Piraten sehen auch in der Nordeifel politisches Land

Von: P. St.
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Sieht auch in der Nordeifel Wählerpotential: Renate Reinartz aus Monschau möchte in der Nordeifel die Interessen der Piratenpartei bündeln. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Noch gelten sie vielfach als die bestaunten Exoten, aber die etablierten Parteien sehen längst ernsthafte Konkurrenz in der politischen Landschaft heranwachsen.

Die Rede ist von der Piratenpartei, die 2006 in Deutschland auf die Bildfläche trat, 2009 den NRW-Landesverband gründete und inzwischen Mandate in den Landesparlamenten in Berlin und dem Saarland besitzt.

Der Allgemeinheit wurde die Piratenparteien vor allem wegen ihres Eintretens zur Reform des Urheberrechts bekannt, aber auch die Stärkung von Bürgerrechten sowie mehr Selbstbestimmung bei Datenschutz und Privatsphäre findet man als Forderungen im Parteiprogramm.

Dass die Bürgerrechte „immer mehr aufgeweicht” wurden, findet auch Renate Reinartz aus Monschau, die bei der Piratenpartei eine politische Heimat gefunden hat, und nun in der Nordeifel die Interessen bündeln und als Ansprechpartnerin zur Verfügung stehen möchte.

Ob für die Piraten in der Region politisches Land in Sicht ist, wird sich bereits am heutigen Donnerstagabend zeigen, wenn sie um 19.30 Uhr politisch Interessierte zum 1. Piratenstammtisch in Monschaus Altstadt in die Gaststätte zum Haller zum Gedankenaustausch („Klar machen zum Ändern”) einladen. Das am vergangenen Wochenende verabschiedete Wahlprogramm wird an diesem Abend vorliegen.

Sympathiebekundungen hat Renate Reinartz, die seit anderthalb Jahren in der Kirchstraße wohnt und längst eine überzeugte Altstädterin geworden ist, schon reichlich erhalten, so zum Beispiel beim ersten Infostand der Piraten, den man nicht an den Geschäftszentren in Imgenbroich sondern mitten in der Altstadt an Richters Eck aufgebaut hatte. „Ich habe kein Vorstellung, wie stark der Zulauf sein wird, aber ich spüre eine große Zustimmung.”

Renate Reinartz stammt aus dem Erftkreis, doch in der Altstadt Monschau liegt für sie der Wohlfühlfaktor eindeutig höher. In der Tura Monschau und bei der Altstadt-Feuerwehr ist sie bereits integriert.

Und was noch ganz stark für die Altstadt sprach: Die DSL-Verbindung am neuen Wohnort ist ausgezeichnet. Als selbstständige Unternehmerin vertreibt Renate Reinartz Software im Internet, und da ist ein schnelles Netz unverzichtbar.

Was die Piraten noch nicht bieten können, sind klare Parteistrukturen, aber es gibt ein Vielzahl von kleinen Organisationseinheiten (so genannten Crews), in denen jeweils eine Handvoll Leute konkrete Themen bearbeitet.

Für den Wahlkreis IV (Stolberg/Eschweiler/Nordeifel) wird Philipp Emmert aus Roetgen als Direktkandidat der Piraten bei der NRW-Landtagswahl am 13. Mai ins Rennen gehen.

Ein Ergebnis von 10 bis 12 Prozent ist für Renate Reinartz nicht unrealistisch: „Der Zuspruch ist momentan irre”, daran ändere auch nichts, wenn politische Aussagen der Piraten „oft verfälscht” wiedergegeben würden.

Renate Reinartz gehört der Arbeitsgruppe Wahlen für Monschau, Simmerath, Roetgen an, und hat allein in der Altstadt problemlos 28 Unterstützer-Unterschriften für ihren Landtagskandidaten gesammelt (insgesamt sind 100 Unterschriften im gesamten Wahlkreis erforderlich).

Themen wie die Einführung eines kostenlosen Nahverkehrs, das eingliedrige Schulsystem und eine bessere Integration in den Schulen sind für Renate Reinartz Eckpunkte im Wahlprogramm der Piraten. Sie selbst sieht sich als „Notwehr-Politikerin, wie vor 30 Jahren die Grünen.” Dabei sei es das eigentliche Ziel der Piraten, „dass wir uns selbst wieder abschaffen, wenn unsere Ziele erreicht sind.”

Derzeit aber fühlten sich offenbar immer weniger Menschen von der Politik vertreten. Wenn diese dann aus Protest die Piraten wählten, sei das in Ordnung. „Uns kann man mit gutem Gewissen wählen und nicht mit einem schlechten Gewissen, wie es viele Protestwähler bei den Linken getan haben.”

Der demokratische Prozess lebt nach Meinung von Renate Reinartz „vom Mitmachen”, und da ist für sie der Weg der Piraten in die Kommunalpolitik naheliegend. „Nicht ausschließen” möchte sie, auch bei der Kommunalwahl 2014 in Monschau anzutreten.

An Ideen für eine attraktivere Altstadt mangelt es ihr nicht. Wie ein solches Engagement aussehen, dokumentiert Renate Reinartz stets aktuell auf ihrer bunt gemischten Monschau-Seite (http://www.mon-schau.de) im Internet.

In der Außendarstellung Monschaus sieht sie noch viel Potenzial, und bestimmt keine gute Werbung sei es, wenn bei Altstadtführungen auf den hohen Leerstand von Wohnungen hingewiesen werde.
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