Pferde scheu gemacht: Hohe Strafe für Mützenicher Ehepaar

Von: ale
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Mützenich/Aachen. „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.” Dieser oft zitierte Schiller-Spruch mag wohl auf einen jahrelangen Streit unter Nachbarn aus Mützenich zutreffen, der Anfang der Woche sein vorläufiges Ende vor dem Landgericht in Aachen fand.

Seit dem Sommer 2009, als ein Mützenicher Ehepaar wegen fahrlässiger Körperverletzung angezeigt wurde, hatte sich das Verfahren bis jetzt hingezogen.

Konkret ging es darum, dass die beiden Beklagten, das Rentnerehepaar T. aus Mützenich, mit Absicht Lärm verursachten, um vorübergehende Pferde scheu zu machen, und damit die Reiter gefährdeten. In mehr als acht Fällen belegten die Klägerinnen, Frau B. und Frau S. aus Mützenich, dass ihnen der Nachbar förmlich auflauerte, wenn sie mit ihren Pferden über die Straße gingen, um dann eine Metalltür mit lautem Knall zuzuschlagen.

Jedes Mal erschraken die Pferde heftig, und oft erschien der Beschuldigte dann noch auf der Straße, um den Reitern nachzuschauen. Man empfand die Torturen mehr und mehr als Schikane und Gefährdung, und die belästigten Frauen entschlossen sich zur Klage.

Am 21. September 2010 kam es zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Monschau; etliche Zeugen aus dem Familienkreis, betroffene Reiterinnen und ein Pferdefachmann wurden befragt. Schließlich wurde noch am Tag der Gerichtsverhandlung ein Ortstermin am Haus der Beklagten in Mützenich anberaumt, wo der Vertreter der Staatsanwaltschaft die Tür „testete” und zu dem Ergebnis kam, dass diese beim Zuschlagen durchaus ein so lautes Geräusch verursachen könne, dass Pferde erschrecken und dann unvorhersehbar reagieren könnten.

Das Gerichtsurteil lautete: Eine Gesamtfreiheitsstrafe von neun Monaten für den Angeklagten, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde sowie Zahlung von 130 Tagessätzen zu je 15 Euro für die Ehefrau. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgelegt. Ferner hat der Verurteilte 200 Stunden unentgeltliche Arbeit nach Weisung der Gerichtshilfe zu erbringen.

Das war den Verurteilten zu viel - und der Staatsanwaltschaft zu wenig! Beide Seiten gingen in Berufung; es vergingen 15 Monate, bis nun vor dem Landgericht Aachen die Berufungsverhandlung stattfand. Hierfür waren zwei Tage angesetzt worden, man wollte sämtliche Zeugen wieder vernehmen. Die Zuschauerreihen waren fast komplett besetzt, das Verfahren interessierte offensichtlich zahlreiche Eifeler, die angereist waren.

Zu Beginn zeigte sich der vorsitzende Richter Norbert Gatzke „gesprächsbereit”. So kam es, dass er sich mit den Vertretern beider Parteien zur Beratung zurückzog und der Gerichtssaal wieder geräumt wurde.

Und anschließend ging alles zum Erstaunen der Zuhörer ziemlich rasch: Das Urteil des Amtsgerichts Monschau wurde bestätigt, da sich beide Seiten darauf geeinigt hatten, ihre Berufung zurückzunehmen.

Nachdem Richter Gatzke mit dem Diktat des Protokolls geendet hatte, richtete er noch ernste Worte an das verurteilte Ehepaar: „Sie sind rechtskräftig verurteilt worden. Sollte nun noch etwas nachkommen, müssen Sie damit rechnen, dass Sie in Haft kommen. So etwas wie hier möchten wir nicht noch mal sehen!” Als letzte Warnung fügte er hinzu: „Schön ist es nicht in Haft!”
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