Ornithologen stellen Jahresbilanz der Nordeifel vor

Von: Günter Krings
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Ein Tier, dass in der Eifel schon lange nicht mehr gesichtet wurde: das Rebhuhn. Die letzte gemeldete Beobachtung des Hühnervogels datiert auf den 12. Oktober 1987.

Nordeifel. Wie so viele Menschen, ziehen auch die Ornithologen eine Bilanz – und zwar über die im vergangenen Jahr beobachteten Vögel. Im Gebiet der Gemeinden Simmerath, Roetgen und Monschau wurden im Jahr 2014 bisher fast 120 verschiedene Vogelarten entdeckt.

Auch seltene Arten wie Schwarzstorch, Silberreiher, Waldwasserläufer, Orpheusspötter, Heidelerchen und Bergpieper konnten beobachtet werden.

Nicht mehr gefunden wurde auch in diesem Jahr das Rebhuhn. Die letzte gemeldete Beobachtung dieses Hühnervogels war am 12. Oktober 1987 im Bereich des Forsthauses Hochau bei Simmerath. In den 50er, 60er und 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts war das Rebhuhn ein durchaus üblicher und recht häufiger Brutvogel in der Eifel, auch wenn ihm hin und wieder die kalten Winter zu schaffen machten.

Was hat das Rebhuhn veranlasst, sich völlig aus dem Gebiet der Heckenlandschaft zurückzuziehen?

Dafür sollte etwas über die Lebensweise dieses gut taubengroßen Vogels erwähnt werden. Der ursprüngliche Lebensraum dieses Vogels waren die Steppen Asiens und Vorderasiens. Als die hiesige Region noch mit dichten Urwäldern bedeckt und nicht von Menschen bewohnt, gab es auch noch keine Rebhühner.

Aber mit der Rodung der Wälder und mit dem Beginn der Landwirtschaft fand das Rebhuhn optimale Lebensbedingungen im Ackerland. Und da in der Region seit dem Mittelalter Getreide angebaut und Viehzucht betrieben wurde, war auch das Rebhuhn hier als Brutvogel heimisch geworden.

Das Rebhuhn ist ein typisches Feldhuhn, das sogar die Nacht in Deckung am Boden verbringt. Wälder meidet das Rebhuhn strikt. Es braucht allerdings eine abwechslungsreiche Vegetation: nicht zu große Feldfluren, unkrautreiche Feldraine und Wegränder, niedrige Gebüsche und Hecken.

In der Region kam dazu der Mischfruchtanbau: Auf dem einen Acker wuchs Gerste, auf einem anderen Hafer oder Roggen und natürlich Kartoffeln, dazu Wiesen- und Weideland, das extensiv bewirtschaftet wurde.

In einer solchen Landschaft fand das Rebhuhn ausreichend Nahrung für sich und seine Küken: Getreide- und Wildkräutersamen, Knospen, Triebe, Gras und Blätter. Für die Küken, die sich zunächst zu 95 Prozent mit tierischer Eiweißnahrung ernähren, gab es am Boden ausreichend Insekten wie Ameisen, Käfer, Spinnen, Raupen, Larven und vieles mehr.

Seit Ende der 60er und vermehrt in den 70er Jahren gaben die Kleinlandwirte nach und nach die Landwirtschaft auf, verpachteten ihren Boden an größere Landwirte, die sich auf die Viehzucht spezialisierten. Daher verschwanden die kleinflächigen Felder mit Getreide und Kartoffeln aus dem Landschaftsbild der Umgebung und dem Rebhuhn wurde die Lebensgrundlage entzogen.

Damit hatte sich die Kulturlandschaft völlig verändert, was zur Folge hatte, dass sich auch die Tierwelt veränderte, die in der Heckenlandschaft heimisch war. Das Rebhuhn verschwand, ihm folgte der Fasan.

Auch Feldlerchen in der Nordeifel sind schon fast verschwunden in dieser von der industrialisierten Landwirtschaft geprägten Kulturlandschaft ebenso der Feldsperling. Rebhühner könnten hier nur dann wieder eine Heimat bekommen, wenn so etwas wie eine Museumslandschaft geschaffen würde mit kleinflächigen, ungespritzten Getreide- und Kartoffelfeldern – dies wäre wohl mit hohen Kosten verbunden.

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