Ortsumgehung Kesternich: „Nicht einmal ansatzweise ein Bedarf”

Von: ale
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Auch die „IG Ortsumgehung Kesternich?” hat Unterschriften gesammelt. 100 Gegner kamen zusammen, die die Umgehung verhindern wollen. Foto: Anneliese Lauscher

Simmerath/Kesternich. Die geplante Ortsumgehung Kesternich könnte einen Bruch innerhalb des Dorfes mit sich bringen, gibt es doch bereits zwei Lager, die vehement auf ihren kontroversen Standpunkten beharren.

Auf der einen Seite ist da die Interessengemeinschaft „Pro Umgehungsstraße Kesternich”, die eine zügige Inangriffnahme des „lang ersehnten Projektes” fordert (wir berichteten), auf der anderen Seite ist da die „IG Ortsumgehung Kesternich?”, die ein großes Fragezeichen in ihrer Namensbezeichnung trägt und sich mit den Naturschutzverbänden Nabu und Bund zusammengetan hat.

Beide Interessengruppen verweisen auf die Unterstützung von jeweils über 100 Bürgern in Kesternich.

Die IG der Gegner (die Betonung liegt auf dem Fragezeichen) lud nun zur Pressekonferenz ein und stellte detailliert ihr Anliegen vor. Die IG ist hervorgegangen aus Hauseigentümern, die in der Nähe der geplanten Trasse der Umgehungsstraße wohnen. Sie sehen in einer Ortsumgehung keineswegs die Lösung der Straßenverkehrsprobleme im Ort Kesternich.

„Es entsteht eine Konfrontation mit den Anwohnern, aber auch mit der Natur”, so Dr. Manfred Aletsee vom Nabu, der in seinem Bestreben, eine massive Zerstörung der Landschaft zu verhindern, von den IG Mitgliedern unterstützt wird.

Die Frage nach dem Standort

Wichtigste Argumentations-Basis der Umgehungsstraßen-Gegner ist eine Verkehrszählung, die 15 Mitglieder der Interessengemeinschaft am 13. April 2010 vorgenommen haben. Sie haben zu den vier Standorten, die das Planungsbüro für seine Verkehrszählung ausgewählt hatte, noch einen weiteren Stadtort hinzugenommen, nämlich einen Zählpunkt an der Ampel-Kreuzung Straucher Straße/Bundesstraße.

Diesen Standort hält die IG für unerlässlich, weil hier dokumentiert werde, wie viele Fahrzeuge geradewegs durch den Ort fahren, ohne die Straucher Straße zu benutzen, und zwar in beiden Richtungen. Und diese Fahrzeuge würden auch in Zukunft nicht über die Umgehungsstraße fahren, argumentieren die Mitglieder der IG.

Das Gesamtergebnis (und ebenfalls das Ergebnis einer Zählung des Nabu/Bund vom 16. Juni 2009) deckt sich zwar mit den Erhebungen der offiziellen Zählung, doch ist die Aufsplittung sehr interessant: Aus beiden Richtungen - sowohl aus Einruhr und Rurberg als auch aus Simmerath - biegt nur knapp ein Drittel der Fahrzeuge in die Straucher Straße ab.

Wie viele nutzen die Umgehung

„Dies bedeutet aber, dass von den gegenwärtigen etwa 8000 Fahrzeugen pro Tag weniger als 30 Prozent auf eine Ortsumgehung ausweichen würden”, folgert die IG. Sie bezeichnet das große Schild am Ortseingang auf der Straucher Straße als „irreführend”, denn an dieser Stelle wurden keine 8000 Fahrzeuge gezählt.

„Der Wochenendverkehr ist für eine Zählung belanglos”, argumentiert Roswitha Weinberg, Naturschützerin und IG-Mitglied, und macht deutlich, dass die Verkehre zum Rursee, nach Vogelsang und in den Nationalpark nicht als Hauptargument für eine Umgehung gelten können. Für eine Verkehrszählung kommen Normalwerktage in Betracht.

Roswitha Weinberg nennt als Ziel der IG: „Es reicht uns nicht, vertröstet werden, dass die Umgehung nicht so bald in Angriff genommen wird. Wir wollen, dass die ganze Planung vom Tisch kommt.”

Ihre ermittelten Zahlen hat die IG allen mit der Planung der Ortsumgehung befassten Stellen zur Verfügung gestellt. Man weist nachdrücklich darauf hin, dass der innerörtliche Verkehr (nahezu 2000 Fahrzeuge) die Umgehung nicht benutzen werde und zudem die Fahrzeuge aus Richtung Monschau/Simmerath weiterhin geradewegs durch den Ort fahren würden.

Das Fazit der Interessengemeinschaft lautet: „Für die geplante Ortsumgehung besteht nicht einmal ansatzweise ein Bedarf. Diese Umgehungsstraße mit unverhältnismäßig hohen Baukosten von 7,5 Millionen Euro für nur 2300 Fahrzeuge stellt eine erhebliche Verschwendung von Steuermitteln dar.

Zudem ist sie eine massive, völlig unnötige Landschaftszerstörung und wird in Summe daher rechtlich nicht zulässig sein.”
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