Ohne Eifelwasser läuft in der Region Aachen nichts

Von: Karl-Heinz Hoffmann
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In der grafischen Darstellung wird die Dimension des Eifeler Talsperrenverbundsystems deutlich. Von hier aus wieder die gesamte Region Aachen mit Trinkwasser versorgt. Repros: Karl-Heinz Hoffmann
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Mit Hilfe eines schwenkbaren Saugrohrs wird seit 20 Jahren Rohwasser aus dem Obersee entnommen. Foto: Karl-Heinz Hoffmann

Eifel. Wer in Stolberg, Aachen oder Baesweiler den Wasserhahn zum Baden oder Kaffeekochen aufdreht, ist sich meist nicht darüber im Klaren, dass dabei auch Wasser aus der Eifel aus der Leitung fließt.

Selbst im niederländischen Vaals und Kerkrade, die gleichfalls zum Versorgungsgebiet der Wassergewinnungs- und Aufbereitungsgesellschaft mbH (WAG) mit Sitz in Roetgen gehören, fließt Eifelwasser aus dem Obersee der Rurtal-, Kall- und Dreilägerbachtalsperre durch die Leitungen.

Diese Talsperren (in Verbindung mit der Olef- und Urfttalsperre) sind durch ein ausgeklügeltes Talsperrenverbundsystem miteinander verbunden und sichern so die Trinkwasserversorgung der Region. „Wir versorgen etwa 600.000 Menschen“, erklärt Paul Kirch, Leiter Wassergewinnung der WAG, die je zur Hälfte der Stawag (zuständig für die Stadt Aachen) und der enwor (überwiegend Städteregion) gehört. Rund 33 Millionen Kubikmeter Trinkwasser fließen dafür durch die Rohre.

Aus ihren zwei eigenen Talsperren - der Dreilägerbach- und Kalltalsperre - bezieht die WAG dafür ihr Wasser. Das reicht aber bei weitem nicht aus. Deshalb wird das Reservoir aus dem Obersee der Rurtalsperre von Mai bis September aufgefüllt. „In der restlichen Zeit kommen wir mit dem Wasser aus der Dreilägerbachtalsperre hin“, erklärt Paul Kirch und ergänzt: „Ansonsten stellt der Obersee aber das Rückgrat der Wasserversorgung dar“. Bis zu 28,5 Millionen Kubikmeter Rohwasser werden dafür jährlich aus dem Obersee entnommen.

Das Pumpwerk Rurberg, direkt am Überlauf des Paulushofdammes gelegen, spielt dabei eine wichtige Rolle. Hier schlägt quasi das Herz der Trinkwasserversorgung, da hier nicht nur das Wasser des Obersees entnommen wird, sondern mit gewaltigem Druck durch ein Rohr von einem Meter Durchmesser mittels gewaltiger Pumpen vom tiefer gelegenen Rursee über 1,2 Kilometer 160 Meter hoch auf die Höhe von Kesternich befördert wird.

Im Keller des Pumpwerks, wo dieses Rohr das Gebäude verlässt, erklärt Pumpenmeister Udo Rader, der hier zusammen mit seinem Mitarbeiter Heinz Bergsch Regie führt, die enorme Leistung die Pumpen.

Obersee wurde 1994 entleert

In den Jahren 1954 bis 1956 wurde das Pumpwerk Rurberg im übrigen im Zusammenhang mit der Aufstockung des Rursees gebaut. Im Gegensatz zu anderen Talsperren wird das Wasser hier allerdings seit 20 Jahren auf andere Art und Weise entnommen. 1994 wurde der Obersee entleert, um ein neuartiges Entnahmesystem zu installieren. „Damals mussten wir uns beeilen, da uns für die Bauarbeiten nur drei Monate zur Verfügung standen“, erinnert sich Paul Kirch.

Installiert wurde damals in der trockengelaufenen Talsperre direkt vor dem Pumpwerk ein um 13 Höhenmeter schwenkbares Saugrohr, wodurch die Wasserentnahme in verschiedenen Höhen erfolgen konnte. „Hierbei handelte es sich um ein Luxemburger Patent, das ohne Öl und Schmierstoffe auskommt und dessen Hydraulikzylinder keramikbeschichtet ist“, erklärt Paul Kirch hierzu fachmännisch.

Von welcher Qualität dieses Saugrohr ist, zeigt sich laut Kirch auch daran, dass der „Entnahmeschnorchel“ seit 20 Jahren ohne Probleme arbeitet. Das Saugrohr wird in regelmäßigen Abständen von Tauchern inspiziert und die Wasserqualität des Obersees vom Labor der WAG kontrolliert. Vom zuvor erwähnten auf Kesternicher Höhe befindlichen Steigeschacht, den man mit geschultem Blick auch vom tiefer gelegenen Rursee aus sehen kann, gelangt das Rohwasser über die vier Kilometer lange sogenannte Rurüberleitung durch den fast gleich langen in den 1950ziger Jahren gebauten Heinrich-Geis-Stollen in die Kalltalsperre bei Lammersdorf.

Von dort aus geht es dann durch den 6 Kilometer langen Kallstollen, der von 1924 bis 1926 angelegt wurde, weiter bis zur Dreilägerbachtalsperre. Die Stollen werden jedes Jahr zu Kontrollzwecken begangen, wobei der Kallstollen eine komfortable Höhe von knapp zwei Meter hat.

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