Nordeifel - Osterfest: Auferstehungsrituale und Festtagsbraten

Osterfest: Auferstehungsrituale und Festtagsbraten

Von: M. S.
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Früh übt sich: Lars und Laura Braun aus Simmerath (11 und 12 Jahre) üben sich vorab im Eiertippen zu Ostersonntag. Ein sechs Wochen junges Rassekaninchen aus der Eicherscheider Zuchtgemeinschaft Käfer übt dagegen korrekte Körperhaltung. Foto: M.Schmitz

Nordeifel. Ostern, das höchste Fest im Jahreskreis katholischer, evangelischer und orthodoxer Christen, kündet schon in der Karwoche vielfach von Christi opfervollem Kreuzestod und glorreicher Auferstehung. Welche Bedeutung hat dieser über Jahrhunderte hinweg gelebte Volksglaube von der Schuldtilgung für die Menschen des Computerzeitalters? Was hat sich geändert an Lebensgewohnheiten und Wertvorstellungen gegenüber dem in unserer Gesellschaft noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg gepflegten Brauch?

Gemäß dessen eiserner Regeln, gehörten von Karfreitag bis Ostermontag Kirchenbesuche ganz selbstverständlich zum österlichen Pflichtprogramm, auch und gerade für die Nordeifeler Bevölkerung.

Keine Frage, dass die neue Frühjahrsgarderobe zu Ehren des Auferstandenen und in der Gewissheit nachbarlicher Bewunderung vorgeführt wurde, während der dicke Wintermantel für ein halbes Jahr im Schrank verschwand. Mann und Frau trugen tapfer Anzug und Kleid, mochte es – wie in diesen Tagen – aus grimmig frostiger Luft auch schneien oder regnen. Besuche der lieben Verwandtschaft standen selbstverständlich auf dem Familienprogramm.

Oft hatte man entferntere Angehörige ein Jahr nicht gesehen, „op Uster-Kermes“ änderte sich das. Die ersten Frühjahrskarussells drehten ihre Runden, im Ofen brutzelte derweil ein saftiger Braten. Nicht selten von den besten Stücken eines Hasen, Reverenz an Meister Lampe, den unfreiwillig delikaten Festverschönerer. „Es gibt kein gesünderes und schmackhafteres Fleisch als das der Kaninchen. Risikobehaftete Massen-Tierhaltung, wie sie bei Großvieh ist, kennen Kaninchenzüchter nicht“, erzählt Dieter Käfer von der Eicherscheider Zuchtgemeinschaft Käfer.

Der Hase war übrigens nicht immer der österliche Geschenkbringer für Kinder und Erwachsene. In manch mittelalterlicher Periode hatte diese spendable Rolle der schlaue Fuchs inne. Wie und warum Meister Reineke sein Amt verlor, verbirgt sich im Dunst der Geschichte. Schließlich war der listige Rotrock längst als Eier – und Hühnerdieb entlarvt, wer wollte ihn da wohl mit Leckereien zu den Menschen schicken?!

Wechselnde Bedeutung

Der Name „Ostern“ geht auf die germanische Göttin der Fruchtbarkeit und blühenden Lebens, „Ostera“, zurück. Sie wurde symbolhaft verehrt, weil sie den Menschen den Sieg der Natur im ewigen Kampf mit Tod und irdischem Vergehen verhieß. Die Osternacht war für die Urchristen im 2. Jahrhundert nach Jesu Geburt der Termin zu Massentaufen, erst der Erwachsenen, später der Kinder. Bald entwickelte sich, so die Überlieferung, aus andächtig–stillen Feiern ein ausgelassene Treiben. Triumphale Auferstehungsrituale und opulente Frühlingsfeste mit reichlichem Verzehr von Eiern und Brot verdrängten die besinnlich – religiösen Motive. Lodernde Osterfeuer, Kerzenschein und Lärm sollten den Winter samt seinen finsteren Mächten aus der dann endlich lichten Welt vertreiben.

Und heute? Welche Bedeutung hat die Geschichte vom Leben und Sterben Jesu Christi für seine Nordeifeler Großgemeinde Anno 2013? Silvia Carl ist seit 24 Jahren Vorsitzende des Eicherscheider Pfarrgemeinderates Sankt Lucia. Sie glaubt fest daran, „dass im Vertrauen auf die frohe Botschaft von der Auferstehung des Gottessohnes wir Christen ihm nach unserem Tod ewig nahe sein werden.“

Josef Mohren aus Simmerath: „Mit dem Sinn unseres höchsten katholischen Kirchenfestes befasse ich mich schon seit meiner Jugend. Aber erst in späteren Jahren setzte ich mich intensiver mit der Auferstehung unseres Herrn und seiner gewollten Erlösung des Menschen auseinander. Ich fürchte allerdings, dass die seit Generationen bewahrte Tradition, das Osterfest im ursprünglich religiösen Sinn zu zelebrieren, verloren gehen wird.“

Resi Hoss, Küsterin aus Huppenbroich, empfindet ebenfalls, „dass das kirchliche Fest aus Freude über die Auferstehung des Gottessohnes im Vergleich zu weltlichen Anlässen viel zu wenig gewürdigt wird“. Auch Walter Steffen aus Hammer ist der Auffassung, „religiöse und weltliche Veranstaltungen im Jahreskreis sollten sich die Waage halten“. Ostern habe in unserer Gesellschaft klar an Bedeutung verloren: „Sehr schade! Besonders für diejenigen, die fest zur Kirche und ihren Lehren stehen!“

Die Botschaft weitergeben

Jacqueline Huppertz, Mützenicher Ortsvorsteherin: „Mit dem Begriff Ostern verbinde ich den appetitlichen Duft von Lammbraten und anderen Genüssen. Früher war das anders. Als Kind erlebte ich Ostern in familiärer Gemeinschaft. Heute kramt jeder für sich.“

Achim Huppertz, Gastwirt aus Konzen, wünscht sich „dass die Eltern die Botschaft von Tod und Auferstehung des Gottessohnes an Kinder und Enkel weitergeben sollten“. Das beste Beispiel für das Gelingen dieses Anliegens sei sein Vorjahres–Kommunionkind Elena. Für die Imgenbroicher Eheleute Günter und Monika Michaux gehört zu Ostern „schon immer“ selbstverständlich der Besuch eines gehaltvollen Gottesdienstes, „danach sind wir fröhlich und freuen uns auf die Frühlingssonne“.

Hans–Jürgen Ender aus Simmerath ist als praktizierender evangelischer Christ „fest davon überzeugt, dass die erlösende Osterbotschaft von Jesu Auferstehung aus Liebe zu uns Menschen auch heute wirkt. Jeder Einzelne kann dafür Zeugnis ablegen, eine tragende Säule im Glauben sein“.

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