Mützenich - Ostermarsch: Auch der Zoll begleitete die Wallfahrer

Ostermarsch: Auch der Zoll begleitete die Wallfahrer

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Traditionsgemäß zieht am ersten Wochenende im Mai die Fußprozession von Mützenich nach Moresnet – und das seit 1864. Auch dieses Jahr werden wieder rund 100 Pilger erwartet.

Mützenich. Traditionsgemäß zieht am ersten Wochenende im Mai die Fußprozession von Mützenich nach Moresnet. Seit dem Jahre 1864 haben sich alljährlich rund 100 Pilger aus Mützenich und den benachbarten Orten zusammengefunden, um im Gebet zwei Tage lang der Mutter Gottes zu huldigen.

Die Pilger versammeln sich am Samstag, 3. Mai, ab 7 Uhr in der Pfarrkirche Mützenich. Da in diesem Jahr kein Pfarrer zur Verfügung steht, wird vor dem Abgang der Prozession ein Gebet gesprochen. Die Prozession zieht gegen 7.30 Uhr in Richtung Moresnet. Pilger, die ab Eupen mitgehen möchten, können sich wie im letzten Jahr um 13.10 Uhr der Prozession anschließen. Die Ankunft der Prozession in Moresnet ist gegen 16.45 Uhr am Ortseingang Moresnet.

Zur Pilgermesse versammeln sich die Gläubigen am Sonntag, 4. Mai, um 6.30 Uhr in Moresnet. Der Kreuzweg in Moresnet beginnt am Sonntag, 4. Mai, um 7.50 Uhr. Die Segnung der Andachtsgegenstände ist während der heiligen Messe. Nach dem Kreuzweg geht die Prozession gegen 8.40 Uhr zurück nach Mützenich. Um 14 Uhr nach der Mittagspause geht die Prozession vom Kloster in Eupen Richtung Mützenich ab. Gegen 18.15 Uhr wird die Prozession die Pfarrkirche in Mützenich erreichen.

Die Geschichte des Wallfahrtsortes Moresnet: Im Jahre 1747 leidet der kleine Peter Arnold Franck an Fallsucht, welche angeblich durch ein Erdbeben ausgelöst wurde. Eine Frau schenkt dem Jungen die 24 Zentimeter große Terrakottafigur „Maria mit dem Kind“. Nach Überlieferungen befestigt der junge Peter Arnold Franck im Jahre 1750 die Figur an einer Eiche im Wald. Täglich geht er nun zu dieser Stelle im Wald und betet vor „Maria mit dem Kind“. Die Anfälle lassen bald nach, doch der Junge betet weiter vor dem Bildnis an der Eiche im Wald.

Als im Jahre 1771 eine Viehseuche ausbricht gehen viele Menschen aus Moresnet in den Wald, um bei „Maria am Eichschen“ um Hilfe zu bitten. In den kommenden Jahren wird das Gnadenbild immer berühmter, so dass im Jahre 1823 die erste Kapelle gebaut wird. Als im Jahre 1831 die Cholera ausbricht, ziehen viele Gläubige aus der ganzen Region betend und flehend zum Gnadenbild nach Moresnet. Ab dem Jahre 1863 ziehen regelmäßig Prozessionen von Aachen durch den Stadtwald nach Moresnet.

Die Geschichte der Wallfahrt von Mützenich nach Moresnet: Nach Feststellung aus alter Zeit sind die Pilger von Mützenich nach Moresnet 1864 zum ersten Mal in eigener Regie gegangen. Jahre zuvor ging eine Prozession von Eicherscheid nach Moresnet. Dieser Prozession schlossen sich immer wieder Pilger von Mützenich aus an. Nach der Überlieferung ist im Jahre 1863 die Prozession von Eicherscheid aus einem nicht bekannten Grund nicht mehr von Eicherscheid nach Moresnet gezogen. Daraufhin haben sich im Jahre 1864 einige beherzte Männer entschlossen, die Prozession in eigener Regie von Mützenich nach Moresnet zu starten.

Selbst im Kulturkampf ist die Prozession unter schwierigen Verhältnissen durch Feld und Wald unter Umgehung von Städten und Dörfern nach Moresnet gezogen. Nach langer Unterbrechung ab dem Jahre 1939 konnte die Prozession im Jahre 1951 am 5. und 6. Mai stattfinden. Im Jahre 1939 war die Prozession von der Polizei mit dem Hinweis auf – wie man es zu jener Zeit nannte – besonderer Vorkommnisse am hiesigen Zollamt verboten worden.

Die Prozession hatte immer, auch in früheren Jahren, nach allen Vorschriften und Genehmigungen der ausländischen Behörden stattgefunden. Während des Krieges und in den Jahren bis 1950 war es durch besondere Devisen- und Passschwierigkeiten nicht möglich, die Prozession durchzuführen. Um die Prozession im Jahre 1951 durchführen zu können, mussten sich alle Teilnehmer anmelden, um gegen die Zahlung einer Gebühr von zwei Deutsche Mark (DM) namentlich in einen Sammelpass eingetragen zu werden.

Wie auch in den zurückliegenden Jahren fand die Prozession am ersten Wochenende im Mai statt. An der Prozession im Jahre 1951 nahmen 207 Pilger teil. Im Jahre 1952 waren zur Finanzierung der aus 250 Pilgern bestehenden Prozession rund 415 DM erforderlich. Der größte Teil des Geldes würde für Pässe, Visum und Transportmittel verwendet. Zur Beförderung des Gepäcks der Pilger waren zwei Fuhrwerke erforderlich. Vor Verlassen der Kirche wurden die Pilger eingehend auf die Einhaltung der Pass- und Devisenvorschriften hingewiesen.

Zur Abwicklung der Zollformalitäten mussten sich die Pilger in Gruppen aufteilen. Innerhalb der einzelnen Gruppen musste eine alphabetische Gliederung vorgenommen werden. Heute wie damals wird die Prozession, falls eben möglich, vom Pfarrer begleitet. Durch die Begleitung des Musikvereins erhält die Prozession einen weiteren festlichen Rahmen.

Für Ordnung innerhalb der Prozession sowie für das Vorbeten sorgen die Brudermeister. Seit dem Jahre 2000 werden die Brudermeister erstmalig durch eine Brudermeisterin unterstützt. Auf belgischer Seite wird die Prozession, neben dem bereits vorhandenen Begleitfahrzeug, durch die örtliche Polizei mit teilweise zwei Fahrzeugen begleitet.

Ab dem Jahre 1988 machen sich ab Mützenich ca. 95–110 Pilger auf den Weg. In Eupen, wo die Prozession gegen 13.10 Uhr weiter Richtung Moresnet geht, erhöht sich die Zahl der Pilger auf ca. 115 bis 125 Personen. Gegen 16.45 Uhr erreichen die Pilger den Wallfahrtsort Moresnet. Die derzeit genutzte Strecke ist 31 km lang. Sonntags, nach dem Gebet des Kreuzweges am Kalvarienberg in Moresnet, verlassen die Pilger gegen 8.45 Uhr den Wallfahrtsort Richtung Mützenich.

Die Anzahl der Pilger beträgt für den Rückweg ca. 45 bis 60 Personen. Nach der Mittagspause in Eupen verringert sich meistens noch die Zahl der Pilger um 5 bis 10 Personen. Aus Anlass des 150-jährigen Bestehens der Wallfahrt von Mützenich nach Moresnet und als Erinnerung an dieses Ereignis wird jedem teilnehmenden Pilger ein kleines Präsent überreicht.

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