Pastor Waldemar Schulz: Weltweite Hilfe mit Wurzeln in Monschau

Von: M. S.
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Ein Trio wirksamer Jugendarbeit in der der Evangelischen Kirche (v. r.): Pastor Waldemar Schulz, Pastorin Annette Schulz, Hans–Jürgen Ender gehen die internationalen Hilfsprojekte der Solidarität mit Benachteiligten nicht aus. Foto: Manfred Schmitz

Nordeifel/Oberhausen. „Die Eifel in all ihren faszinierenden Facetten unberührter Natur der Wälder, Seen, Moore und Heide hat mich und die Arbeit meines Teams tief geprägt. An meinem heutigen Wohnort im Ruhrgebiet verspüre ich ständig Sehnsucht nach dem Monschauer Land und seinen Menschen, dem unvergleichlich aromatischen Duft rauschenden Herbstwindes in Buchenhecken, friedlicher Stille unbefleckten Winterschnees im Hohen Venn. Zur vierten Jahreszeit ist für mich das wild–romantische Mittelgebirge am schönsten.“

Der heute in Oberhausen lebende Pastor Waldemar Schulz (79) leitete in den Jahren 1962 bis 1969 die Jugendarbeit des Evangelischen Kirchenkreises in Aachen. In dieser und weiteren Funktionen hat er mit Gruppen junger Leute viele unterschiedliche Landschaften dieser Erde erkundet.

Seine Jugendreisen und internationalen Begegnungen führten ihn in alle Länder Skandinaviens und ins russische Sankt Petersburg, in die Berge von Alpen, Dolomiten und rumänischen Karpaten. Beliebt waren seine großen Zeltlager mit dem Nachwuchs auf der niederländischen Nordseeinsel Walcheren.

Die ältere Jugend zog es mit dem Absolventen der Bonner Theologischen Fakultät auf Expeditionen nach Irland oder zum finnischen Polarkreis. In einer folgenden Epoche führte Schulz jugendliche Mitglieder seines Vereins AGJA (Arbeitsgemeinschaft für Jugendarbeit) nach Ägypten, zu den Pyramiden und Wüstenklöstern.

Dort lernten die Teilnehmer/innen auch das Leben vom Schicksal benachteiligter Menschen kennen. Etwa in den Slums, elenden Müllstädten und anderen Stätten unsäglicher Not.

Aus dabei gewonnenen Erkenntnissen und Erfahrungen entstand eine neue Zielrichtung der AGJA–Betätigung. „Jugendarbeit durch Sozialarbeit!“ lautete nun die Devise. Zu den jugendlichen Mitarbeitern der Räume Alsdorf–Monschau–Schleiden stießen bis 1982 junge Erwachsene aus Bonn und dem Kreis Viersen. Sie bildeten mit AGJA ein stetig wachsendes und aktiveres Team.

Seine Angehörigen gründeten und führten eine stattliche Anzahl sozialer und humanitärer Hilfswerke. Die Bandbreite reichte von medizinischen Einrichtungen, Sozialzentren bis zu Schulen und Sportanlagen in Irland, Rumänien, Ägypten oder Brasilien.

Über allen hilfreichen Aktivitäten vergaßen die Initiatoren die Bildungsarbeit im eigenen Verein freilich nicht. Schulungen und Seminararbeit spielten wachsend wichtige Rollen. Diese Fort– und Weiterbildungsmaßnahmen wurden im Evangelischen Jugendhaus Monschau abgehalten.

Alle Aktionen standen unter dem Leitspruch: „Mehr wissen, mehr können, mehr handeln, mehr verantworten“. Basis allen Handelns war die christliche Motivation des Wissens, Glaubens, Dienens. Eine wichtige Mitstreiterin und Helferin ist Schulz‘ Ehefrau Annette, Pfarrerin aus Berufung und daher Waldemars adäquate Partnerin.

Dieses Theologenpaar wird tatkräftig unterstützt von Hans–Jürgen Ender. Er lebt seit seiner Kindheit in der Gemeinde Simmerath und machte sich beruflich als kundiger Wanderführer im Hohen Venn und Nordeifel einen guten Namen. Der gelernte Erzieher Ender wurde in diesem Jahr in seiner Geburtsstadt Bonn für seine 50–jährige rührige Mitgliedschaft in der AGJA geehrt.

Er erinnert sich gern an die rege und erfolgreiche Jugendarbeit mit wichtigen Seminartreffpunkten wie Schullandheim Kalterherberg, Jugendheim Monschau oder örtliche Jugendherbergen für größere Versammlungen der Bewohner von Baesweiler bis Blankenheim.

„Hier“, beobachteten die Ausrichter, „war ein gemischtes Publikum anzutreffen – von Menschen ab dem zwölften Lebensjahr bis zur Hochzeit.“ In der Zeitspanne 1962/80, erinnern sich die „Programm–Macher“, hätten sie bis zu 500 Freizeiten und Kurse durchgeführt, „danach haben wir aufgehört zu zählen“.

Und Schulz ergänzt: „Diese von uns entwickelte Jugend–Bildungsarbeit mit den Schwerpunkten Natur und Sport, Geschichte, Literatur, Politik und Weltgeschehen kann in Deutschland als einmalig bezeichnet werden!“

Gute Bildungsarbeit fördere junge Menschen in allen Entwicklungsphasen von Geist und Körper. Schon Ende der 1950–er Jahre setzten sich Schulz und Partner mit der jüngsten deutschen Geschichte und dem Geschehen beider Weltkriege auseinander: „Das geteilte Deutschland bot ständig Anlass zu Seminarthemen, Berlinfahrten und zwischenmenschlichen Begegnungen jenseits der Mauer.“

Neben inhaltlicher Erörterung des Kommunismus standen Dogmengeschichte und erprobtes christliches Leben auf dem Lehrplan, ebenso Fragen des Alltags, Lebens, Berufs. Eng damit verbunden: Themen rasanter gesellschaftlicher Veränderungen.

„Ausdauer, sportliche Stehvermögen und Zuverlässigkeit spielen bei Realisierung unserer Projekte entscheidende Rollen“, sagt Schulz. Ein Mitarbeiter im Ressort Bildungswesen junger Menschen müsse „physisch wie psychisch höchst belastbar sein“.

Waldemar Schulz und Hans–Jürgen Ender lernten sich während einer Expedition junger Leute in Finnisch–Lappland, am Polarkreis, kennen. Der verheißungsvolle Auftakt für eine dauerhafte Freundschaft und weltoffene Sozialarbeit! Die erwies sich nach Meinung der AGJA–Verantwortlichen „im eigenen Land zunehmend als unmöglich“.

Die Projektleiter sahen in Deutschland zu hohe gesetzliche Bestimmungen und Auflagen, unerfüllbar für eine kleine Organisation. Deshalb entwickelten Pastor Schulz und Mitstreiter erfolgreich caritative und humanitäre Hilfsprojekte im Ausland.

„Wir verstanden uns zweifellos als Pioniere, als wir für die verfeindeten Katholiken und Protestanten Nordirlands das Begegnungszentrum „Corrymeela“ errichteten und uns damit eindeutig auf Verständigungsmission begaben“ (Schulz). In Zusammenarbeit mit der Koptisch–Orthodoxen Kirche Ägyptens erbaute das Team in Muatamadia eine Sozialstation.

In dieser berüchtigten „Müllstadt“ sahen die Deutschen das tiefe Elend unzählbarer Familien, deren Kinder sich barfuß durch giftverseuchte Erde, über Glasscherben und messerscharfen Metallschrott quälen müssen, um in den Abfällen der Wohlhabenden nach verwertbaren Resten zu suchen.

Schulz lobt freilich die konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem bischöflichen Hilfswerk Misereor in Aachen, das eine weitere Anschub-Finanzierung für ein größeres Sozialzentrum wie eine Schule in Mittelägypten bereit stellte. In letztgenanntem Institut werden mittellose Fellachenkinder unterrichtet.

Im rumänischen Dorf Rusciori (bei Hermannstadt/Siebenbürgen) erhalten auf einem Landwirtschaftsbetrieb „Straßenkinder“ ein neues Zuhause und eine hoffnungsvolle Zukunft. Auch in Sobradinho (Brasilien) strahlt ein Silberstreif der Zuversicht.

Ein für 80 Kleinbauern–Kinder gebautes pädagogisches Institut macht dessen Absolventen fit für ein lebenswertes und -würdiges Dasein. „Für diesen (über)lebenswichtigen Schulneubau haben wir vier Jahre hart gekämpft“, seufzt Annette Schulz erleichtert.

Im Oktober wird das Ehepaar mit kleinem Teams zu einem weiteren Arbeitseinsatz in Brasilien aufbrechen. Für Waldemar Schulz ist es bereits die zwölfte dienstliche Visite im Amazonasstaat. Die von den vereinten Partnern ins Leben gerufene Lehr– und Lernstätte soll, so ihre Väter und Mütter, „endlich in ihre Selbstständigkeit entlassen werden“.

Der Beobachter fragt sich: Woher nimmt ein bald 80–Jähriger die Kraft und Motivation für beständige Hilfsbereitschaft zugunsten vom Schicksal benachteiligter Menschen jenseits aller Grenzen? Seine Antwort: „Ich bin ein Kind des letzten Weltkrieges und musste schon als Sechsjähriger manche Verantwortung übernehmen, verzweifelten Flüchtlingen, mutlosen Kriegsgefangenen und bedrängten Nachbarn beistehen.“

Schulz´ Fazit über sein Wirken in Partnerschaft mit jungen Menschen bei Arbeitseinsätzen: „Was unsere Jugendarbeit bisher geleistet hat, bleibt in Europa bis heute beispielhaft. Und unser Sozialwerk, dessen fruchtbare Wurzeln im Raume Monschau ruhen, zeigt zeitloses Profil und sogar weltweit positive Wirkungen.“

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