Panzergeschoss unter dem Baggerlöffel

Von: P. St.
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Rohren. Den Start der Bauarbeiten dürften sich sowohl der Bauherr als auch das hier tätige Unternehmen anders vorgestellt haben: Als das Rohrener Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen Gerhards nach den Osterfeiertagen mit den Erdarbeiten für einen Einfamilienhaus im Ort begann, stieß Landschaftsbauer Sebastian Stolz, der an diesem Tag den Kleinbagger bediente, plötzlich auf einen explosiven Fund.

Beim Abtragen der 50 Zentimeter starken Mutterbodenschicht stieß er auf einen verrosteten Gegenstand in der Erde, den er zunächst nicht eindeutig identifizieren konnte. „Als ich mit dem Baggerlöffel über den Boden kratzte, dachte ich zunächst, dass ich auf ein verrostetes Gussrohr gestoßen bin“, erzählt der Baggerführer, der bei näherem Hinsehen aber feststellen musste, dass hier ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg nur einige Zentimeter unter der Grasnarbe rund 70 Jahre lang friedlich geschlummert hatte. Bei dem Fund handelte es sich offenbar um eine rund 50 Zentimeter lange Granate. Nun kommt es zwar immer wieder vor, dass das Unternehmen bei Erdarbeiten in der Eifel auf alte Kriegsmunition stößt, aber des Respekt vor den explosiven Rostkörpern ist immer sehr groß, denn als Laie lässt sich die davon ausgehende Gefahr nur schwer einschätzen.

Firmenchef Bruno Gerhards informierte pflichtgemäß umgehend den Kampfmitteldienst des Landes NRW in Düsseldorf. Von dort aus wurde ihm dann ein Ansprechpartner bei der Städteregion Aachen genannt.

Unterdessen wurde der Fundort abgesichert und markiert und bis zum Eintroffen des Experten hielten sich die Mitarbeitern in respektvoller Entfernung auf. Nach nur einer Stunde war der Kampfmittelräumer vor Ort und nahm das Fundstück nach kurzer Prüfung mit. Es handelte sich nach Einschätzung des Experten um ein Panzergeschoss, wie es im Zweiten Weltkrieg von den alliierten Streitkräften bei ihrem Vorrücken von Westen her benutzt wurde.

„Diese Geschosse halten etwas aus“, habe ihm der Kampfmittelräumer wohl in erster Linie zur Beruhigung gesagt, erzählt Sebastian Stolz. Dennoch schaute er beim weiteren Abtragen des Mutterbodens dann lieber ganz genau hin.

Bis auf weiteres hielt die einstige Grünfläche in unmittelbarer Nähe des Rohrener Sportplatzes an der Straße Dröft, auf der nun in einer Baulücke ein Einfamilienhaus entstehen soll, keine weiteren Überraschungen bereit.

Der Granaten-Fund ist für Bruno Gerhards dennoch Anlass genug, Bauherren nahezulegen, zur Bebauung vorgesehene Grundstücke im Vorfeld durch den Kampfmittelräumdienst untersuchen zu lassen. Bei der Erschließung von größeren Baugebieten ist diese Absuche längst der Regelfall. Häufig stehen dafür Luftbilder aus Kriegsjahren zur Verfügung. Die Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes beseitigen auch heute noch in hohem Maße Munition aus den beiden Weltkriegen. Über 1000 Mal im Jahr werden sie allein in NRW zu Kampfmittelfunden gerufen.

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