Pavels Vermächtnis: Mehr Platz für den ALRV

Von: Manfred Kutsch
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ALRV-Chef Klaus Pavel verabsch
ALRV-Chef Klaus Pavel verabschiedete sich aus seinem Amt und ist nun Ehrenpräsident. Foto: Roeger

Aachen. Standing ovations für den nach 17 Jahren scheidenden Präsidenten Klaus Pavel, dessen Augen erkennbar wässrig wurden: Die Jahreshauptversammlung des Aachen-Laurensberger-Rennvereins (ALRV) feierte dabei gleichzeitig ihren neuen Ehrenpräsidenten. Und der verabschiedete sich aus seinem Amt mit klar formulierten Erwartungen an die Stadt Aachen.

Den anwesenden Oberbürgermeister Marcel Philipp sprach Pavel in der ihm eigenen Direktheit an: „Hier können Sie zeigen, dass Sie noch mehr drauf haben als ihr Vorgänger: Die flächenmäßige Erweiterung unseres Geländes ist mein Anliegen.” Dies bezeichnete Pavel als, so wörtlich, „ein absolutes Muss”, wenn der CHIO auch in Zukunft noch bestehen wolle. Und weiter: „Dem größten Freilandturnier der Welt steht mit Abstand die kleinste Fläche zur Verfügung. Ein Zustand, der uns große Sorge bereitet, da er mittelfristig an unserer Existenz nagt.”

Der Seitenhieb auf Philipps Vorgänger Jürgen Linden kommt nicht überraschend - hatte der Ex-OB doch den Neubau des Tivoli am Standort Krefelder Straße vorangetrieben, was der ALRV-Präsident nur zähneknirschend verfolgte.

Doch auch Pavels Nachfolger Carl Meulenbergh legte in Sachen CHIO-Expansion nach. Er nannte die Geländesituation „verbesserungswürdig” und machte klar: „Es ist daher nach wie vor unser Bestreben, eine Erweiterung bzw. Abrundung des Geländes zu erreichen.” Welche Areale der Präsident genau im Auge hat, mag er - noch - nicht konkret benennen. Nur so viel sagt er: „Wenn im Umfeld Vereine oder Institutionen ihr Gelände nicht mehr benötigen, dann hätten wir daran großes Interesse.” Damit dürfte er unter anderem die ungesicherte Zukunft der Eissporthalle und des Polizeipräsidiums gemeint haben. Sicher käme dem ALRV auch der Sportplatz am Soerser Weg gelegen.

Ungeachtet dessen verabschiedete Meulenbergh seinen Vorgänger mit wohlgesetzten Worten: „Seine Phantasie und Fähigkeit, groß zu denken, haben dem ALRV in der Vergangenheit sehr gut getan. Seine Leidenschaft begeistert und bewegt”, so der neue Präsident, der sein Amt bereits am Montag nach dem vergangenen Turniers angetreten hatte.

Sein eigenes Ziel sei es, „den heutigen hohen Standard des Vereins und seiner Veranstaltungen weiterzuentwickeln”. Gleichzeitig warnte Meulenbergh: „Weltweit gibt es immer mehr Turniere, die höher dotiert sind als unseres. Es muss unser Ziel sein, das Aachener Turnier weiterhin so attraktiv zu gestalten, dass die Weltspitze der Reiter nicht nur des Geldes wegen in der Soers startet.

Zufrieden konstatierte ALRV-Vorstandsvorsitzender Frank Kemperman in seinem Jahresbericht, „dass es 2010 keine einzige positive Dopingprobe” gegeben habe. Im Übrigen schwor er die Mitglieder auf die Bewerbung für die Europameisterschaft 2015 ein: „Neun Jahre nach den für uns alle unvergesslichen Weltreiterspielen wollen wir erneut ein Markenzeichen im Pferdesport setzen. Eine EM erstmals mit allen fünf CHIO-Disziplinen wollen wir nach Aachen holen.” Er sei heute schon von einem „Mega-Event” überzeugt, „über das ganz Europa lange reden und das neue Maßstäbe setzen wird”.

CHIO-Vermarkter Michael Mronz, Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH, schlug einen umfangreichen Bogen zwischen „einer großen, großen Tradition des Turniers” sowie „deren Fortschreibung durch Innovation”. Wörtlich: „Wir müssen bereit sein, uns zu verändern, neue Ideen zu entwickeln, neue Konzepte zu erarbeiten und neue Wege einzuschlagen”. Dazu gehört für ihn, bereits beim kommenden CHIO „verstärkt in digitale Medien zu investieren”, die zum Beispiel ermöglichen, aus dem Deutsche Bank-Stadion das Geschehen im Springstadion zu verfolgen.

Gewaltige CHIO-Entwicklung in der Ära Pavel

Die Ära des ALRV-Präsidenten Klaus Pavel (1993 bis 2010) ist von einer gewaltigen Expansion des CHIO geprägt. Die Zuschauerzahl stieg von 200.000 auf bis zu 400.000, das Preisgeld von 1,1 auf 1,8 Millionen Euro, das Gesamtbudget von drei auf elf Millionen Euro, die TV-Übertragungszeit von sieben auf 30 Stunden.

Neu entstanden in dieser Zeit: der „Soerser Sonntag”, das Konzert „Pferd & Sinfonie”, die Eröffnungsfeier, die jährliche Vorstellung eines Partnerlandes, Pferdesport bei Flutlicht, der „Champions Circle”, die „Media Night” und das CHIO-Magazin.

Investitionen flossen in den Bau des Deutsche Bank-Stadions, des Richterturms sowie der Reitertribüne mit Geschäftsstelle, Tischtribüne und Medienzentrum, in die Sanierung der Mercedes-Benz-Tribüne, NetAachen-Tribüne, AachenMünchener-Tribüne, Albert-Vahle-Halle, des Bodens im Hauptstadion sowie in das Begrünungsprojekt „Garten Eden”, das ehedem Beiratsmitglied Walter Eßer angestoßen hatte.

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