte Bourceau. „Vielleicht sollte das Geld lieber in eine Verbesserung der Ist-Situation investiert werden“, sagte Bourceau und fand dabei die Unterstützung von Klaus Onasch.

Bernd Vogel (CDU) war der Meinung, dass auf der B258 ohnehin zu schnell gefahren würde, und konnte sich vorstellen, dass eine Ampel oder ein Kreisverkehr auch „etwas Schwung rausnehmen könnte“.

Rainer Welzel (UWG) forderte ein Erscheinen der Vertreter der Städteregion, des AVV und des Landesbetriebs in einer Sitzung des Gemeinderates, um dort zu ihren Positionen Stellung zu beziehen. „Es kann nicht sein, dass wir eine hohe Umlage an die Städteregion zahlen, damit sie hier alles blockiert“, sagte Welzel. Er gab sich kämpferisch und schlug vor, öffentlich zu protestieren und „auf die Straße zu gehen“.

Gespräch im Oktober

Helmut Mulorz (SPD) zog für sich das Fazit, dass das ursprünglich geplante Gewerbegebiet nach wie vor sinnvoll sei, allerdings mit einer Anbindung ohne Kreisverkehr oder Ampel. „Alles andere ist gestorben“, sagte Mulorz.

Entweder strebe man nun eine kleine Lösung à la Bourceau an, oder man finde eine Lösung, die die Zustimmung aller Beteiligten findet, fasste Bernhard Müller (Grüne) zusammen.

„Wir hatten jetzt insgesamt 24 Wortmeldungen und sind so klug wie vorher“, erklärte Frank Knur als Vorsitzender des Ausschusses abschließend, bevor Bürgermeister Manfred Eis noch mal das Wort ergriff. „Wir haben drei Probleme“, sagte Eis.

Erstens sei die Gemeinde nicht Eigentümerin der Bundesstraße. In diesem Fall habe der Landesbetrieb das Sagen und der wolle keinen Kreisverkehr. Zweitens sei die Städteregion die Anordnungsbehörde für die Gemeinde und die wolle keine Ampel. Drittens gebe es noch den AVV mit seinen eigenen Prioritäten.

Eis schlug vor, einen weiteren Gesprächstermin mit den beteiligten Genehmigungsbehörden Ende Oktober abzuwarten und zu sehen, ob es nicht vielleicht doch noch eine Lösung gibt. „Ich glaube aber nicht daran“, sagte Eis.

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