Ordensjubiläum: Schwester Gudrun ist nicht mehr wegzudenken

Von: P. St.
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Nonne Eifel
Die Kapelle des Simmerather Krankenhauses war stets ein Rückzugsort für Schwester M. Gudrun. Hier feiert sie am Sonntag auch einen Dankgottesdienst anlässlich ihres 50. Ordensjubiläums. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Wenn Schwester M. Gudrun über einen der langen Flure des Simmerather Krankenhauses geht, dann dauert das seine Zeit. Das hat weniger damit zu tun, dass sie nach einer Knieoperation noch nicht hundertprozentig auf den Beinen ist.

Vielmehr ist sie in der Region eine bekannte Persönlichkeit und im Krankenhaus seit Jahrzehnten eine feste Größe. Besucher grüßen sie ebenso wie ehemalige Absolventinnen der Krankenpflegeschule und mit den Patienten ist sie ohnehin bestens vertraut. Wenn man ihr begegnet, hält sie stets ein freundliches Wort bereit und die 71-Jährige, die in der Eifelklinik für die Krankenhausseelsorge verantwortlich ist, sieht ihre Mission noch lange nicht als erfüllt an.

Am kommenden Sonntag, 1. Mai, gibt es einen triftigen Grund zu feiern, denn Schwester Gudrun begeht ihr goldenes Ordensjubiläum. Seit 50 Jahren gehört sie dem Orden der Zelletinnen (Augustinerinnen) an, und im Mutterhaus des Ordens in Köln erneuerte sie im Kreise der 35 Mitschwestern kürzlich ihr Gelübde. Anlässlich dieses für sie bedeutenden Tages sagt die Ordensschwester rückblickend und in fester Überzeugung: „Ich blicke auf ein erfülltes Leben zurück.“ 42 Jahre ihres Ordenslebens verbrachte sie im Krankenhaus Simmerath.

Als Johanna Kaufmann wurde sie am 13. September 1944 als jüngstes von sechs Kindern in Merzenich bei Düren geboren. Das war exakt an jenem Tag, als ihr Heimatort Rollesbroich in der Endphase des Zweiten Weltkrieges evakuiert wurde. Zwei Tage vorher hatte die Familie wie die anderen Dorfbewohner auch, die Flucht angetreten. Eine Odyssee führte die Familie durch das ganze Land, ehe man nach etwa einem Jahr wieder nach Rollesbroich zurückkehrte.

„Über diese Zeit hat meine Mutter nie so gerne gesprochen“, erinnert sich Schwester Gudrun, die als 21-Jährige am 4. Mai 1965 in den Orden eintrat. Zuvor war sie als Arzthelferin bei einem Augenarzt in Aachen tätig und absolvierte im St.-Brigida-Krankenhaus Simmerath eine Ausbildung als Krankenschwester. „Es war eine Entscheidung Gottes. Ich habe diese Berufung gespürt“, erläutert die Ordensschwester den tiefgreifenden Schritt, als junge Frau ihr künftiges Leben ganz in den Dienst des Herrgotts zu stellen.

Nach dem einjährigen Postulat im Mutterhaus folgte die Einkleidung, der sich das zweijährige Noviziat anschloss. Danach besuchte Schwester Gudrun die Hebammenschule und fand ihre erste Anstellung im St.-Anna-Krankenhaus in Duisburg.

Nach sechs Jahren ergab sich die Situation, dass am Krankenhaus Simmerath für die dortige Krankenpflegeschule eine neue Leitung gesucht wurde. Der Orden hatte für diese Aufgabe Schwester Gudrun im Blick, die daraufhin pflichtbewusst eine weitere Ausbildung absolvierte, die sie als Schulleiterin qualifizierte. Im September 1975 kam sie nach Simmerath. Mit einer Portion Skepsis sei sie an die neue Herausforderung herangetreten, erinnert sie sich,„aber nach einer Eingewöhnungsphase habe ich gesehen, dass ich eine wunderbare Aufgabe übernommen habe“. Mit dieser Aufgabe war sie dann 31 Jahre lang betraut. Sie war das Gesicht, der gute Geist und die Personifizierung der 1953 gegründeten Schule, die immer eines der Aushängeschilder des Simmerather Krankenhauses war. Bis zum Jahre 2006 habe man dieses „warme Nest“ halten können, dann wurde die Einrichtung einer veränderten Konzeption des neuen Krankenhausträgers geopfert. Die Malteser hatten im Jahr 1999 das Krankenhaus übernommen, das seit seiner Gründung im Jahr 1913 von den Zelletinnen geleitet worden war. Heute befindet sich die Krankenpflegeschule in Stolberg, ein Teil der praktischen Ausbildung findet aber noch in Simmerath statt.

In der Simmerather Krankenpflegeschule fanden regelmäßig drei Kurse mit bis zu 60 Schwesternschülerinnen statt, die während der dreijährigen Ausbildung größtenteils in einem Anbau des Krankenhauses wohnten. Über 500 Schülerinnen hat Schwester Gudrun unterrichtet. Mit vielen der Examinierten hat sie heute noch Kontakt, auch aus dem ersten Kurs im Jahr 1975. Einige Schülerinnen studierten später sogar Medizin oder wurden Pflegedienstleiterinnen. „Vor allem aber gab es sehr viele gute Krankenschwestern“, betont die ehemalige Schulleiterin.

Im Jahr 2007 übernahm Schwester Gudrun die Krankenhausseelsorge nach einer Weiterbildung für klinische Seelsorge und Trauerbegleitung. Im Jahr 2011 wurde sie zur Oberin ernannt. Nur noch drei Ordensschwestern, neben Schwester Gudrun sind dies Schwester Raphaela und Schwester Tabitha, halten die Fahne des Ordens in der Eifelklinik hoch.

Das Haus wechselte 2010 erneut die Trägerschaft und gehört jetzt zur Artemed-Gruppe, die laut Schwester Gudrun die Präsenz des Ordens im Hause in hohem Maße schätzt.

Bei der Einrichtung eines Verabschiedungszimmers in der Eifelklinik fand sie ebenso die Unterstützung des Trägers wie auch bei der Errichtung eines Gedenksteins für ungeborene Kinder. Patienten und Angehörigen in schwierigen Situation Beistand anzubieten und die regelmäßige Gestaltung von Gottesdiensten, gehören für Schwester Gudrun heute zu den alltäglichen Aufgaben im Krankenhaus.

Das goldene Ordensjubiläum wurde nach einwöchigen Exerzitien im angemessenen Rahmen bereits im Mutterhaus in Köln gefeiert. Daran nahm auch der Simmerather GdG-Pfarrer Michael Stoffels teil. Schwester Gudrun spricht von einer „sehr kultivierten Zeremonie“, die von keinem, geringerem als dem früheren Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner gehalten wurde.

In einem persönlichen Grußschreiben würdigt Meisner das Wirken der Jubilarin mit den Worten: „Wie viel Segen ist von dieser täglichen Treue in die Welt und in die Kirche ausgegangen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass sie damit mehr zum Heil der Welt getan haben als große Politiker, von denen permanent die Rede ist.“

Worte der Anerkennung hat in einem Brief auch der frühere ärztliche Direktor des Simmerather Krankenhauses, Dr. Hartmut Wiechmann, gefunden: „Die Pflegeschule leiteten Sie mit großer Empathie in mütterlicher Strenge und legten Wert auf eine qualifizierte Bildung, menschlich und fachlich.“

Am Sonntag findet um 10 Uhr in der Krankenhauskapelle ein Dankgottesdienst unter Mitwirkung der Seelsorger Leo Kerbusch und Hermann van Gorp sowie des Chores Maranatha statt. Anschließend gibt es einen Empfang im Tagungsraum neben der Pforte.

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