Pfarrer Karl Schnitzler wird 70 und feiert Abschied

Von: dm
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Am Freitag wird Karl Schnitzler 70 Jahre alt. Der Pfarrer wird nun in den Ruhestand treten. Am Sonntag wird er feierlich verabschiedet. Foto: dm

Kalterherberg. Die blühenden Dahlien in seinem Garten Auf der Höhe 30 sind für ihn ein Stück „alte Heimat”, denn die Wurzelknollen stammen ursprünglich noch aus dem Garten, den seine Mutter gepflegt hat: Karl Schnitzler wird am Freitag 70 Jahre alt - geboren wurde er am 11. September 1939 in Winden, heute ein Ortsteil der Gemeinde Kreuzau.

Am Sonntag „feiert” er seinen Abschied als Pfarrer von Höfen, Rohren und Kalterherberg.

Radikaler Schritt

Der Abschied aus der Verantwortung als Pfarrer und Seelsorger wird „ein radikaler Schritt”, dessen ist Karl Schnitzler sich bewusst, denn er war und ist mit Leib und Seele Priester und Seelsorger.

Im Ruhestand werde er sich zunächst „viel Zeit nehmen, um loszulassen, um sich von der Verantwortung zu trennen”, sagt Karl Schnitzler, der sich fortan mehr als bisher um die Blumen in seinem Garten kümmern will.

Zum Abschied vom Pfarrverbund hat er einen Wunsch geäußert: ein Gewächshaus, um darin auch Blumen für den Garten zu ziehen. Doch ist Karl Schnitzler weiterhin „gerne bereit, liturgische und seelsorgerische Dienste” zu übernehmen - dies aber „im Auftrag und in Absprache” mit Karl-Heinz Stoffels, dem Pfarrer von Monschau, Mützenich, Imgenbroich und Konzen, der künftig auch Pfarrer von Höfen, Rohren und Kalterherberg ist.

Seit 1992 in Kalterherberg

Von allen organisatorischen und strukturellen Aufgaben und Fragen aber wird er sich fernhalten. Karl Schnitzler erinnert daran: Im Juni 2007 haben die sieben Pfarrgemeinden des ehemaligen Dekanates Monschau sich vertraglich zur Koordination und Kooperation der Seelsorge verpflichtet, jetzt stehe es an, „für diesen Lebensraum ein Pastoralkonzept zu erarbeiten”.

Die Verabschiedung ist Grund genug, Rückschau zu halten und Bilanz zu ziehen, ein Thema dabei, die Umgestaltung der Kirche im Inneren und die zum Teil heftige Kritik daran. Als Nachfolger von Anton de Goede, der im Januar 1992 verstorben war, wird Karl Schnitzler am 15. November 1992 als Pfarrer in Kalterherberg eingeführt.

Zuvor war er von 1986 an Krankenhauspfarrer in Krefeld, davor war er von 1975 an Militärpfarrer in Wilhelmshaven. An den Anfang seiner Tätigkeit in Kalterherberg erinnerte er sich gerne: An den herzlichen Empfang, an die Neugier der Menschen - was ist das für ein Mensch.

Liturgisch kam bald nach seiner Einführung die Advents- und Weihnachtszeit. Der Pfarrgemeinderat habe großen Wert auf eine kind- und familiengerechte Gestaltung der Gottesdienste wie der Christmette gelegt, die Vorbereitung, auch mit dem Kinderchor, war in vollem Gang. „Ich brauchte gleichsam nur einzusteigen und habe das auch mit vollem Herzen getan.”

Karl Schnitzler: „Die Gremien von Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand waren überaus hilfreich und aktiv bei meinem Ankommen in der Gemeinde.” Die ersten Monate waren: Kennenlernen von Gottesdiensten an Sonn- und Feiertagen, an Werktagen, Taufe, Begleitung der Kranken und Sterbenden, Exequien und Begleitung von Trauernden. „Gerade die sehr ausgeprägte Bestattungskultur mit Totengebet, Exequien, Sarg in der Kirche, Prozession zum Grab war für mich neu und sehr eindrucksvoll. Gerne habe ich diese Bestattungskultur durch Worte des Gedenkens für die Verstorbenen vertieft.”

Es gab einen Einschnitt in diese Intensität der Seelsorge am Ort durch das Ausscheiden von Pfarrer Walter Haas im Herbst 1995 als Pfarrer für Höfen und Rohren.” Am 22. Oktober 1995 wurde Karl Schnitzler zusätzlich als Pfarrer für diese beiden Gemeinden eingeführt, der Neupriester Axel Lautenschläger wurde Kaplan.

Neben der Organisation der liturgischen, katechetischen und diakonischen Aufgaben kam für Pfarrer Schnitzler plötzlich hinzu: „Wo bin ich jetzt zuhause?” Im Nachhinein war dieses Ereignis ein wichtiger Einschnitt im Beziehungsverhältnis Pastor und Gemeinde, denn er fragte sich: „Wo, wie und mit wem feiere ich das Weihnachtsfest? Kann ich dreimal Erstkommunion feiern?”

Viele Veränderungen

Die Art und Weise der einen Verbindung und Identifizierung mit einer Gemeinde verändert sich. Und die seelsorgerische Arbeit für drei Ortsgemeinden brachte ein größeres Maß an notwendiger Zusammenarbeit und Abstimmung etwa von Gottesdienstzeiten mit sich. Auch die katechetische Arbeit für Buße, Erstkommunion und Firmung brauchte ein höheres Maß an Vorbereitung und Werbung um Mitarbeit der Eltern.

Was hat sich in den 17 Jahren der Arbeit und Verantwortung von Pfarrer Karl Schnitzler verändert: „Das gottesdienstliche Verhalten in Bezug auf den Sonntag ist anders geworden. Die regelmäßigen Besucher am Sonntag sterben mehr und mehr aus. Die neue mittlere und auch ältere Generation wählt aus. Die Möglichkeiten, den Sonntag zu gestalten, sind in Bezug auf Familie, Freizeit, Mobilität, Erlebnis und individuellen Möglichkeiten so gewachsen, dass der Besuch des Gottesdienstes aus traditionellen Gründen in dieser Gruppe nicht mehr stattfindet. Die Lebensentwürfe der heutigen Menschen sind bunter und vielfältiger, als dass das Religiöse im Mittelpunkt stünde.”

Und auch die religiösen Trends sind dynamischer geworden, Pastor Schnitzler nennt einige Stichworte dazu: Taizé, Wallfahrten, Liedgut, Medjugorje-Gruppe. „Das ist eine Tatsache der pluralen Gesellschaft mit ausgeprägt individuellen Ansprüchen. Da kann man meinen: Gott ist vergessen, ist unwichtig. Aber ich bin dann sehr verwundert und freue mich: Denn an den wichtigen Punkten der Lebenswenden wird der Glaube an Gott und der Bezug zur Gemeinde wieder lebendig: Geburt, Erstkommunion als Höhepunkt der Kindheit, Entscheidung für den Glauben an Gott bei der Firmung; auch die Erfahrung von Krankheit und Tod sind sehr oft Ereignisse der Hinwendung zu Gott.”

Das Wallfahrtswesen sei lebendig geblieben, besondere Feste im Kirchenjahr sind nicht ausgestorben. Die engagierte und karitative Tätigkeit bei Jugendlichen und Erwachsenen könne er mit Namen nennen: Besuch der Kranken, Einsatz für den Jugendraum; Einsatz von sehr vielen Erwachsenen aus tiefer Verantwortung im Vereinsleben der Gemeinde.

Symbolträchtiger Vorgang

Was war für Pfarrer Karl Schnitzler in den 17 Jahren das wichtigste und schönste Ereignis? Und woran denkt er nicht gerne zurück? „Die wichtigsten und schönsten Ereignisse waren die gottesdienstlichen Erlebnisse von Osternacht und Weihnachten. Darauf habe ich mich immer sehr gefreut.” Wichtig war für Pfarrer Schnitzler auch „die gelungene Sanierung des Mauerwerks der Türme”.

Die Unterbringung des Kindergartens im Pfarrhaus ist für ihn ein „sehr symbolträchtiger Vorgang in der Verantwortung um die Zukunft der Kinder an einer Zentralstelle des Wohnortes Kalterherberg”. Für ihn wichtig war vor allem auch die „liturgische Umgestaltung unserer Pfarrkirche mit dem Ziel, einen festen Altar und einen Ambo zu haben, die die Mitte der gottesdienstlichen Versammlung dokumentieren”.

An die „Tatsache, dass zwei Mitglieder des Kirchenvorstandes und ein Mitglied des Pfarrgemeinderates ihre ehrenamtliche Tätigkeit aus gewichtigen Gründen aufgegeben haben”, daran blickt Pfarrer Schnitzler nicht gerne zurück. „Ich glaube schon, dass ich hierbei meiner Leitungsfunktion als Pfarrer nur ungenügend gerecht geworden bin.”

Dennoch: Pfarrer Schnitzler ist davon überzeugt, dass die Umgestaltung der Pfarrkirche in Kalterherberg „mit großer Sorgfalt und Umsicht unter kompetenten ehrenamtlichen und professionellen Mitarbeitern/innen getragen wurde”.

Umgestaltung kritisiert

Die Fachleute, die ausdrücklich durch den Bischof ernannt wurden, haben die Umgestaltung „als gut bezeichnet”. Und: Die Umgestaltung trage theologisch die Handschrift des 2. vatikanischen Konzils und sei „wirklich geeignet für die Feier der heiligen Eucharistie”. Die Umgestaltung im Innern der Kirche stößt aber auch auf heftige Kritik und massive Ablehnung.

Dazu Pfarrer Schnitzler: „Mit Respekt stehe ich vor der Überzeugung derer, die diese Gestaltung ablehnen. Erschrocken bin ich über die emotionalen Verletzungen tief sitzender religiöser Vorstellungen und frage mich mehr und mehr: Hat denn bei vielen Erwachsenen keine Wandlung des kindlichen Gottesbildes stattgefunden? Muss und kann denn ein in der Kindheit geprägtes Gottes- und Kirchenbild der Maßstab für alle Zukunft sein, auch für eine neue Generation? Eine neue und tiefe Reflexion des Gottes- und Kirchenbildes steht an.”

Dienste übernehmen

Der Aachener Bischof hat den Pfarrer i.R. zum Subsidiar für die Gemeinschaft der Gemeinden Monschau mit Schwerpunkt Höfen, Rohren und Kalterherberg ernannt: „Gerne bin ich bereit, liturgische und seelsorgerische Dienste im Auftrag und in Absprache mit Pfarrer Karl-Heinz Stoffels zu übernehmen.”
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