Paralympics-Teilnehmerin: Schwimmen nur noch zum Entspannen

Von: Peter Stollenwerk
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Doris Weber wurde häufig hoch dekoriert: Ihre Medaillen bei internationalen Schwimmwettkämpfen kann sie kaum noch zählen. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Büroarbeit im Monschauer Altenheim, danach in den Kraftraum und abends in die Schwimmhalle: So sah von 1972 bis 1984 der Tagesablauf von Doris Weber aus Monschau aus. 30 Jahre später ist ihr diese Phase noch in bester Erinnerung.

 Es war die bisher intensivste Zeit ihres Lebens. Als Behindertensportlerin eilte sie von einem internationalen Schwimmwettkampf zum nächsten und sammelte Titel und Medaillen wie andere Leute Briefmarken.

Der vierfachen Paralympics-Teilnehmerin ist die sportliche Karriere in diesen Tagen wieder besonders präsent. Die im ukrainischen Sotschi derzeit stattfindenden Paralympics (bis 16. März) verfolgt sie soweit es zeitlich eben geht, auch wenn die Live-Berichterstattung im TV ihrer Meinung recht bescheiden ausfällt. Zudem lag als Kurzstrecken-Schwimmerin der sportliche Schwerpunkt bei Doris Weber ohnehin ein wenig anders. Dennoch zollt die den 13 deutschen Paralympics-Teilnehmern höchsten Respekt, mit welcher Kraft und Technik diese ihre Disziplinen beherrschen.

Zwölfmal nahm die heute 62-Jährige an internationalen Schwimmwettkämpfen teil und brachte 57 Medaillen mit nach Hause. Ihr persönlicher Medaillenspiegel zeigt 24 Mal Gold, 19 Mal Silber und 14 Mal Bronze. Dabei hatte Doris Weber, die seit 42 Jahren in der Verwaltung des Monschauer Maria Hilf-Stiftes arbeitet, eigentlich nie vor, sich dem Leistungssport zuzuwenden, bis ein Unglück im Jahr 1970 ihr Leben schlagartig veränderte. Damals stürzte die 18-Jährige im Bereich der heutigen Glashütte in Monschau in der Dunkelheit in eine ungesicherte Baustelle, fiel fünf Meter tief einen Hang herunter und landete auf einer Mauer. Seit diesem Tag, es war ausgerechnet zur Monschauer Kirmes, ist Doris Weber querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl.

Man mag es Zufall oder Bestimmung nennen, dass Doris Weber ihre Reha 1971 in einer Klinik in Heidelberg verbrachte, und dort zum wettkampfmäßigen Schwimmen ermuntert wurde, zumal ein Jahr später eben dort in Heidelberg die Paralympics 1972 stattfinden sollten. Obwohl noch ganz am Beginn der Laufbahn stehend, kehrte Doris Weber mit je einer Bronzemedaille im Brust- und Rückenschwimmen zurück. Bei den zwei Jahre später stattfindenden Weltspielen in Stoke-Mandeville (England) kam dann die erste Goldmedaille zur Sammlung.

Nach dem Überraschungserfolg in Heidelberg professionalisierte Doris Weber umgehend ihr Training; der Ehrgeiz hatte sie gepackt. Zunächst war es Schwimmmeister Eberhard Beck in Monschau und dann mehr als zehn Jahre bis zum Ende der Karriere im Jahr 1984 Schwimmmeister August Jansen aus Simmerath, der Doris Weber das ganz Jahr über trainierte und immer dafür sorgte, dass sie Anschluss zur Weltspitze hielt. „Durch den Sport ist es mir gelungen, einen Weg aus meiner Krise zu finden“, erzählt Doris Weber. Das internationale Zusammentreffen mit Sportlern aus aller Welt sei jedes Mal „ein großartiges Erlebnis“ gewesen, auch wenn die Sportler oft wenig komfortabel in Massenunterkünften untergebracht wurden.

„Heute haben es Paralympics-Teilnehmer dank Sponsoren und Fördergeldern viel besser“, erzählt Doris Weber, die aber keinen Tag ihren aktiven Laufbahn missen möchte, auch wenn sie dafür hart trainierte und das ganze Jahr über täglich 2500 Meter im Wasser zurücklegte. Dazu kam das regelmäßige Krafttraining. „Entscheidend ist, dass man immer schnell zieht, und nicht zu tief ins Wasser sackt, sonst muss man sich mühsam wieder nach oben arbeiten.“ Zeit für andere Beschäftigungen hatte Doris Weber in diesen zwölf Jahren nicht. „Da geht nicht anders, wenn man in der Weltspitze mithalten will“, lässt es Doris Weber auch heute noch nicht an eisernem Willen vermissen. „Ich kannte zu dieser Zeit nur Arbeit, Kraftraum und Schwimmhalle, aber mir hat es an nichts gefehlt.“

1982 war das sportlich erfolgreichste Jahr ihrer Karriere. Bei den Weltmeisterschaften in England errang sie sechs Goldmedaillen (Schmetterling, Brust, Rücken, Kraul, Lagen, Freistil).

Wäre es nicht Schwimmen gewesen, dann hätte Doris Weber sich auch noch Tischtennis als Leistungssport vorstellen können, aber die Ärzte rieten ihr davon ab.

Heute sieht man sie noch dreimal wöchentlich in der Schwimmhalle Simmerath, aber hier zieht sie nur noch zum Entspannen ihre Bahnen. Das neue „Simmbad“ gefällt ihr sehr gut, vor allem auch weil es optimal für die Bedürfnisse von Behinderten ausgestattet worden sei. Ansonsten findet sie, dass es beim Thema Barrierefreiheit noch so einigen Nachholbedarf in den Eifel-Kommunen gibt. Die Stolperstellen auf dem Simmerather Rathausplatz und die viele zu steile Rampe fallen ihr besonders negativ auf: „Das ist doch kein Zustand.“

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