Simmerath - Ortsvorsteher tritt die Flucht nach vorne an

Ortsvorsteher tritt die Flucht nach vorne an

Von: Heiner Schepp und Peter Stollenwerk
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Flucht nach vorne: Marc Topp hat sich nun öffentlich zu den Vorwürfen gegen ihn geäußert und sich für seine Handlungen entschuldigt. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Der Simmerather Kommunalpoltiker und Rollesbroicher Ortsvorsteher Marc Topp tritt die Flucht nach vorne an, nachdem seit Monaten Gerüchte über seine Person im Umlauf sind.Es geht in erster Linie dabei um private Beziehungsprobleme. Die Vorwürfe gegen ihn sind schwerwiegend.

Es geht um Sachbeschädigung und Beleidigung, üble Nachrede, Stalking und Verletzung von Persönlichkeitsrechten.

Was von diesen Tatvorwürfen mit welcher Schwere zutrifft, müssen nun zunächst die Ermittler klären. Die Polizei Aachen bestätigte am Donnerstag, dass zu den genannten Punkten Strafanzeigen vorliegen. Marc Topp, der auch Zweiter stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Simmerath ist, hat sich nun öffentlich zu den Gerüchten und Beschuldigungen erklärt.

Dem am Mittwoch auch in Rollesbroich verteilten Wochenblatt ließ der SPD-Politiker eine „persönliche Erklärung“ beilegen, in der er sich zu den Ereignissen der vergangenen gut viereinhalb Monate äußert.

Er wolle mit zum Teil „abenteuerlichen Mutmaßungen“ aufräumen, heißt es in dem Schreiben. Marc Topp räumt ein, dass er bereits im vergangenen Jahr unter gesundheitlichen Problemen gelitten habe, denen er damals nicht genug Beachtung geschenkt habe. Erschöpfungszustände und Depressionen und daraus resultierendes Fehlverhalten seien die Folgen gewesen. Topp berichtet weiter, dass er nach zwei Klinikaufenthalten auch noch weiterhin in therapeutischer Behandlung sei. Die Krankheit habe ihn zeitweise „beherrscht“ und sein Handeln beeinflusst, was dazu geführt habe, „dass ich in persönlichen Angelegenheiten Fehler gemacht habe, die mir sehr leid tun.“

Massiv wehrt sich Marc Topp aber gegen „unwahre Behauptungen“; insbesondere wolle er klarstellen, „keine Sachbeschädigung begangen“ zu haben.

Zu seinen weiteren Zukunftsplänen äußert Marc Topp den Wunsch, auch weiterhin als Ratsvertreter und Ortsvorsteher Verantwortung tragen zu wollen.

Im Gespräch mit der Lokalredaktion ergänzt Topp, dass es aber in jedem Falle „Abstriche“ von seinem bisherigen umfangreichen Tätigkeitsfeld geben werde. Vor allem wolle er auch sein zuletzt vollkommen vernachlässigtes Privatleben wieder mehr in den Blickpunkt rücken: „So wie bisher geht es nicht weiter.“ Seine ehrenamtlichen Tätigkeiten werde er „abwägen und neu organisieren müssen.“

Während Marc Topp selbst seinen Fall nun also öffentlich gemacht hat, haben Gemeinde, Verbände und Vereine bislang nicht auf die Tatvorwürfe gegen ihren Verantwortungsträger reagiert.

Auf Anfrage meinte der Simmerather SPD-Fraktionsvorsitzende Gregor Harzheim, dass man derzeit keinen Handlungsbedarf sehe. Auch für die SPD stehe im Vordergrund, „dass Marc Topp wieder gesund wird.“ Was die nun wohl unvermeidliche öffentliche Diskussusion betreffe, habe er die Hoffnung, dass alle Beteiligten „unter Wahrung des gegenseitigen Respekts“ mit der Situation umgehen würden.

Der 34-Jährige Marc Topp steht in vielen Funktionen im privaten wie beruflichen Bereich in der Öffentlichkeit. Neben den schon genannten Ämtern als Ratsmitglied, 2. stellvertretender Bürgermeister und Ortsvorsteher von Rollesbroich (seit 2004) ist er stellvertretender Vorsitzender im Kultur- und Sportausschuss der Gemeinde und Beisitzer im Vorstand des SPD-Ortsvereins Simmerath.

Seit zweieinhalb Jahren ist der 34-Jährige Gesamtpersonalratsvorsitzender der Stadt Aachen mit ihren insgesamt 4700 Beschäftigten und kämpfte im vergangenen Jahr am Tisch der großen Bundestarifkommission in Potsdam um eine Lohnerhöhung für die rund zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Kommunen und des Bundes. In seinem Heimatort schließlich ist Ortsvorsteher Topp auch Vorsitzender des Ortskartells sowie Präsident und Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft Klev Botze und war deren Prinz 2006.

Reagiert auf die Wurfsendung an die Rollesbroicher Haushalte haben aber am Donnerstag die Geschädigten der selbst eingeräumten Verfehlungen von Marc Topp.

Er versuche „bewusst, mit dem Hinweis auf eine Krankheit die Schwere seiner Taten zu verharmlosen oder gar zu vertuschen“, beklagte die Mutter der 30-jährigen Hauptgeschädigten gegenüber unserer Zeitung.

Die Erkrankung sei sicherlich bedauernswert, räumte die Mutter ein, rechtfertige aber nicht die über Monate begangenen Handlungen: „Wir reden hier nicht von einem Dumme-Jungen-Streich“, so die Frau aus dem Stadtgebiet Monschau. Nach ihren Angaben ist für Mai eine Anhörung bei der Justizbehörde terminiert. Ob es dann zu einer Anklage und zu einem (öffentlichen) Prozess und zu einer Verurteilung kommt, wird sich zeigen.

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