Pianist Paolo Francese serviert abgründig-schwere Kost im Aukloster

Von: Josef Schreier
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Paolo Francese am Flügel im Monschauer Aukloster. Foto: J. Schreier

Monschau. Es war eine schwere musikalische Kost, die am späten Sonntagnachmittag im Aukloster in Monschau geboten wurde. Das Programm des italienischen Pianisten Paolo Francese war im Gesamtprospekt der Reihe „Montjoie Musicale“ noch unter dem Titel „Musikalische Abgründe“ angekündigt worden.

Am Abend selber wollte man, zumindest auf dem Programmzettel, eine solch bedrohliche Perspektive offenbar nicht wiederholen. Immerhin: Die extremen musikalischen (vielleicht auch persönlichen?) Gefühlslagen der Komponisten des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts kamen doch überaus deutlich zum Ausdruck.

Vor allem im ersten Teil des Abends hatten viele Konzertbesucher nach eigenem Bekunden mit dem Gebotenen sehr zu kämpfen. Dies hing auch damit zusammen, dass Paolo Francese Werke ausgesucht hatte, die im Allgemeinen nicht so sehr im Fokus üblicher Konzertprogramme stehen. Dazu zählen die späten Klavierstücke von Johannes Brahms.

Francese führte die Brahms‘schen Fantasien op. 116 mit der nur zehn Jahre später entstandenen Fantasie von Alexander Skrjabin zusammen. Das führte zu sehr interessanten, neuen Perspektiven, brachte aber auch mit sich, dass von dem besonderen Brahms-Klang, den sich Moderator Florian Koltun erhoffte, eigentlich wenig übrig blieb. Dies fiel besonders bei der 5. Fantasie auf, die der Komponist schon im Titel „mit innigem Gefühl“ wünschte, hier aber eher mit einer gewissen Ruppigkeit zu hören war. Freilich mag ein solches Hören des späten Brahms sehr hilfreich sein, da so die musikalische und persönliche Situation der Zeit klarer zum Ausdruck kommt.

Dem entsprachen dann auch die anschließenden Werke des Russen Skrjabin. Neben der Fantasie war das die wiederum zehn Jahre später entstandene 5. Sonate, die trotz ihrer ebenso anspruchsvollen und extremen Faktur in der Wiedergabe verständlicher und spannender erschien als das frühere Werk. Überhaupt schien es, dass auch der Pianist nach der Pause mit den äußeren Gegebenheiten besser zurecht kam. Das galt auch für das Instrument des Auklosters, bei dem man spürte, dass es an seine Grenzen kam.

Busoni wie eine Entdeckung

Die Chopin-Variationen von Ferruccio Busoni, ein Werk, das wohl nicht zum üblichen Repertoire der Pianisten gehört, hörte sich an diesem Abend beinahe wie eine Entdeckung an. Hier hatte Busoni – ein Italiener in Berlin – das bekannte Trauermarsch-Prélude von Chopin, op. 28, Nr. 20, in eine Folge höchst unterschiedlicher Variationen verwandelt, denen das Publikum gern folgte.

Nach den tiefgehenden musikalischen Erfahrungen des Nachmittags erschien dann das Schlusswerk, die zweite „Legende“ von Franz Liszt, beinahe wie ein leicht verdaulicher Nachtisch. Die beiden Legenden Liszts beziehen sich auf zwei Namenspatrone des Komponisten. Die Zweite beschreibt eine Geschichte, die mit dem Hl. Franz von Paola verbunden wird, nämlich dass dieser, über das Wasser wandelnd, die Meerenge von Messina überquert habe. Verbunden mit einer choralartigen Melodie beschreibt Liszts Charakterstück das Rauschen des Meeres sehr lautmalerisch und für den Zuhörer anziehend. Paolo Francese brachte das eindrucksvoll zum Klingen und dankte dem kräftigen Beifall mit einer Zugabe.

Florian Koltun gab zum Schluss noch einen Hinweis auf das nächste Konzert am 16. Juli, mit dem die aktuelle Saison endet.

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