Ostwind löst gewaltigen Kranichzug über der Eifel aus

Von: hes
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So mancher griff am Samstag an
So mancher griff am Samstag angesichts der beeindruckenden Kranichschwärme zur Kamera - so auch unser Fotograf Thomas Rubel (Roetgen).

Nordeifel. „Und finster plötzlich wird der Himmel, und über dem Theater hin sieht man in schwärzlichtem Gewimmel ein Kranichheer vorüberziehn.”

Schillers „Kraniche des Ibykus” mögen so manchem Eifeler in den Sinn gekommen sein, als er am Wochenende staunend ein wahres Naturschauspiel am Himmel verfolgen konnte. In selten erlebter Zahl haben am Samstag alleine zwischen 14 und 16 Uhr mehr als 15.000 Kraniche die Nordeifel überflogen.

Auf diese Zahl kommt Günther Krings aus Dedenborn, der seit Jahrzehnten Vogelbeobachtungen im Monschauer Land macht und sich schon ebenso lang speziell mit Zugvögeln befasst.

„Das war sicher nicht das übliche Maß an Tieren, die da die Eifel überflogen haben”, stimmt der Hobby-Ornithologe zu, hat aber eine Erklärung für den gewaltigen Kranichzug: „Verschiedene Gruppen, die aus Skandinavien und Norddeutschland kamen, haben sich am Dümmersee bei Hannover gesammelt, gestärkt und sind dann alle gemeinsam am Samstagmorgen gestartet, weil es von Osten her deutlich kühler wurde und sie keinen Gegenwind hatten”, weiß Krings, der die Vielzahl von Formationen genau über der Eifel aber für zufällig hält: „Der Korridor des Kranichzugs lag diesmal offenbar genau über uns - das kann beim nächsten Zug schon wieder anders sein”, so Günther Krings, der die Vogelmassen auch nicht für eine Winterprognose heranziehen mag: „Das ist absoluter Quatsch und sagt auch nichts darüber aus, dass der Wintereinbruch unmittelbar bevorsteht.

Anders als beispielsweise die Schwalben, die nach einer inneren Uhr ziehen, brechen die Kraniche auf, wenn sie nichts mehr zu fressen haben”, so der Dedenborner über die faszinierenden Vögel, die nach seinen Forschungen an die flachen Talsperren der Champagne und bis nach Andalusien ziehen.

Das Kranich-Spektakel sorgte am Samstag bei schönstem Herbst- und Gartenwetter im ganzen Monschauer Land für Aufsehen, überall konnte man Menschen beobachten, die staunend das Naturereignis verfolgten und zum Himmel schauten. „So viele Schneegänse habe ich hier in 80 Jahren noch nie gesehen”, zählte Elsbeth Schepp aus Imgenbroich 21 meist große Formationen, und auch Gabriele Kreitz aus Roetgen sprach von einem „einzigartigen Naurschauspiel” über Roetgen, Rott und Schmithof. Nach ihren Beobachungen zogen rund 4000 Kraniche in Pulks bis zu 250 Tieren über ihren Standort im Roetgener Süden.

Auch im Korridor zwischen Eicherscheid und Konzen folgte ein Schwarm dem nächsten, „sie zu zählen, war bald vergebliche Müh, denn immer wieder tauchten am Horizont neue auf”, berichtete Raimund Palm aus Konzen.

Der vergangene Samstag war wohl „der” Eifeler Kranichtag in diesem Jahr, auch wenn bereits vorher kleinere Gruppen der stattlichen Schreitvögel gesichtet worden waren und ihr lautes „gruh gruh” zu hören gewesen war. „Die Kraniche ziehen hauptsächlich zwischen 15. Oktober und 15. November, man hat aber auch schon Formationen im September und Dezember über der Eifel gesehen”, weiß Günter Krings. Auch der Zeitpunkt hat nichts mit Strenge, Dauer und Zeitpunkt der kalten Jahreszeit zu tun, sind Experten überzeugt.

Übrigens sind die Kraniche in diesem Jahr wohl nicht in der Region zwischengelandet - so wie in den letzten Jahren auf der Dreiborner Hochfläche oder am Hohen Venn bei Mützenich. Eines aber steht fest: Spätestens im März kehren die Kraniche zurück und verheißen den Frühling.

Heimatgeschichte: Schniejejäns und Kreujeljäns

Die Kraniche heißen in unserer Mundart „Schniëjejäns”, also die Schneegänse. Dabei ist die richtige Schneegans die weiße Gans in der arktischen Tundra. In der Nordeifel haben de Schniëjejäns noch einen anderen Namen: de Kreujeljäns. Ob der „Eifeler Name” für den Kranich etwas mit der Rauschbeere zu tun hat? Wie die Moosbeere nannten unsere Vorfahren auch die Rauschbeere Kreujele. Nach dem Volksglauben sollen Kraniche eine Vorliebe für diese Beeren haben. Und auf ihren Rastplätzen im Venn gab und gibt es reichlich „Kreujele”.

Der Konzener Geschichts- und Heimatkundler Hans Steinröx leitet das „Kranzvenn” zwischen Simmerath, Paustenbach und Konzen sogar von den Kranichen ab: In diesem Stück Venn wuchs einst Wacholder. Und die Wacholderbeeren sind, so sagt man, eine Lieblingsspeise der Kraniche. „Und so kommt das Wort krane-wite schon im Mittelalter zu der Bedeutung Kranich. Aus dem Kranewits-Venn wird dann leicht das Kranich-Venn, das Krans-Venn, das Krangs-Venn”.

Der Arbeitskreis Mundart im Lammersdorfer Heimatvereins schreibt: Krejelsjans: Der Name steht auch für die Wildgänse, die über das Eifelland reisen: erst in den Süden, dann zurück in den Norden. In Aachen nennen die Leute die Schneegans auch Krouvouël. Den Krauvuël kennen wir hier auch. Krau ist das Pack, das Gesindel, der Pöbel, also ist der Krauvuël einer aus dem Gesindel. Dieses Attribut wird den Kranichen aber nicht gerecht, vielmehr faszinieren sie auch die Menschen hier in der Eifel zweimal im Jahr mit ihrem großen Zug gen Süden.(rpa)

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