Roetgen - Onasch: „Absolute Unverschämtheit”

Onasch: „Absolute Unverschämtheit”

Von: Ernst Schneiders
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Architekt Gerhard Wittfeld hat bei der Schulsanierung in Roetgen gleich zwei Probleme: ein finanzielles und ein noch viel größeres - mit SPD und UWG. Foto: Ernst Schneiders

Roetgen. Die UWG glaubt diesem Architekten kein Wort mehr, und auch die SPD bezeichnete Gerhard Wittfelds Leistung und Gebaren mehrfach als „absolute Unverschämtheit”.

Trotz mehrfacher Bitten und Aufforderungen habe der Architekt bislang keine belastbaren Zahlen vorgelegt, empörte sich Fraktionschef Klaus Onasch am Dienstagabend im Gemeinderat, als es um die Budgetüberschreitung bzw. um mögliche Sparvarianten bei der Sanierung des Grundschulaltbaus ging.

Was SPD und UWG überdies in Rage brachte, war eine Äußerung Wittfelds, weiteres Zahlenmaterial bedeute für sein Büro mehr Arbeit und werde deshalb nach Stunden zusätzlich abgerechnet.

Günter Severain (UWG): „Anstatt eine Rechnung zu schreiben, sollte Herr Wittfeld lieber schon einmal seine Haftpflichtversicherung informieren.” Mit einer Rechnung brauche er gar nicht erst anzukommen, so der Unabhängige weiter, denn laut Architektenvertrag müsse einem Architekten Gelegenheit gegeben werden, seine Fehler nachzubessern - ohne zusätzliches Honorar. „Und Fehler hat Herr Wittfeld gemacht”, ist Severain sicher, genau das dem Architekten ohne Probleme nachweisen zu können. Sogar Gerd Pagnia von den Grünen und Albrecht Mauer (CDU) räumten erstmals öffentlich ein, dass „da Leute etwas verbockt haben” und man diesen Leuten „nicht noch zusätzlich Geld hinterherwerfen” solle.

Auch die Projektsteuerer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) der Städteregion und Bauamtsleiter Hubert Pauls in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der Roetgener Gemeinde-Entwicklungs-Gesellschaft (RGEG) kamen nicht ungeschoren davon. Über der WFG entlud sich beinahe derselbe Zorn wie über dem Aachener Architekten, und Günter Severain konnte sich einen dezenten Hinweis auf eine mögliche Überforderung des RGEG-Geschäftsführers nicht verkneifen. Man müsse sich im Rat mit diesem Desaster befassen, „weil wir Herrn Pauls klargemacht haben, dass er so nicht weitermachen kann”. Denn immerhin geht es um eine Summe von knapp 400.000 Euro.

CDU und Grünen wäre es am liebsten gewesen, der Rat hätte diesen Betrag zusätzlich bewilligt und den Deckel auf die peinliche Angelegenheit getan. Auch mit einer geheimen Abstimmung abends kurz vor 22.30 Uhr gelang es der Union aber nicht, den einen oder anderen Ratsvertreter auf ihre Seite zu bringen. Das Gegenteil war der Fall: SPD und UWG wollten verhindern, dass der Architekt, der Projektsteuerer oder sonstwer ungeschoren aus dieser Sache herauskommt. Die „Hinhaltetaktik” und dieses „Trauerspiel mit Wittfeld” wolle man nicht länger hinnehmen. Klaus Onasch (SPD) konnte sich gar nicht mehr beruhigen: „Herr Wittfeld hat diese Situation zu einem Großteil zu verantworten. Doch was macht er? Er spricht zuerst übers Geld. Ich möchte mit diesem Mann nicht mehr diskutieren!” Dazu hätte Onasch am Dienstag ohnehin keiner Gelegenheit gehabt, denn trotz Einladung war Gerhard Wittfeld nicht zur Ratssitzung erschienen, um Rede und Antwort zu stehen.

Die CDU war peinlichst berührt, und das bekanntlich nicht ohne Grund. Während Fraktionschef Michael Seidel Zahlenkolonnen herunterbetete und unter dem Strich zu der Aussage kam, man brauche nicht 392.000 Euro sondern nur 100.000 Euro zusätzlich, unternahmen seine Fraktionskollegen Schruff und Borning untaugliche Versuche, aus heiterem Himmel irgendwelche Nebenschauplätze zu eröffnen und vom Thema abzulenken.

Doch beides fruchtete bei SPD und UWG nicht. SPD-Ratsherr Karsten Knoth konterte: „Ich verstehe nicht, dass Herr Pauls 392.000 Euro haben möchte, wenn laut Herrn Seidel nur 100.000 Euro zusätzlich gebraucht werden.” Eine von inzwischen vielen Ungereimtheiten.

Sparvariante beschlossen

SPD und UWG beschlossen letztlich mit Mehrheit die so genannte Sparvariante 1. Die besagt, dass der Altbau weiter saniert wird wie bisher vorgesehen. Verzichtet wird aber auf das neue Treppenhaus und den unterirdischen Gang zum Neubau. Erhalten bleibt ebenfalls die alte Aula. Sie wird saniert und renoviert. Das Schwimmbad wurde aus dem Budget herausgenommen, weil es nach Aussage der Schulleitung nicht so marode ist, dass es sofort angepackt werden müsste.
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