Rurberg - Ohne ehrenamtliche Hilfe ginge nicht viel

Ohne ehrenamtliche Hilfe ginge nicht viel

Von: Barbara Berger
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Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns inmitten der Preisträger. Im Hintergrund die Ortsvorsteher der Dörfer, die die Ehrenamtler vorgeschlagen hatten. Foto: Barbara Berger

Rurberg. Können Sie sich eine Welt ohne freiwillige Helfer vorstellen? Wie sähe sie aus? Wer würde mit einsamen Senioren Skat spielen, wer den in der Eifel so beliebten Karneval in seiner raren Freizeit organisieren, und wer würde, auch ohne einen Cent dafür zu kassieren, allwöchentlich die Bambini trainieren - selbst bei miesem Wetter? Richtig! Niemand.

All diesen Freiwilligen ist der Tag des Ehrenamtes gewidmet, der von den Vereinten Nationen 1985 eingeführt wurde und jährlich am 5. Dezember begangen wird. Wer sich jetzt umschaut, wird feststellen, auch in der Eifel gibt es zahlreiche Menschen, die sich, ohne eine finanzielle Gegenleistung zu erwarten, für andere einsetzen.

Die Gemeinde Simmerath hat diese Menschen nun erstmalig aus dem Schatten geholt und beim ersten Simmerather Tag des Ehrenamtes ins Licht gerückt, um sie für ihren Einsatz auszuzeichnen. 250 geladene Gäste waren dazu am Freitagabend in den Rurberger Antoniushof, selbst ein Vorzeigeprojekt für ehrenamtliches Engagement, geladen worden, um daran teilzuhaben.

Eine längst überfällige Einladung, wie Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns fand. „Wir müssen den Wert des ehrenamtlichen Engagements auch öffentlich schätzen lernen, und zwar nicht nur wegen des beträchtlichen finanziellen Gegenwertes der durch die Freiwilligenarbeit erbracht wird, sondern weil sie entscheidend ist für viele Bereiche des öffentlichen Lebens”, begründete er seine Entscheidung für die Veranstaltung, die von nun an jährlich stattfinden soll.

Insgesamt zwölf Personen kamen zusammen, die an diesem Abend ausgezeichnet wurden. „Wir haben uns ein ganz spezielles Andenken ausgedacht”, verriet Hermanns. Ein Bilderrahmen mit persönlicher Widmung, der aus ganz besonderem Holz geschnitzt ist, so wie die Freiwilligen selbst, soll sie an diesen Abend erinnern. „Das Holz der Rotbuche stammt aus dem Gemeindewald und ist besonders hart”, betonte Hermanns. Sonst kennt man die Rotbuche als schützende Hecke in der Landschaft der Eifel, nun soll sie die Ehrenamtler auch zukünftig motivieren, sich in ihren Vereinen einzusetzen.

Bescheidene Preisträgerin

In einer kurzen Laudation würdigten die jeweiligen Ortsvorsteher ihre Ehrenamtspreisträger. Auffallend war vor allem eines: Fast alle Preisträger haben bereits eine lange Karriere als Ehrenamtliche hinter sich, sind immer noch aktiv, und zwar meist in mehreren Vereinen gleichzeitig. So zum Beispiel der 68-jährige Heinz Nellessen. Der Preisträger aus Dedenborn ist schon seit jungen Jahren aktiv im sportlichen und kulturellen Leben des Dorfes. 30 Jahre lang war er Mitglied des Fußballvereines DJK Dedenborn, hat sich als Maler einen Namen gemacht und seit 1978 alle zwei Jahre eine Hobbyausstellung initiiert. Neben dem Ortswappen hat der Kunstbegeisterte außerdem ein Wandbild im Gemeindezentrum entworfen und zahlreiche Ortsschilder erstellt.

Auch andere Stellen haben schon erkannt, dass Franz-Josef Renner aus Eicherscheid, vorgestellt von Ortsvorsteher Günther Scheidt, großartige Arbeit für den Fußball leistet. 1983, 1993 und 1999 wurde er mit dem Sepp-Herberger-Preis für seine engagierte Jugendarbeit als Leiter der Jugendabteilung bei der Germania Eicherscheidt ausgezeichnet. Auch in Rurberg wurde er für diese Leistung ausgezeichnet. Eine Frau wurde in Einruhr als Preisträgerin bestimmt.

„Viel Gutes geschieht leise”, das treffe auch auf Doris Nießen zu, lobte Ortsvorsteher Christoph Poschen die aktive Helferin, die nicht nur 15 Jahre lang als Vorsitzende des Pfarrgemeinderates gewirkt habe, sondern zudem Feste organisiert, Priestergräber gepflegt und alte Menschen im Krankenhaus betreut habe. „Sie hörte zu, wo niemand sonst mehr da war”, sagte Poschen. Auch wenn sie sich natürlich sehr gefreut habe, erst habe sie den Preis gar nicht annehmen wollen, erzählte Poschen über seine bescheidene Preisträgerin.

Lieselotte Rollesbroich aus Kesternich hingegen gibt unumwunden zu: „Mir hat diese Auszeichnung gut getan.”

Als besonders verdiente Persönlichkeit war sie von Karl-Heinz Hermanns persönlich für den Ehrenpreis des Bürgermeisters ausgewählt worden. Sie habe sich in ganz besonderer Weise dem Gemeinwohl der Gemeinde Simmerath verschrieben, betonte Hermanns.

Die 64-Jährige war nicht nur 14 Jahre lang die Vertretung der Damen im Schützenverein, auch im Pfarrgemeinderat war sie acht Jahre lang tätig. Dann kam der Krebs. 20 Jahre ist das jetzt her.

Statt aufzugeben, sich zurückzuziehen, alle Ämter abzugeben, startete Lieselotte richtig durch. Erst nahm sie selbst an den Treffen der „Selbsthilfegruppe nach Krebserkrankungen” teil. Dann, nach dem Ausscheiden der Leiterin, übernahm sie 1993 den Vorsitz. Seitdem widmet sie sich mit großer Hingabe inzwischen rund 40 erkrankten Frauen und Männern.

Sie bietet Hilfe an, sie hört zu, sie tröstet, und das alles, obwohl sie selbst nach mehreren Rückschlägen noch immer mit der tückischen Krankheit kämpft. Ihr offener Umgang mit der Krankheit gibt anderen Krebspatienten Mut und Hoffnung.

So viel selbstloser Einsatz rührt auch das Publikum: Stehend applaudieren die 250 geladenen Gäste der sichtlich bewegten Lieselotte Rollesbroich.
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