Olympiade der Köche: Nur zwei Stunden Zeit für fünf Gänge

Von: P. St.
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Konzentriert vor dem großen Auftritt auf internationaler Bühne: Anik Rodrigo, Koch im Hotel Paulushof in Rurberg, ist am Wochenende Teilnehmer der Olympiade der Köche in Erfurt. Foto: P. Stollenwerk
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Großes Aufgebot: Bei der Olympiade der Köche in Erfurt treten rund 2000 Teilnehmer aus 53 Nationen an, um die Jury von ihren Kochkünsten zu überzeugen. Foto: Messe Erfurt/Barbara Neumann

Rurberg. Die Vorspeise hat es in sich: Gleich zu Beginn muss Anik Rodrigo sich der für ihn größten Herausforderung stellen, der Zubereitung von Lachstatar auf Bulgur Linsen und Mango-Mousse an Zitronenminze-Soße. Die nächsten vier Gänge machen ihm weit weniger Kopfzerbrechen, auch wenn ihm ständig die Zeit im Nacken sitzt.

Anik Rodrigo ist Koch im Hotel Paulushof in Rurberg, doch am kommenden Wochenende wird der 35-Jährige seinen angestammten Platz in der Küche am Rurseeufer verlassen, um auf der großen Bühne des Messegeländes in Erfurt seine Kochkünste unter Beweis zu stellen.

In der Landeshauptstadt des Freistaates Thüringen findet am Wochenende die Olympiade der Köche statt. Rund 2000 Köche aus 53 Ländern geben sich hier unter dem Motto „Grenzenlos kochen“ die Kelle in die Hand. Dabei sein ist alles, lautet das olympische Motto, aber mit einer Portion Glück darf es ja auch vielleicht ein bisschen mehr sein.

Für die Nationalmannschaft

Am Freitag startet Anik Rodrigo in Richtung Osten, ehe dann von Samstag, 22., bis Dienstag, 25. Oktober, die internationale Schar der Köche Töpfe und Pfannen glühen lässt. Alle vier Jahre findet der kulinarische Berufswettbewerb statt, doch für Rodrigo ist es eine Premiere. Er nimmt zum ersten Mal an der sogenannten „Internationalen Kochkunstausstellung“ (IKA) teil, die im Jahr 1900 erstmals in Frankfurt stattfand. Ausgerichtet wird die große Show vom VKD, dem Verband der Köche Deutschlands.

Anik Rodrigo geht in Erfurt für die deutsche Nationalmannschaft an den Start. Beim „Einmarsch der Nationen“ auf dem Messegelände wird zudem auch noch ein Nachwuchsteam die deutschen Farben vertreten.

Zwei Stunden Zeit hat Anik Rodrigo, um ein Fünf-Gänge-Menu auf den Tisch der Jury zu zaubern. Die genaue Zusammensetzung des Menus darf im Vorfeld nicht verraten werden. Die 60-köpfige Jury muss in einem wahren Probier-Marathon ein differenziertes Urteil abgeben, das am Ende über Punkte und Medaillen entscheidet. Bei 100 Punkten gibt es Gold, und Anik Rodrigo ist hochmotiviert und will beim Wettbewerb gut abschneiden.

Das Fünf-Gänge-Menu, das er als Wettbewerbsbeitrag eingereicht hat, kommt in Erfurt nicht zum ersten Mal auf den Tisch. Für sein Küchenteam im Paulushof hat er seine Eigenkreation bereits schon einmal zur Probe zubereitet. „Da habe ich noch ein paar gute Tipps von den Kollegen bekommen“, sagt der 35-Jährige lachend.

Zu den Aufgaben in Erfurt gehört außerdem noch die Zubereitung von vier Sorten Fingerfood.

Das Zeitfenster einzuhalten, gehört auch zu den Fähigkeiten, die ein Koch beherrschen muss. „Das Wichtigste ist, die Ruhe zu bewahren“, sagt Anik Rodrigo, der bei seinem Menuvorschlag versuchen möchte, typische Geschmacksvarianten mehrerer Kulturen auf den Tisch zu bringen.

Auf internationale und inzwischen langjährige Erfahrung in der Küche, die auch Voraussetzung für die Zulassung zum Wettbewerb ist, kann Anik Rodrigo in der Tat zurückblicken.

Geboren in Sri Lanka, in der Hafenstadt Negombo, verließ er 1999 sein Heimatland, um sein bis dahin absolviertes Diplom-Kochstudium dem Praxistest in der Küche zu unterziehen. Im italienischen Verona nahe dem Gardasee absolvierte er seine Ausbildung und lernte die Feinheiten der italienischen Küche kennen.

Gleich Gefallen an der Eifel

Als er während eines Urlaubs im Jahr 2002 einmal seinen in Rurberg lebenden Onkel besuchte, war er sogleich Feuer und Flamme für die Eifel. „Diese Gegend hat mir auf Anhieb sehr gut gefallen“, sagt er, und in der Tat sollte wenige Jahre später die Eifel zu seiner neuen Heimat werden.

Im Jahr 2012 kam Anik Rodrigo in die Nordeifel, und nach einer zweijährigen Tätigkeit in einem Restaurant in Simmerath ist er nun seit zwei Jahren als Koch im Paulushof beschäftigt. In dem traditionsreichen Haus am Rursee sind 18 Mitarbeiter in der Gastronomie beschäftigt.

Anik Rodrigo lebt heute mit seiner Ehefrau und zwei Kindern (fünf und zwei Jahre alt) in Kesternich, die ihm selbstverständlich bei seinem großen Auftritt auf der internationalen Kochbühne in Erfurt die Daumen drücken. Die drei Kulturen mit denen er inzwischen vertraut ist, sollen wie gesagt auch den besonderen Pfiff seines Menuvorschlages ausmachen.

Lob für Sauerbraten

Der deutschen Küche kann Anik Rodrigo übrigens auch einige reizvolle Geschmacksrichtungen abgewinnen. Sauerbraten findet er „sehr interessant“, aber sein Lieblingsessen geht dann doch in eine andere Richtung: Mit asiatischen Gewürzen zubereiteter Fisch, kombiniert mit einer europäischen Note, ist sein persönlicher Favorit auf dem Tisch.

Doch den eigenen Gaumengenuss muss er nun vorübergehend in den Hintergrund stellen, denn bei der Olympiade der Köche gilt es jetzt, auf ganzer Linie kulinarische Überzeugungsarbeit bei den kritischen Geschmacksnerven der Juroren zu leisten.

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