Olympia-Betrug: 3283 Euro für Plätze vor dem Fernseher
Monika und Peter Braune beim Studieren des Olympia-Fernsehprogramms: Die Leichtathletik-Wettkämpfe am Samstag werden die Eheleute von ihrer Wohnzimmercouch in Woffelsbach aus erleben - vor dem Fernseher. Foto: Jan Mönch
Was könnte es für einen wie Peter Braune, der sagt, Sport gehöre zu seinem Leben genau so selbstverständlich dazu wie das Zähneputzen, Größeres geben? Wahrscheinlich nicht viel.
Doch für Peter Braune und seine Frau Monika, beide 63 Jahre alt und wohnhaft in Woffelsbach, wird all das ein Traum bleiben. Das gilt für viele Leichtathletikfans. Die Braunes jedoch haben satte 3283 Euro für zwei Eintrittskarten hingeblättert - und nicht erhalten. Alles deutet darauf hin, dass sie Betrügern aufgesessen sind.
Dass sie in London dabei sein wollten, stand für die Eheleute spätestens fest, als sich die Pläne, 2008 zu den Spielen in Peking zu fahren, zerschlagen hatten. Vergangenes Jahr im Mai setzte sich Monika Braune an ihren Rechner, um sich und ihrem Mann Tickets zu sichern. Diese jedoch waren auf dem regulären Wege innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Was Monika Braune dann tat, bereut sie bis heute: Sie fragte die Suchmaschine um Rat - und stieß auf einen norwegischen Kartenanbieter namens „Euro Team Ticket”.
Hätte Monika Braune diesen Namen in die Suchmaschine eingegeben, dann wäre sie auf Internetforen gestoßen, in denen geprellte Ticketkäufer zu Hunderten ihr Leid klagen: Fußballfans, die den „Clasíco” zwischen FC Barcelona und Real Madrid sehen wollten, Musikliebhaber, die dachten, sie könnten zu Roger Waters.
Doch das entdeckte Monika Braune erst, als es viel zu spät war. Sie kaufte die sündhaft teuren Tickets, zu zahlen per Kreditkarte. Und wurde schon kurze Zeit später stutzig: Bereits nach kaum einer Stunde sei der volle Betrag von ihrem Konto abgebucht gewesen. „Normalerweise wird erst mal nur eine Anzahlung abgebucht, und auch das nicht so schnell”, sagt Braune, die schon oft - ohne Probleme - Tickets für die verschiedensten Veranstaltungen im Internet erstanden hat. Ihre Kreditkartenfirma habe sich nicht in der Lage gesehen, etwas für sie zu tun.
Der erste Verdacht, eine Dummheit begangen zu haben, war also früh da. Die Hoffnung, dass sich die Angelegenheit doch in Wohlgefallen auflöst, dass der Anbieter vielleicht ein bisschen merkwürdig agiert, aber im Endeffekt doch seriös ist, begruben Monika und Peter Braune erst vor Kurzem. Nun steht für sie fest: Den kommenden Samstag werden sie auf ihrer Wohnzimmercouch verbringen. Sie werden sich auf die Mattscheibe konzentrieren und versuchen, nicht an all den Ärger zu denken, der sich seit dem Tag der verhängnisvollen Ticketbestellung abgespielt hat: kostspielige Auslandstelefonate, zermürbendes Ausharren in Warteschleifen, Hoffen, Bangen, Zorn. Peter Braune, den man als besonnenen Charakter beschrieben kann, erinnert sich: „Ich stand manchmal kurz vor einem Wutanfall.”
Denn es war war nicht etwa so, dass Euro Team Ticket sich schlicht nicht mehr meldete. Ganz im Gegenteil: Die Braunes wurden mit stets neuen Ausreden hingehalten. Zuletzt hieß es, die Karten würden einen Tag vor dem Termin an das Londoner Hotel geschickt - man möge nur kurz die Adresse durchgeben, dann sei alles in Butter.
Nur ein schwacher Trost ist, dass Monika und Peter Braune bei weitem nicht die einzigen waren, die auf die norwegischen Gauner reinfielen. Patrick Oppelt vom Europäischen Verbraucherzentrum ist der Name Euro Team Ticket schon lange ein Begriff, im negativen Sinne. Im Vorfeld der Olympischen Spiele seien reihenweise Beschwerden bei ihm eingegangen.
Die Erfahrungen gleichen denen der Braunes bis ins Detail. Das Spiel läuft laut dem Juristen üblicherweise darauf hinaus, dass dem Kunden eine Stornierung angeboten wird - natürlich gegen gewaltige Stornogebühren von mindestens 50 Prozent des Kaufpreises. Perfide, denn erstens hat die Firma dann immer noch gut verdient, und zweitens gibt der Verbraucher seine Ansprüche auf Schadensersatz, etwa für Folgekosten wie Hotel und Flug, aus der Hand. Ob jemals Aussicht bestanden hat, tatsächlich an die Karten zu kommen, spielt dann keine Rolle mehr. Immerhin scheint die windige Truppe den Bogen mit Olympia ein wenig überspannt zu haben: Kürzlich haben die britische und die norwegische Polizei laut Oppelt Ermittlungen eingeleitet.
Einige der verschiedenen Internetseiten von Euro Team Ticket sind offline, auf anderen dichten die halbseidenen Geschäftemacher sich mit olympischem Ehrgeiz in die Opferrolle: Auf der Startseite findet sich ein Hinweis, alle Olympiatickets seien von der Polizei konfisziert worden, und das trotz halbleerer Stadien, ein Skandal sei das. Darunter werden unverdrossen Karten für Fußballspiele, Bruce Springsteen oder das Mailänder Teatro Alla Scala angeboten.
Neulich hat Peter Braune im Fernsehen ein Interview mit Boris Becker gesehen. Der einstige Tennisstar erzählte, dass er es klasse fände, sich Sportereignisse gemütlich daheim anzusehen. „Und wenn der Boris das sagt...”, setzt Peter Braune an. Dann scheint er nicht so recht zu wissen, wie er den Satz beenden soll.
Das Bundeskriminalamt und das Europäische Verbraucherzentrum warnen vor dem Versuch, Olympiakarten abseits der offiziellen Stellen zu erwerben. Patrick Oppelt vom Verbraucherzentrum rät dazu, Karten möglichst per Lastschriftverfahren zu zahlen. Dann ist im Zweifelsfalle eine Rückbuchung möglich. Jedoch böten auch einige Kreditkartenanbieter ausreichend Schutz gegen zwielichtige Anbieter.
Ferner ist dem Juristen ein Fall bekannt, in dem die Rechtsschutzversicherung einer um ihre Tickets geprellten einsprang und diese entschädigte. Die Versicherung habe hier ein teures Gerichtsverfahren in Norwegen umgehen wollen. Die sicherste Möglichkeit sei natürlich, erst bei Lieferung zu zahlen.
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Doch für Peter Braune und seine Frau Monika, beide 63 Jahre alt und wohnhaft in Woffelsbach, wird all das ein Traum bleiben. Das gilt für viele Leichtathletikfans. Die Braunes jedoch haben satte 3283 Euro für zwei Eintrittskarten hingeblättert - und nicht erhalten. Alles deutet darauf hin, dass sie Betrügern aufgesessen sind.
Dass sie in London dabei sein wollten, stand für die Eheleute spätestens fest, als sich die Pläne, 2008 zu den Spielen in Peking zu fahren, zerschlagen hatten. Vergangenes Jahr im Mai setzte sich Monika Braune an ihren Rechner, um sich und ihrem Mann Tickets zu sichern. Diese jedoch waren auf dem regulären Wege innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Was Monika Braune dann tat, bereut sie bis heute: Sie fragte die Suchmaschine um Rat - und stieß auf einen norwegischen Kartenanbieter namens „Euro Team Ticket”.
Hätte Monika Braune diesen Namen in die Suchmaschine eingegeben, dann wäre sie auf Internetforen gestoßen, in denen geprellte Ticketkäufer zu Hunderten ihr Leid klagen: Fußballfans, die den „Clasíco” zwischen FC Barcelona und Real Madrid sehen wollten, Musikliebhaber, die dachten, sie könnten zu Roger Waters.
Doch das entdeckte Monika Braune erst, als es viel zu spät war. Sie kaufte die sündhaft teuren Tickets, zu zahlen per Kreditkarte. Und wurde schon kurze Zeit später stutzig: Bereits nach kaum einer Stunde sei der volle Betrag von ihrem Konto abgebucht gewesen. „Normalerweise wird erst mal nur eine Anzahlung abgebucht, und auch das nicht so schnell”, sagt Braune, die schon oft - ohne Probleme - Tickets für die verschiedensten Veranstaltungen im Internet erstanden hat. Ihre Kreditkartenfirma habe sich nicht in der Lage gesehen, etwas für sie zu tun.
Der erste Verdacht, eine Dummheit begangen zu haben, war also früh da. Die Hoffnung, dass sich die Angelegenheit doch in Wohlgefallen auflöst, dass der Anbieter vielleicht ein bisschen merkwürdig agiert, aber im Endeffekt doch seriös ist, begruben Monika und Peter Braune erst vor Kurzem. Nun steht für sie fest: Den kommenden Samstag werden sie auf ihrer Wohnzimmercouch verbringen. Sie werden sich auf die Mattscheibe konzentrieren und versuchen, nicht an all den Ärger zu denken, der sich seit dem Tag der verhängnisvollen Ticketbestellung abgespielt hat: kostspielige Auslandstelefonate, zermürbendes Ausharren in Warteschleifen, Hoffen, Bangen, Zorn. Peter Braune, den man als besonnenen Charakter beschrieben kann, erinnert sich: „Ich stand manchmal kurz vor einem Wutanfall.”
Denn es war war nicht etwa so, dass Euro Team Ticket sich schlicht nicht mehr meldete. Ganz im Gegenteil: Die Braunes wurden mit stets neuen Ausreden hingehalten. Zuletzt hieß es, die Karten würden einen Tag vor dem Termin an das Londoner Hotel geschickt - man möge nur kurz die Adresse durchgeben, dann sei alles in Butter.
Nur ein schwacher Trost ist, dass Monika und Peter Braune bei weitem nicht die einzigen waren, die auf die norwegischen Gauner reinfielen. Patrick Oppelt vom Europäischen Verbraucherzentrum ist der Name Euro Team Ticket schon lange ein Begriff, im negativen Sinne. Im Vorfeld der Olympischen Spiele seien reihenweise Beschwerden bei ihm eingegangen.
Die Erfahrungen gleichen denen der Braunes bis ins Detail. Das Spiel läuft laut dem Juristen üblicherweise darauf hinaus, dass dem Kunden eine Stornierung angeboten wird - natürlich gegen gewaltige Stornogebühren von mindestens 50 Prozent des Kaufpreises. Perfide, denn erstens hat die Firma dann immer noch gut verdient, und zweitens gibt der Verbraucher seine Ansprüche auf Schadensersatz, etwa für Folgekosten wie Hotel und Flug, aus der Hand. Ob jemals Aussicht bestanden hat, tatsächlich an die Karten zu kommen, spielt dann keine Rolle mehr. Immerhin scheint die windige Truppe den Bogen mit Olympia ein wenig überspannt zu haben: Kürzlich haben die britische und die norwegische Polizei laut Oppelt Ermittlungen eingeleitet.
Einige der verschiedenen Internetseiten von Euro Team Ticket sind offline, auf anderen dichten die halbseidenen Geschäftemacher sich mit olympischem Ehrgeiz in die Opferrolle: Auf der Startseite findet sich ein Hinweis, alle Olympiatickets seien von der Polizei konfisziert worden, und das trotz halbleerer Stadien, ein Skandal sei das. Darunter werden unverdrossen Karten für Fußballspiele, Bruce Springsteen oder das Mailänder Teatro Alla Scala angeboten.
Neulich hat Peter Braune im Fernsehen ein Interview mit Boris Becker gesehen. Der einstige Tennisstar erzählte, dass er es klasse fände, sich Sportereignisse gemütlich daheim anzusehen. „Und wenn der Boris das sagt...”, setzt Peter Braune an. Dann scheint er nicht so recht zu wissen, wie er den Satz beenden soll.
Das Bundeskriminalamt und das Europäische Verbraucherzentrum warnen vor dem Versuch, Olympiakarten abseits der offiziellen Stellen zu erwerben. Patrick Oppelt vom Verbraucherzentrum rät dazu, Karten möglichst per Lastschriftverfahren zu zahlen. Dann ist im Zweifelsfalle eine Rückbuchung möglich. Jedoch böten auch einige Kreditkartenanbieter ausreichend Schutz gegen zwielichtige Anbieter.
Ferner ist dem Juristen ein Fall bekannt, in dem die Rechtsschutzversicherung einer um ihre Tickets geprellten einsprang und diese entschädigte. Die Versicherung habe hier ein teures Gerichtsverfahren in Norwegen umgehen wollen. Die sicherste Möglichkeit sei natürlich, erst bei Lieferung zu zahlen.





