OB: Alter Tivoli war der „bessere Weg”

Von: Alexander Barth
Letzte Aktualisierung:
Ein bewegendes Thema lockte vi
Ein bewegendes Thema lockte viele Besucher an: Beim Bürgerforum rund um die Soers stand neben dem Dokumentarfilm „Friede, Freude, Eierkuchen” eine Fragerunde auf dem Programm. Der Dokumentarfilm läuft derzeit im Aachener Apollo-Kino. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es ist nur eine kurze Note zum neuen Tivoli. Doch sie sorgt für großes Erstaunen bei den Gästen des Leserforums Soers unserer Zeitung. „Es geht jetzt darum, Schadensbegrenzung zu betreiben”, sagt Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp mit Blick auf die riskante Finanzierung des neuen Aachener Fußballstadions. Und dann legt er nach.

„Rückblickend wäre die Ertüchtigung des alten Tivoli wohl der bessere Weg gewesen.” Damit liefert Philipp die wohl knalligste Aussage an einem informativen wie emotionalen Abend, an dem die Facetten und Gesichter der Soers dargestellt werden sollen, so unser Redakteur Manfred Kutsch, der den Abend moderiert. Das gelingt. Ein altehrwürdiges Fleckchen grüne Vorstadt, „das schon Kaiser Karl als Ernährungsbasis für seine Pfalz” gedient habe, wie Axel Deubner vom Soerser Forum erklärt.

Das Kernstück des Abends bildet der Dokumentarfilm „Friede, Freude, Eierkuchen”. Er holt einiges von dem hervor, was in den Jahren vor, während und nach dem Stadionbau der Alemannia die Gemüter im Schatten des Lousbergs erregte. Selbst in der Soers lebend, war das Filmemacher-Duo Miriam Pucitta und Michael Chauvistré über die reine Videobegleitung der Bürgerinitiative zu Chronisten der Ereignisse zwischen 2007 und 2011 geworden.

Nicht nur Hubert Coonen, langjähriger Wortführer der Soerser Kleingärtner, kaut an diesem Abend verbissen auf seiner Unterlippe, als er via Leinwand noch einmal den Abriss der altehrwürdigen Lauben miterleben muss. Auch die anderen Akteure des langjährigen Bürgerprotests rund um den Tivoli-Neubau sind gekommen. Eingefleischte Soerser, Landwirte, Politiker und Umweltschützer. Sie alle haben ihren Teil der Geschichte geschrieben, die der Film erzählt und die von der Bürgerinitiative Soerser Forum weitergeschrieben wird. „Es ist wunderschön, dass wir endlich einmal alle Protagonisten versammeln konnten”, freut sich Filmemacherin Miriam Pucitta.

Ein anderer starker Moment des Films, eine andere Soerser Geschichte der jüngeren Vergangenheit: Gastronom Ekrem Atas begutachtet sichtlich bewegt die Trümmer seines im Zeitraum des Tivoli-Baus ausgebrannten Restaurants „Zweistromland”. Der Vater sei über den Brand und die Vorwürfe, selbst Hand angelegt zu haben, krank geworden, erzählt Sohn Aydin bei der anschließenden Talkrunde.

Wie bitter, beinahe höhnisch wirkt rückblickend im Film der Spatenstich zum Neubau des Tivoli, bei dem Ex-OB Jürgen Linden nicht zum einzigen Mal in den 87 Filmminuten gezeigt wird. Als er davon spricht, dass Ämterhäufung nie seine Sache gewesen sei, wird es im Publikum kurz unruhig.

Gelöstes Gelächter gibt es dagegen immer dann, wenn eine andere Heldin des Streifens auftaucht: Chauvistrés Tante Hedi aus Forst, zuständig für den Soundtrack. „Sie hat anhand weniger Stichworte die köstlich kommentarhaften Lieder beigesteuert”, so der Filmemacher lächelnd.

Nach den Bildern der jüngeren Vergangenheit wird in der anschließenden Diskussion deutlich, welch klares Bild die Soerser von der Zukunft ihres Tals haben. Die Vertreter des Forums formulieren deutlich ihre Forderungen an Politik und an den Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV). Hans-Karl Rouette unterstreicht die Forderung nach einer Demarkationslinie, wonach westlich des Soerser Wegs jegliche Hochbauten ausgeschlossen werden sollten. Und er blickt zurück: „Wir haben viel gelernt über den Umgang mit Mächtigen. Und wir haben gelernt, dass die Macht nicht bei uns liegt.”

Ganz zum Schluss bricht es doch noch aus Hubert Coonen heraus. Am Ende eines langen Abends schlägt bei ihm noch einmal die Verbitterung über die Ereignisse der vergangenen Jahre durch. „Wir reden auch heute Abend viel zu viel darüber, was alles für die Alemannia getan wird”, ereifert sich Coonen. „Dabei soll es doch um den Film gehen.” Regisseur Chauvistré beruhigt, und erklärt, der Film möge als das verstanden werden, was er ist: ein dokumentarischer Blick auf die Bürgerproteste in Aachens grüner Vorstadt und ein Impuls für die Debatte.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert